Ocado-Aktie stürzt auf 13-Jahres-Tief nach schwachen Halbjahreszahlen
Der britische Lebensmittel-Lieferkonzern Ocado verliert 18,5 Prozent, nachdem die Technologiesparte deutlich schwächelt und Kunden abspringen.

Die Aktien des britischen Lebensmittel-Lieferkonzerns Ocado sind am Donnerstag um 18,5 Prozent eingebrochen und haben damit ein 13-Jahres-Tief erreicht. Auslöser war ein deutlicher Gewinnrückgang in der Technologiesparte des Unternehmens, die das Kernstück des Geschäftsmodells bildet. Anleger, die auf eine schnelle Erholung gehofft hatten, wurden enttäuscht.
Das bereinigte EBITDA der Technologiesparte – in der das Lizenzgeschäft von Ocado angesiedelt ist – sank in den sechs Monaten bis zum 31. Mai um 18 Prozent auf 60 Millionen Britische Pfund. Diese Sparte macht etwa vier Fünftel des gesamten Konzerngewinns aus und ist damit entscheidend für die Bewertung des Unternehmens. Bereinigt um Entschädigungszahlungen früherer Kunden fiel der Umsatz der Technologieeinheit im ersten Halbjahr um 8 Prozent auf 256 Millionen Britische Pfund.
Absprung wichtiger Kunden belastet das Geschäft
Ein wesentlicher Grund für die schwache Performance sind die Entscheidungen der internationalen Kunden Kroger (USA) und Sobeys (Kanada), Lagerhäuser zu schließen, die mit der Technologie von Ocado ausgestattet waren. Diese Rückzüge haben die globalen Wachstumsambitionen des Unternehmens erheblich gebremst. Ocado hatte seine Technologie mit dem Versprechen langfristiger internationaler Lizenzverträge entwickelt und dafür hohe Vorabinvestitionen getätigt.
Zusätzlich warnte Ocado am Donnerstag, dass sich geplante Projekte mit Kroger in Arizona sowie mit dem südkoreanischen Partner Lotte in Seoul verzögern werden. Infolgedessen senkte das Unternehmen seine Prognose für die Anzahl der installierten „Module" – technologische Ausrüstungseinheiten für Lagerhäuser – von ursprünglich 10 bis 15 auf nunmehr etwa 10 für das laufende Jahr. Jedes mit Ocado-Technologie ausgestattete Lagerhaus besteht aus mehreren solcher Module.
Bernstein-Analyst William Woods kommentierte die Halbjahreszahlen kritisch: Die Ergebnisse zeigten „kaum Fortschritte bei neuen Wachstumspfaden und anhaltende Verzögerungen in der Pipeline". Diese Einschätzung spiegelt die wachsende Skepsis am Markt gegenüber dem Geschäftsmodell von Ocado wider.
Führungsstreit und CEO-Zukunft
Die schwachen Zahlen fallen in eine Phase interner Spannungen beim Unternehmen. Einige Aktionäre hatten zuletzt gefordert, Firmengründer und CEO Tim Steiner zu ersetzen, nachdem der Aktienkurs seit dem Pandemie-Hoch vor fünf Jahren um 91 Prozent eingebrochen war. Steiner hatte Ocado im Jahr 2000 gemeinsam mit ehemaligen Goldman-Sachs-Kollegen mitgegründet.
In diesem Monat einigten sich Steiner und der Vorstand unter Vorsitz von Adam Warby darauf, dass er bis Dezember 2027 im Amt bleibt und anschließend eine beratende Funktion übernimmt. Steiner verteidigte seine Rolle am Donnerstag: „Die Kunden sind daran gewöhnt, dass ich in den letzten 26,5 Jahren da war, und wenn ich ankündigen würde, dass ich in Kürze gehe, wären sie etwas verunsichert." Er betonte zudem, dass er eng mit den Kunden zusammenarbeite und sein Engagement diesen „Gewissheit und Klarheit" biete.
Steiner erklärte außerdem, Ocado führe Gespräche mit potenziellen Neukunden, „insbesondere in den USA". Er widersprach der Annahme, dass deren Interesse ausschließlich an günstigerer Software für die Abwicklung im Laden liege.
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Zur AktienanalyseJoint Venture mit M&S und Gesamtentwicklung
Ocado betreibt sein Online-Lebensmittelgeschäft in einem Joint Venture mit dem britischen Einzelhändler Marks and Spencer (M&S). Seit mehr als zwei Jahren streiten die beiden Unternehmen über die Höhe der von M&S an Ocado zu zahlenden Beträge. Steiner äußerte am Donnerstag die Hoffnung, dass der Streit „in Kürze beigelegt wird". Auf die Frage, ob M&S Ocado aus dem Joint Venture herauskaufen könnte, antwortete er lediglich: „Für solche Überlegungen ist es noch etwas zu früh."
Trotz der Probleme in der Technologiesparte konnte Ocado auf Konzernebene den Gesamtumsatz im ersten Halbjahr um 15 Prozent auf 1,76 Milliarden Britische Pfund steigern. Das bereinigte EBITDA auf Konzernebene verdoppelte sich mehr als auf 73 Millionen Britische Pfund. Diese positiven Zahlen reichten jedoch nicht aus, um das Vertrauen der Anleger in die Wachstumsstrategie des Unternehmens wiederherzustellen.


