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Nordeuropäische Pensionsfonds verkaufen US-Staatsanleihen

Große skandinavische Investoren reduzieren ihre US-Engagements. Alecta und AkademikerPension haben bereits US-Staatsanleihen verkauft. Grund sind steigende Risiken durch hohe Staatsverschuldung und politische Unsicherheit.

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Nordeuropäische Pensionsfonds verkaufen US-Staatsanleihen

Führende nordeuropäische Pensionsfonds ziehen sich zunehmend aus US-Anlagen zurück. Die schwedische Alecta und die dänische AkademikerPension haben ihre US-Staatsanleihen bereits größtenteils verkauft oder planen dies bis Monatsende. Beide Fonds verweisen auf gestiegene Risiken im Zusammenhang mit der US-Staatsverschuldung und dem Dollar.

Systematischer Rückzug aus US-Märkten

Die Entwicklung geht über Einzelfälle hinaus. Van Luu, Global Head of Solutions Strategy bei Russell Investments, berichtet von zahlreichen Gesprächen mit Kunden aus Nordeuropa über eine mögliche Reduzierung der US-Engagements. Rund 50% der Kunden aus Skandinavien und den Niederlanden erwägen entsprechende Schritte. Russell Investments berät Kunden mit einem Gesamtvermögen von 1,6 Billionen US-Dollar.

Die Region beherbergt einige der größten Pensionsfonds Europas. Finnlands Ilmarinen verwaltet über 65 Milliarden Euro, Schwedens AP3 rund 61 Milliarden US-Dollar an Pensionsvermögen. Diese institutionellen Investoren gelten als langfristig orientiert und zurückhaltend bei öffentlichen Kommentaren zu Portfolioänderungen.

Staatsschulden und Dollar unter Druck

Die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen liegen bei etwa 4,9% – ein Niveau, das zuletzt während der globalen Finanzkrise erreicht wurde. Der Dollar hat im vergangenen Jahr gegenüber wichtigen Währungen rund 10% an Wert verloren. Die US-Staatsverschuldung und die Unsicherheit der amerikanischen Außenpolitik werden von den nordischen Investoren als zentrale Risikofaktoren genannt.

Annika Ekman, Executive Vice President Investments bei Ilmarinen, erklärte, die USA blieben zwar ein investierbarer Markt, aber die Risikoprämie sei "weiter gestiegen". Laura Wickstrom, Chief Investment Officer des finnischen Pensionsanbieters Veritas, sieht die Unvorhersehbarkeit der US-Politik als Risiko für den Dollar. Die schwedische Versicherung Folksam verkaufte bereits 2024 einen Teil ihrer US-Staatsanleihen.

Keine politische Reaktion

Die Pensionsfonds betonen, dass ihre Entscheidungen rein auf Risikoanalysen basieren und nicht als politische Reaktion auf aktuelle Ereignisse zu verstehen seien. Tom Vile Jensen, stellvertretender Direktor des Branchenverbands Insurance and Pensions Denmark, stellte klar: "Es gibt keine Waffenisierung von Kapital, und es ist nicht die Aufgabe des Sektors, dies zu tun."

Dennoch haben Spekulationen über eine mögliche finanzielle Reaktion Europas auf die Politik der Trump-Administration an Fahrt gewonnen. Die jüngsten Äußerungen zu Grönland und Venezuela sowie Drohungen mit breiten Zöllen haben die Märkte verunsichert.

Geopolitik wird zum Pflichtfach

Die Entwicklung spiegelt einen breiteren Trend wider: Geopolitische Analysen sind für institutionelle Investoren vom "Nice-to-have" zum "Must-have" geworden. Mehill Marku, leitender Geopolitik-Analyst bei PGIM Fixed Income, erklärt, dass Geopolitik vor 2022 in Portfolio-Investitionen keine zentrale Rolle spielte. Seit Russlands Einmarsch in die Ukraine sei die Nachfrage nach entsprechenden Einblicken stetig gestiegen.

Große Banken reagieren auf diesen Trend: JPMorgan startete 2024 ein dediziertes Center for Geopolitics, Lazard Asset Management und Goldman Sachs richteten 2022 und 2023 entsprechende Beratungssparten ein. Auch spezialisierte Analysefirmen verzeichnen starkes Wachstum. Charles Myers, Gründer von Signum Global Advisors, berichtet von einem Zuwachs der Partnerzahl um 25% im vergangenen Jahr.

US-Aktien bleiben attraktiv

Trotz der Bedenken bei Anleihen bleiben US-Aktien für viele Investoren attraktiv. Sie notieren nahe Rekordhochs, gestützt durch die starke US-Wirtschaft und tiefe Kapitalmärkte. Jonas Thulin, Chief Investment Officer von AP3, mahnt zur Besonnenheit bei vorschnellen Portfolioänderungen.

Ein Sprecher des Weißen Hauses, Kush Desai, konterte die Kritik mit dem Hinweis auf anhaltend hohe Investitionszuflüsse in die USA. Diese seien ein Beweis dafür, dass Investoren die USA weiterhin für die dynamischste Weltwirtschaft halten. Die "Aufrüttelung des zerbrochenen Status quo" setze Amerika an die erste Stelle.

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