Nike-Turnaround stockt: China-Schwäche und trüber Ausblick belasten Aktie
Trotz leicht übertroffener Quartalszahlen kämpft Nike weiter mit Gegenwind: China-Umsätze brechen ein, Aktie verliert 2026 bereits 35 Prozent.

Nike hat am Dienstag Quartalszahlen vorgelegt, die zwar die Erwartungen der Analysten knapp übertrafen, aber kein positives Signal für die Erholung des Konzerns senden konnten. Der Umsatz sank im vierten Quartal um 1 Prozent, während die Verkäufe in China zweistellig einbrachen. CEO Elliott Hill räumte offen ein, dass der Turnaround des Sportartikelriesen noch weit von seinem Ziel entfernt ist.
„Insgesamt sind die Ergebnisse noch nicht da", sagte Hill in einer Telefonkonferenz nach Bekanntgabe der Zahlen – und äußerte sich damit zum zweiten Mal in Folge enttäuscht über den Zeitplan der Erholung. „Wir wissen, dass wir unser volles Potenzial nicht ausschöpfen." Die Aktie von Nike reagierte im nachbörslichen Handel mit einem Minus von rund 4 Prozent, konnte einen Teil der Verluste aber wieder aufholen. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits rund 35 Prozent an Wert verloren.
Hill, der die Konzernführung im Jahr 2024 übernahm, verfolgt eine Strategie der Rückbesinnung auf den Sport, des Wiederaufbaus von Großhandelsbeziehungen und der Einführung neuer Produkte. In einem Analystengespräch räumte er jedoch ein, dass die Fortschritte „weiterhin ungleichmäßig" verlaufen. Nike plane die Einführung von mehr als einem Dutzend neuer Schuhmodelle, doch brauche es Zeit, bis diese Produkte beständige Ergebnisse liefern.
China bleibt das größte Sorgenkind
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung in Greater China. Die Umsätze fielen dort im vierten Quartal auf währungsbereinigter Basis um 17 Prozent – eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Rückgang von 10 Prozent im Vorquartal. Zwar hatte Nike selbst drei Monate zuvor einen Rückgang von 20 Prozent prognostiziert, doch bleibt die Lage ernst. Einheimische Konkurrenten wie Anta und Li Ning gewinnen Marktanteile, während Nike mit einem schwachen Produktsortiment und hohen Lagerbeständen kämpft.
Greater China macht rund 15 Prozent des Jahresumsatzes von Nike aus und ist nach Nordamerika sowie der Region Europa, Naher Osten und Afrika der drittgrößte Markt des Unternehmens. Der scheidende Finanzchef Matthew Friend erklärte, dass die Umsatztrends in China weitgehend im Einklang mit den jüngsten starken Rückgängen bleiben dürften, während Nike weiter mit Einzelhandelspartnern zusammenarbeite, um überschüssige Lagerbestände abzubauen.
„Die Erwartungen waren niedrig und Nike verzeichnete einen Umsatzrückgang, daher sind dies immer noch keine guten Ergebnisse", kommentierte David Swartz, Analyst bei Morningstar, die Quartalszahlen nüchtern.
Nordamerika als Lichtblick, Zölle als Belastung
Während China enttäuschte, lieferte Nordamerika einen positiven Beitrag. Der Umsatz im größten Markt des Unternehmens stieg im vierten Quartal um 3 Prozent. Davon profitierte insbesondere das Großhandelsgeschäft, da Nike die Beziehungen zu Einzelhändlern wieder aufbaut – Beziehungen, die unter der Direct-to-Consumer-Strategie des früheren CEO John Donahoe vernachlässigt worden waren.
Beim Gewinn je Aktie meldete Nike für das am 31. Mai endende Quartal 72 Cent – begünstigt durch einen positiven Effekt von 52 Cent im Zusammenhang mit erwarteten Zollrückerstattungen. Nike verbuchte dabei einen Vorteil von 986 Millionen US-Dollar aus Zollrückerstattungen. Auf bereinigter Basis lag der Gewinn je Aktie bei 20 Cent und übertraf damit die Analystenerwartungen von 13 Cent laut LSEG-Daten deutlich.
Dennoch bleiben Zölle ein anhaltender Kostenfaktor. Das Unternehmen hatte im vergangenen Oktober prognostiziert, dass Zölle insgesamt rund 1,5 Milliarden US-Dollar kosten würden. Friend betonte, das operative Umfeld sei im vierten Quartal herausfordernder geworden – und eine Verbesserung in den nächsten sechs Monaten sei nicht zu erwarten.
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Zur AktienanalyseVorsichtiger Ausblick dämpft Hoffnungen
Für die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2027 prognostiziert Nike einen weiteren Umsatzrückgang. Das Unternehmen kämpft weiterhin mit hartem Wettbewerb, hohen Lagerbeständen älterer Lifestyle-Produkte sowie einer global unter Druck stehenden Konsumentschaft. „Unsere Konsumenten stehen weltweit unter Druck, und wir sehen insbesondere bei Sportbekleidung größere Auswirkungen", sagte Friend.
Trotz des schwierigen Umfelds verwies Nike auf erste Fortschritte: Das Unternehmen hat das Marketing rund um die diesjährige Fußball-Weltmeisterschaft verstärkt und Produkteinführungen beschleunigt, um Konkurrenten wie Adidas entgegenzuwirken. Die Nachfrage nach Fußballprodukten habe sich nach einer vorübergehenden Verlangsamung im April verbessert, hieß es. Für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres prognostiziert Nike zudem eine leicht positive Bruttomarge – ein kleiner, aber wichtiger Schritt auf dem langen Weg zurück.

