Nvidia übertrifft Prognosen und setzt auf neue Rechenzentrum-Chips
Nvidia meldet starke Quartalszahlen, kündigt 80-Milliarden-Dollar-Rückkaufprogramm an und plant mit neuen Vera-Chips weiteres Wachstum.

Nvidia-CEO Jensen Huang hat Anleger am Mittwoch davon überzeugen wollen, dass das wertvollste Unternehmen der Welt sein explosives Wachstum fortsetzen kann. Dabei verwies er auf eine breite Kundenbasis und neue Produkte, die die für Flaggschiff-KI-Chips prognostizierten Umsätze von einer Billion Dollar übertreffen sollen. Für das zweite Quartal erwartet Nvidia einen Umsatz von 91 Milliarden Dollar – plus oder minus zwei Prozent – und liegt damit deutlich über den Schätzungen der Wall Street von 86,84 Milliarden Dollar.
Im ersten Geschäftsquartal erzielte Nvidia einen Umsatz von 81,62 Milliarden Dollar und übertraf damit die durchschnittliche Analystenschätzung von 78,86 Milliarden Dollar. Der Umsatz im Bereich Rechenzentren belief sich auf 75,2 Milliarden Dollar, gegenüber einer Schätzung von 72,8 Milliarden Dollar. Auf bereinigter Basis verdiente das Unternehmen 1,87 Dollar pro Aktie, während Analysten mit 1,76 Dollar gerechnet hatten.
Trotz der starken Zahlen fielen die Aktien im nachbörslichen Handel um 1,6 Prozent. Ein Zeichen dafür, dass Anleger mit zunehmendem Wettbewerb für Nvidia rechnen. Zusätzlich zu der Umsatzprognose kündigte das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von 80 Milliarden Dollar sowie eine Erhöhung der vierteljährlichen Bardividende von einem Cent auf 25 Cent pro Aktie an.
Wachstum über Hyperscaler hinaus
Huang erklärte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, dass er davon ausgehe, Nvidia werde schneller wachsen als die sogenannten „Hyperscale"-Kunden – also Tech-Giganten wie Alphabet, Amazon und Microsoft. Diese Unternehmen sollen in diesem Jahr zusammen mehr als 700 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur ausgeben, ein deutlicher Anstieg gegenüber rund 400 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Huang verwies dabei auf ein neues Teilsegment von Kunden im Rechenzentrumsbereich, zu dem KI-spezifische Cloud-Anbieter gehören, deren Umsätze im Quartalsvergleich schneller wuchsen als die der großen Cloud-Player.
„Wir sollten schneller wachsen als die Investitionsausgaben der Hyperscaler", sagte Huang. Die Ergebnisse von Nvidia gelten in der Branche weitgehend als Barometer für den Zustand des gesamten KI-Marktes, da seine Chips in praktisch jedem großen Rechenzentrum der Welt eingesetzt werden und die fortschrittlichsten KI-Modelle antreiben.
eMarketer-Analyst Jacob Bourne kommentierte die Zahlen nüchtern: „Nvidia hat erneut die Erwartungen übertroffen, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist das im Wesentlichen eingepreist, da das Unternehmen Quartal für Quartal die Prognosen schlägt." Die bleibende Frage sei, ob Nvidia die Anleger davon überzeugen könne, dass der KI-Ausbau bis in die Jahre 2027 und 2028 Bestand habe – insbesondere da sich der Fokus in Richtung Inference-Workloads und konkurrierender Halbleiter von Google, Amazon, AMD und Intel verschiebe.
Neue Vera-Chips als zweites Standbein
Ein zentrales Thema der Telefonkonferenz war Nvidias neuer Zentralprozessor namens „Vera". Huang zufolge ermöglichen diese Chips den Zugang zu einem neuen Markt im Wert von 200 Milliarden Dollar. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres erwartet Nvidia Umsätze von 20 Milliarden Dollar allein aus dem Verkauf von Vera-Chips. Huang betonte, dass diese Einnahmen nicht in der früheren Schätzung von einer Billion Dollar für die KI-Chips der Serien „Blackwell" und „Rubin" zwischen 2025 und 2027 enthalten seien.
„Ich erwarte, dass Vera nach den eine Billion Dollar bei den Blackwell- und Rubin-Chips der zweitgrößte Umsatzträger sein wird", sagte Huang. „Alle unsere Kunden sind sehr begeistert von Vera." Gleichzeitig räumte er ein, dass Nvidia über die gesamte Lebensdauer der kombinierten Technologieplattform „Vera Rubin" lieferbeschränkt sein werde.
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Zur AktienanalyseWettbewerb und Lieferkette im Fokus
Obwohl viele der größten Kunden stark auf Nvidias teure Prozessoren angewiesen sind, investieren sie gleichzeitig massiv in die Entwicklung eigener, maßgeschneiderter Chips. Dies stellt ein langfristiges Risiko für Nvidias Marktdominanz dar. Hinzu kommt der Wettbewerb durch Intel und Advanced Micro Devices, die große Umsatzchancen im Inference-Markt angekündigt haben.
Um Lieferengpässe zu vermeiden, stockt Nvidia seine Vorräte deutlich auf. Im ersten Geschäftsquartal stiegen die Lagerbestände auf 119 Milliarden Dollar, verglichen mit 95,2 Milliarden Dollar im Vorquartal. Darüber hinaus gab Nvidia Cloud-Computing-Vereinbarungen im Wert von 30 Milliarden Dollar bekannt – ein Anstieg gegenüber 27 Milliarden Dollar im Vorquartal –, die laut Unternehmen zur Unterstützung von Forschungs- und Entwicklungsbemühungen dienen.


