Novo Nordisk im Gegenwind der Konkurrenz
Patentdruck, Billigkopien und Anlegerzweifel setzen dem dänischen Pharmakonzern zu

Novo Nordisk hat in den vergangenen Jahren mit seinen Abnehm- und Diabetesmedikamenten einen beispiellosen Aufstieg erlebt. Der Konzern aus Bagsværd in Dänemark produzierte mit dem Wirkstoff Semaglutid die Präparate Wegovy zur Gewichtsreduktion und Ozempic zur Behandlung von Typ-2-Diabetes. Der Boom dieser Produkte machte das Unternehmen zeitweise zum wertvollsten börsennotierten Konzern Europas – noch vor SAP oder dem französischen Luxusgüterhersteller LVMH. Mitte 2024 erreichte die Marktkapitalisierung rund 650 Milliarden Dollar. Inzwischen ist der Börsenwert jedoch auf etwa 213 Milliarden Dollar gefallen, was bei Anlegern Sorgen vor einer Entwicklung ähnlich wie beim einstigen Branchenprimus Nokia weckt.
Im zweiten Quartal 2025 erzielte Novo Nordisk mit seinen Medikamenten rund zehn Milliarden Dollar Umsatz, was einem Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Dennoch enttäuschte das Unternehmen die hohen Erwartungen der Investoren. Eine Gewinnwarnung in der vergangenen Woche führte innerhalb eines Tages zu einem Verlust von 70 Milliarden Dollar an Börsenwert. Hauptgrund ist der zunehmende Wettbewerbsdruck durch andere Hersteller, allen voran der US-Konzern Eli Lilly. Dieser hat mit seinen Produkten Zepbound und Mounjaro nicht nur Marktanteile gewonnen, sondern Zepbound im US-Markt sogar vor Wegovy platziert. Studien bescheinigen Zepbound beim Gewichtsverlust teilweise bessere Ergebnisse. Zudem arbeitet Eli Lilly an einer pillenbasierten Variante des Wirkstoffs, die 2026 auf den Markt kommen könnte.
Ein weiteres Problem für Novo Nordisk entstand durch frühere Lieferengpässe. Um die Versorgung sicherzustellen, hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA 2022 zugelassen, dass spezialisierte Apotheken eigene Versionen der Medikamente herstellen dürfen – oft günstiger als das Original. Zwischen November 2023 und November 2024 sollen rund zwei Millionen Patienten in den USA auf diese Alternativen zurückgegriffen haben. Auch wenn der Wirkstoff inzwischen von der Engpassliste gestrichen wurde, bestehen Schlupflöcher, die weiterhin eine reduzierte Produktion durch Apotheken ermöglichen. Rund eine Million Amerikaner sollen solche Varianten aktuell noch nutzen.
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Zur AktienanalyseZusätzlich gerät Novo Nordisk durch auslaufende Patente unter Druck. Während in den USA der Schutz für Semaglutid bis 2032 gilt, endet er in Teilen Asiens bereits 2026. Länder wie Indien verbieten sogenannte Evergreening-Strategien, sodass dort Generika früh auf den Markt kommen könnten. Indische Hersteller wie Dr. Reddy’s oder Sun Pharma bereiten sich auf einen Markteintritt im nächsten Jahr vor. In Kanada könnten ab 2026 ebenfalls günstigere Generika verfügbar sein, die die Preise um bis zu 70 Prozent senken. Trotz dieser Herausforderungen erwarten Analysten wie bei Morgan Stanley, dass der weltweite Markt für Abnehmmedikamente bis 2035 auf 150 Milliarden Dollar anwachsen könnte. Novo Nordisk kündigte zuletzt an, seine Kostenstruktur zu überprüfen und Ausgaben zu senken.


