Norsk Hydro erklärt zweite Höhere Gewalt bei Aluminium-Lieferungen
Qatalum kündigt Vermarktungsvertrag mit Hydro – norwegischer Aluminiumriese warnt vor Lieferausfällen für Kunden.

Norsk Hydro (OTCMKTS: NHYDY) hat eine zweite Erklärung über Höhere Gewalt (Force Majeure) für Aluminiumverkäufe abgegeben. Auslöser ist die Kündigung einer langjährigen Vermarktungsvereinbarung durch das Joint Venture Qatalum in Katar. Der Schritt schürt neue Bedenken hinsichtlich der Fähigkeit des norwegischen Produzenten, seine Lieferverpflichtungen gegenüber Kunden zu erfüllen.
Die aktuelle Mitteilung, die Reuters am Freitag vorlag, folgt auf eine frühere Force-Majeure-Erklärung vom März dieses Jahres. Damals hatten kriegsbedingte Unterbrechungen im Nahen Osten die Gasversorgung von Qatalum unterbrochen und die Schmelzhütte zum Produktionsstopp gezwungen. Obwohl das Werk später genügend Gas sicherte, um die Produktion auf etwa 60 Prozent der Kapazität wiederherzustellen, erklärte Hydro, dass die ursprüngliche Höhere Gewalt weiterhin in Kraft bleibe.
Qatalum verfügt über eine jährliche Produktionskapazität von 648.000 Tonnen und befindet sich zu gleichen Teilen im Besitz von Hydro und der Qatar Aluminum Manufacturing Co. (Qamco). Das Gemeinschaftsunternehmen zählt zu den größten Aluminiumschmelzen im gesamten Nahen Osten.
Vertragsstreit zwischen Hydro und Qatalum
Laut der Mitteilung hat Qatalum Hydro darüber informiert, dass es die Vereinbarung, unter der Hydro das Metall von Qatalum vermarktet und verkauft, gekündigt hat. „Trotz der Bemühungen von Hydro, Qatalum zur Rücknahme der Kündigung zu bewegen, hat sich Qatalum geweigert und Hydro mitgeteilt, dass es kein Metall im Rahmen der entsprechenden Verträge liefern wird", heißt es in der Mitteilung laut Reuters.
Der Streit schafft damit eine neue Quelle der Versorgungsunsicherheit – und zwar unabhängig vom anhaltenden Konflikt in der Region. Hydro erklärte, das Recht von Qatalum zur Kündigung der Vereinbarung anzufechten. Gleichzeitig warnte das Unternehmen, dass man möglicherweise nicht in der Lage sein werde, vertragliche Lieferungen zu erfüllen, selbst wenn sich die Betriebsbedingungen verbessern sollten.
Die Entwicklung wirft zudem grundlegende Fragen über die künftige Geschäftsbeziehung zwischen den Partnern auf. Norsk Hydro gab an, die Dauer der Unterbrechung oder deren volle Auswirkungen auf die Kunden noch nicht abschätzen zu können. Das Unternehmen werde jedoch daran arbeiten, Lieferunterbrechungen so weit wie möglich zu minimieren.
Geopolitischer Hintergrund und Marktlage
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Zur AktienanalyseDie Ankündigung erfolgte einen Tag, nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, dass bereits an diesem Wochenende ein Friedensabkommen mit dem Iran unterzeichnet werden könnte, um den drei Monate alten Regionalkonflikt zu beenden. Teheran teilte jedoch mit, dass noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden sei.
Für den globalen Aluminiummarkt bedeutet die Situation eine weitere Belastungsprobe. Der Konflikt im Nahen Osten hatte bereits im März die Fragilität westlicher Aluminiumversorgungsketten offenbart. Nun kommt mit dem Vertragsstreit zwischen Hydro und Qatalum eine zusätzliche, von der Geopolitik unabhängige Unsicherheitsquelle hinzu. Anleger und Industriekunden dürften die weiteren Entwicklungen rund um die Schmelze mit einer Jahreskapazität von 648.000 Tonnen genau beobachten.


