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Novo Nordisk verklagt Hims wegen Wegovy-Kopien: Patentstreit eskaliert

Dänischer Pharmakonzern geht erstmals mit Patentklage gegen Telemedizin-Anbieter vor – FDA beendet Semaglutid-Engpass

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Novo Nordisk verklagt Hims wegen Wegovy-Kopien: Patentstreit eskaliert

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk hat am Montag eine Patentklage gegen das US-Telemedizin-Unternehmen Hims & Hers eingereicht. Es ist die erste US-Patentverletzungsklage des Konzerns gegen einen Hersteller von Individualrezepturen wegen seines Blockbuster-Abnehmmedikaments Wegovy. Die Klage markiert eine deutliche Eskalation im Kampf gegen Nachahmerprodukte.

Der rechtliche Vorstoß erfolgt zu einem brisanten Zeitpunkt: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den Wirkstoff Semaglutid – Hauptbestandteil von Wegovy – nicht mehr als knapp eingestuft. Gleichzeitig expandieren große Telemedizin-Unternehmen rasant in den lukrativen Markt für Abnehmpräparate. Hims hatte erst am Donnerstag eine 49-Dollar-Rezepturversion von Wegovy eingeführt, zog das Produkt aber nach FDA-Androhung von Maßnahmen schnell wieder zurück.

Milliardenmarkt im Visier

Die Dimension des Konflikts wird durch die Wachstumszahlen von Hims deutlich: Das in San Francisco ansässige Unternehmen rechnet für 2025 mit einem Gesamtumsatz von über 2,3 Milliarden Dollar. Bis 2030 peilt es sogar 6,5 Milliarden Dollar an. Novo Nordisk fordert laut Chefjurist John Kuckelman einen "sehr erheblichen Betrag" an Schadenersatz, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Hims wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe. In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen, die Klage sei "ein direkter Angriff auf einen etablierten, lebenswichtigen Bestandteil der US-Apothekenpraxis". Die Individualrezepturen verbesserten die Patientenversorgung in Bereichen von Adipositas über Unfruchtbarkeit bis hin zu Krebs.

Rechtliche Grauzone bei Rezepturarzneimitteln

US-Vorschriften erlauben Apotheken grundsätzlich, Markenmedikamente als Rezepturen herzustellen, wenn diese knapp sind oder für einzelne Patienten individuell angepasst werden müssen. Die FDA hatte Semaglutid 2022 erstmals als knapp gelistet, was die Verbreitung von Nachahmerprodukte ermöglichte. Nach Ende des offiziellen Engpasses im Februar 2025 argumentiert Hims, seine "personalisierten" Dosen seien rechtmäßig, da Patienten Dosierungen benötigten, die Novo nicht anbiete.

Sarah Rajec, Professorin an der William & Mary Law School, sieht einen Paradigmenwechsel: "Der bisherige Status quo war, dass Pharmaunternehmen keine Klagen gegen Rezepturapotheken einreichten, da diese als geringfügig angesehen wurden. Aber die Unternehmen haben ihre Aktivitäten eindeutig ausgeweitet."

Patente als "schwere Geschütze"

Novo hatte zuvor mehrere kleinere Apotheken wegen angeblich gefährlicher oder fälschlich beworbener Wegovy-Nachahmungen verklagt – allerdings auf Basis von Markenrechten, nicht Patenten. Experten vermuten, das Unternehmen habe während des Engpasses Patentklagen vermieden, um negative Publizität zu verhindern. Robin Feldman, Professorin an der University of California Law San Francisco, kommentiert: "Patente sind die schweren Geschütze. Nachdem Novo Nordisk eine Reihe von Warnschüssen abgegeben hat, rüstet sich das Unternehmen nun für die entscheidende Schlacht."

Patentklagen sind teurer und langwieriger als Markenrechtsklagen, können aber zu deutlich höheren Schadenersatzzahlungen führen. Hims wird voraussichtlich die Gültigkeit des Novo-Patents anfechten. Das US-Patent- und Markenamt hatte 2023 eine ähnliche Anfechtung des Generikaherstellers Viatris bereits abgewiesen.

Zusätzlichen Druck auf Hims übt die FDA aus: Am Freitag kündigte die Behörde an, GLP-1-Inhaltsstoffe einzuschränken, die in nicht zugelassenen Rezepturarzneimitteln verwendet werden. Novo-Chefjurist Kuckelman bezeichnet den Fall als "echten Weckruf": "Es gibt nun einen wachsenden Chor von Parteien, die sagen: Genug ist genug. Was wir jetzt erleben, ist der Wilde Westen der Rezepturherstellung."

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