Nunavut übernimmt Bergbaukompetenzen: Chance für eigenes Ressourcenmodell
Ab April 2026 verwaltet Nunavut seine eigenen Ressourcen – Branchenvertreter sehen darin eine historische Chance für die Inuit-Bevölkerung.

Knapp neun Monate vor der geplanten Machtübertragung von Ottawa an die Regierung von Nunavut sehen Branchenvertreter eine einmalige Chance: Das kanadische Territorium soll seinen eigenen Weg in der Bergbauentwicklung gehen und ein sogenanntes „Made-in-Nunavut"-Modell entwickeln. Bis zum 1. April 2026 soll der Prozess der Devolution – also die Übertragung von Bundeskompetenzen auf das Territorium – abgeschlossen sein.
Iqaluit, die Hauptstadt Nunavuts, wird künftig die Verwaltung der eigenen Ländereien, Gewässer und natürlichen Ressourcen übernehmen. Yukon und die Nordwest-Territorien haben diesen Schritt bereits vollzogen – Yukon im Jahr 2003, die Nordwest-Territorien im Jahr 2014. Nunavut ist damit das letzte der drei nördlichen Territorien Kanadas, das diese Autonomie erlangt.
Bergbau als wirtschaftliches Rückgrat
Nunavut ist flächenmäßig das größte Territorium Kanadas und verfügt über umfangreiche Mineralressourcen. Vier produzierende Minen sowie Dutzende von Explorationsprojekten prägen die Wirtschaft des Inuit-Mehrheitsgebiets. Laut Statistics Canada trug der Bergbau im Jahr 2025 rund 1,45 Milliarden kanadische Dollar zur Wirtschaft des Territoriums bei – das entspricht 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Die Regierung von Nunavut, die Inuit-Rechteorganisation Nunavut Tunngavik Inc. (NTI) und die Bundesregierung unterzeichneten bereits 2024 das „Nunavut Lands and Resources Devolution Agreement". Nach Inkrafttreten des Abkommens wird Nunavut die Erteilung von Mineralansprüchen auf Kronland übernehmen sowie Einnahmen aus Lizenzgebühren für den Bergbau, Landpachten und Erschließungen erhalten. Ottawas Zuständigkeit bleibt hingegen für Fischerei, Zugvögel und schiffbare Gewässer bestehen.
Stephen Mansell, Chefunterhändler für Devolution im Ministerium für Exekutiv- und Regierungsangelegenheiten von Nunavut, betonte das Interesse der Industrie: „Die Regierung von Nunavut hat ein erhebliches Interesse der Industrie an der Devolution festgestellt, wobei die Stakeholder die Territorialregierung als lokalen und potenziell zugänglicheren Partner betrachten." Gleichzeitig habe die Industrie die Bedeutung eines nahtlosen Übergangs unterstrichen, der Unterbrechungen bestehender Betriebe vermeidet.
Begrenzter Spielraum bei Lizenzgebühren
Ein wichtiger Aspekt dämpft jedoch allzu hohe Erwartungen: Viele der großen Bergbaubetriebe Nunavuts befinden sich auf Land in Inuit-Besitz, nicht auf Kronland. Die Lizenzgebühren fließen daher bereits an Inuit-Organisationen und nicht an die Bundesregierung. Zu den betroffenen Betrieben zählen die Minen Meadowbank-Amaruq und Meliadine von Agnico Eagle (NYSE/TSX: AEM), der Goose-Standort von B2Gold (TSX: BTO, NYSE-A: BTG) sowie die Eisenerzmine Mary River von Baffinland.
Paul Hébert, CEO der NWT & Nunavut Chamber of Mines, bringt es auf den Punkt: „Die Höhe oder Verteilung der Lizenzgebühren wird sich in Nunavut erst ändern, wenn neue Minen auf Kronland gefunden, genehmigt und in Produktion genommen werden." Der Weg zu spürbaren Mehreinnahmen aus Lizenzgebühren ist also langfristig angelegt.
Warnung aus dem Yukon
Als mahnendes Beispiel dient der Yukon. Ken Coates, Distinguished Fellow am Macdonald-Laurier Institute und Professor für indigene Regierungsführung an der Yukon University, weist darauf hin, dass Lizenzgebühren nicht automatisch zu einem Geldsegen führen. Die Seifengoldminen des Yukon erwirtschafteten im Jahr 2025 zwar einen Umsatz von rund 400 Millionen kanadischen Dollar – die Regierung des Yukon erhielt jedoch lediglich etwa 39.000 kanadische Dollar, da der Lizenzgebührensatz für Seifengold bei lediglich 37,5 Cent pro Unze liegt und nicht an den Goldpreis gekoppelt ist.
Coates plädiert deshalb dafür, dass Nunavut seine eigenen Bergbaugesetze entwirft: „Sie haben in Nunavut einen so integrierten Ansatz für die Gesetzesentwicklung. Man sollte proaktiv die Unterstützung der Gemeinden für ein Nunavut-Modell der Ressourcenentwicklung gewinnen, und das muss auch unter angemessener Vertretung der Ressourcenunternehmen geschehen."
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Zur AktienanalyseInfrastruktur und Genehmigungen im Fokus
Neben den Lizenzgebühren sieht Coates weitere Vorteile der Devolution: Die Erschließung von Minen könnte den Bau neuer Straßen vorantreiben, zur Senkung der Lebenshaltungskosten beitragen und Möglichkeiten zur Berufsausbildung schaffen. Bergbauunternehmen und Explorer beobachten gespannt, ob die Entscheidungsfindung bei Projekten unter der neuen Struktur schneller ablaufen wird.
Baffinland-Sprecher Peter Akman erwartet, dass die Devolution die Entscheidungsfindung stärken wird: „Die wichtigste erwartete Änderung ist, dass die Regierung von Nunavut zum endgültigen Entscheidungsträger für bestimmte Projektgenehmigungen wird, die derzeit bei der Bundesregierung liegen." Hébert betont jedoch, dass eine erfolgreiche Genehmigungserteilung mehr von territorialen Kapazitäten, Personalausstattung und innerstaatlicher Koordination abhängen werde als von der Devolution selbst.
Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, arbeitet Iqaluit derzeit an einer sogenannten „Spiegelgesetzgebung", die bestehende Bundesgesetze für das Territorium repliziert. „Dieser Ansatz stellt sicher, dass Lizenzen, Genehmigungen, Zulassungen und Regulierungsprozesse ohne Unterbrechung fortgesetzt werden, wenn die Devolution in Kraft tritt", so Mansell. Das übergeordnete Ziel bleibt klar: Die Nunavummiut – die Bewohner Nunavuts – sollen am stärksten von der neuen lokalen Entscheidungshoheit profitieren.


