Nike warnt vor Umsatzrückgang – Aktie und Konkurrenz unter Druck
Trotz WM-Rückenwind bleibt die Konsumstimmung weltweit trüb – Nike erwartet für die nächsten sechs Monate keine Erholung.

Der Sportartikelriese Nike sieht seine Kunden weltweit unter erheblichem Druck. „Unsere Kunden sind rund um die Welt unter Druck", erklärte Finanzchef Matthew Friend in einer Analystenkonferenz am Dienstagabend – und das schlage sich unmittelbar im Sportartikelgeschäft nieder. Für die kommenden sechs Monate rechnet der Konzern nicht mit einer Verbesserung der Verbraucherstimmung. Bereits vor drei Monaten hatte Nike auf Risiken durch den Iran-Krieg hingewiesen, der durch steigende Ölpreise zu „ungeplanten Schwankungen" im Konsumverhalten führen könne.
Die Reaktion an den Börsen ließ nicht lange auf sich warten: Die Nike-Aktie verlor im vorbörslichen US-Handel rund vier Prozent. Der Kursrutsch zog auch die europäischen Konkurrenten mit: Adidas-Papiere gaben bis zu 1,8 Prozent nach und gehörten damit zu den schwächsten Werten im DAX. Puma verzeichnete ähnliche Verluste.
Analysten sehen verzögerte Erholung
JPMorgan-Analyst Matthew Boss erwartet für das laufende erste Geschäftsquartal 2026/27 (Ende August) einen Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Damit würde Nike hinter der Konsensschätzung von minus 1,9 Prozent zurückbleiben. Besonders bemerkenswert: Die Fußball-Weltmeisterschaft fällt großteils in dieses Quartal – und selbst dieser Schub reicht offenbar nicht für ein Umsatzplus gegenüber dem Vorquartal.
Goldman-Sachs-Analystin Brooke Roach konstatierte ebenfalls, dass sich die Umsatzerholung erneut verzögere. Der vorsichtige Ausblick überlagere positive Entwicklungen im abgelaufenen Quartal. Anleger müssten Geduld mitbringen, so ihr Fazit.
Citigroup-Analystin Monique Pollard sah hingegen auch einen positiven Aspekt für die Konkurrenz: Nike habe in China Lagerbestände abgebaut, was den Druck auf Preisrabatte mindere. Das komme auch Adidas und Puma zugute.
Quartalszahlen übertreffen Erwartungen
Bei den Ergebnissen für das abgelaufene Quartal konnte Nike die Analystenerwartungen größtenteils übertreffen. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um ein Prozent auf 10,97 Milliarden Dollar – Analysten hatten im Schnitt mit 10,86 Milliarden Dollar gerechnet. Der Quartalsgewinn sprang von 211 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum auf 1,07 Milliarden Dollar. Ein wesentlicher Treiber war dabei der Anspruch auf Rückzahlung von US-Importzöllen, nachdem entsprechende Anordnungen von Präsident Donald Trump vom Obersten Gericht gekippt worden waren.
Im US-Heimatmarkt erzielte Nike einen Umsatz von 4,83 Milliarden Dollar und lag damit leicht unter den Markterwartungen. In China hingegen übertrafen die Erlöse von rund 1,3 Milliarden Dollar die durchschnittlichen Analystenprognosen.
WM-Effekt und hausgemachte Probleme
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Zur AktienanalyseNike-Chef Elliott Hill verwies auf einen spürbaren WM-Effekt: Bereits zum Turnierstart habe man zweieinhalb Mal mehr Trikots von Nationalmannschaften verkauft als zum gleichen Zeitpunkt bei der Weltmeisterschaft 2022. Nike ist unter anderem Ausrüster der US-Nationalmannschaft und wird im kommenden Jahr auch Adidas als Ausrüster der deutschen Nationalmannschaft (DFB) ablösen.
Dennoch kämpft Nike weiterhin mit selbst verursachten Problemen. In den vergangenen Jahren setzte der Konzern stark auf den Direktvertrieb – auf Kosten des stationären Einzelhandels. Vor allem im US-Markt nutzten konkurrierende Marken die entstandenen Lücken und übernahmen Regalflächen in den Geschäften. Die Verkäufe litten erheblich darunter. Nun bemüht sich Nike um eine Reparatur der Beziehungen zu seinen Einzelhandelspartnern.
Konzernchef Hill hat zudem einen strategischen Kurswechsel eingeleitet: Nike soll sich wieder stärker auf Sportler und Sportperformance konzentrieren, nachdem der Lifestyle-Anteil am Sortiment in den Vorjahren deutlich gestiegen war. Ob diese Neuausrichtung schnell genug greift, um die Umsatzschwäche zu überwinden, bleibt für Anleger die entscheidende Frage.


