Nordsee-Ölindustrie wartet auf Signale der neuen Energieministerin
Miatta Fahnbulleh besuchte Aberdeen – die Branche hofft auf einen pragmatischen Kurswechsel in der britischen Energiepolitik.

Die neue britische Energieministerin Miatta Fahnbulleh hat Aberdeen besucht und Vertreter der Öl- und Gasindustrie getroffen. Der Besuch erfolgte diskret – Fragen der Medien beantwortete sie nicht. Die Branche erhofft sich dennoch ein Signal, dass die neue Regierung unter Andy Burnham einen pragmatischeren Kurs gegenüber der Nordsee-Förderung einschlägt als ihr Vorgänger Ed Miliband.
Miliband, der nun zum Außenminister befördert wurde, hatte den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben und ein Verbot neuer Explorationslizenzen in der Nordsee eingeführt. Unternehmen wittern nun die Chance, Burnhams Administration von diesem Kurs abzubringen. Auch Burnham selbst hielt sich am selben Tag in Schottland auf und traf den Ersten Minister John Swinney – wich jedoch ebenfalls Pressefragen aus.
Industrie fordert klare Antworten
David Whitehouse, CEO des Branchenverbandes Offshore Energies UK, bezeichnete Fahnbullehs Besuch in Aberdeen als „wichtiges Signal". „Wir hatten eine konstruktive Diskussion über die Energiezukunft des Vereinigten Königreichs und die Notwendigkeit eines pragmatischen Ansatzes für den Übergang", sagte er. „Wir sind nicht in allen Punkten einer Meinung, aber wir verfolgen ein gemeinsames Ziel."
Im Hafen von Aberdeen beklagten Branchenvertreter, dass das Wachstum bei den erneuerbaren Energien noch lange nicht ausreicht, um die Aktivitäten im Öl- und Gassektor zu ersetzen. Schottische Labour-Politiker drängen auf klare Antworten, wie Burnham die Öl- und Gasförderung im Nordosten des Landes ankurbeln will. Laut Branchenangaben gehen derzeit rund 1.000 Arbeitsplätze pro Monat verloren.
Öl- und Gasunternehmen fordern zudem einen vorzeitigen Ersatz der 38-prozentigen Sondersteuer auf Energiegewinne – der sogenannten „Windfall Tax" oder Energy Profits Levy (EPL) –, die regulär 2030 auslaufen soll. Die frühere Schatzkanzlerin Rachel Reeves hatte erwogen, diese durch eine neue „Oil and Gas Revenue Levy" zu ersetzen, die als investitionsfreundlicher gilt. Klimaschützer hingegen bezeichnen jede Änderung des Steuersystems als Geschenk an die Verursacher fossiler Umweltverschmutzung.
Wahlversprechen als politische Bremse
Das Versprechen aus dem Labour-Wahlprogramm von 2024, keine neuen Bohrkonzessionen zu erteilen, gilt intern als kaum brechbar. Lucy Powell, die stellvertretende Parteivorsitzende, erklärte, Burnhams Ansatz sei eher eine „Akzentverschiebung" als ein „Politikwechsel". Ein Labour-Abgeordneter brachte es auf den Punkt: „Aufgrund des Wahlprogramms werden wir Schwierigkeiten mit neuen Lizenzen haben, daher ist eine Bewegung bei der EPL wahrscheinlicher."
Fahnbulleh selbst hatte in der Vergangenheit eine Reduzierung der Verbrennung fossiler Brennstoffe gefordert und sogar davon gesprochen, das Netto-Null-Ziel von 2050 auf Mitte der 2030er Jahre vorzuziehen – was in der Industrie Besorgnis auslöste. In ihren ersten öffentlichen Äußerungen seit ihrer Ernennung gab sie sich jedoch pragmatisch: „Wir bohren bereits in der Nordsee. Wir sind hier sehr pragmatisch vorgegangen, da Öl und Gas auf absehbare Zeit Teil unseres Energiemixes sein werden", sagte sie gegenüber Times Radio.
Zu den umstrittenen Feldern Rosebank und Jackdaw, die von der Vorgängerregierung unter Rishi Sunak genehmigt wurden und derzeit nach Gerichtsurteilen zu Klimaauswirkungen überprüft werden, äußerte sie sich bewusst zurückhaltend. „Ich werde mich nicht zu Entscheidungen über einzelne Anträge äußern, da es sich um ein quasi-gerichtliches Verfahren handelt. Ich muss dies objektiv angehen und die Beweise prüfen." Die Konsultationsfristen für diese Felder enden nächsten Monat.
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Zur AktienanalyseRuf nach besserer Kommunikation
Iain Lewis, Finanzvorstand des Öl- und Gaskonzerns Ithaca Energy, erklärte, er sei „erfreut", Burnhams Bekenntnis zur Reindustrialisierung zu hören, und forderte „umgehende Maßnahmen zur Verbesserung des regulatorischen Umfelds". Ein Branchenvertreter kritisierte die bisherige Kommunikation der Regierung scharf: „Starmer mag das gewollt haben, aber er hat es nicht kommuniziert; sie hatten Angst vor ihrem eigenen Schatten. Daher wäre allein eine bessere Kommunikation rund um das gesamte Thema bereits eine große Veränderung."
Einige Gewerkschaftsführer kritisieren unterdessen Labours Netto-Null-Ziel bis 2050 mit dem Argument, dies habe Arbeitsplätze in traditionellen Industriesektoren gefährdet. Die Spannung zwischen Klimaschutzzielen und dem Erhalt von Industriearbeitsplätzen bleibt damit das zentrale Dilemma der britischen Energiepolitik – und Fahnbulleh steht nun mitten in diesem Konflikt.


