NIESR hebt Wachstumsprognose an und warnt vor hartnäckiger Inflation
Der britische Thinktank erwartet 1,1% BIP-Wachstum 2026, doch die Inflation bleibt bis 2029 über dem Zielwert.

Das National Institute of Economic and Social Research (NIESR) hat seine Wachstumsprognose für die britische Wirtschaft leicht nach oben korrigiert. Für das Jahr 2026 erwartet der renommierte Thinktank nun ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,1% – gegenüber 0,9% in der April-Prognose. Die Veröffentlichung erfolgte einen Tag vor der Zinsentscheidung der Bank of England (BoE).
Trotz der positiven Korrektur beim Wachstum zeichnet das NIESR ein gemischtes Bild für die britische Volkswirtschaft. Die Wirtschaft habe sich nach dem durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschock widerstandsfähiger gezeigt als erwartet. Dennoch warnt der Thinktank vor einer bevorstehenden Verlangsamung und anhaltend hohem Inflationsdruck.
„Die britische Wirtschaft erwies sich in der ersten Jahreshälfte als überraschend widerstandsfähig, doch eine Verlangsamung steht noch bevor. Selbst wenn im Nahen Osten relativ schnell wieder Frieden einkehrt, wird die Inflation weiter steigen, und der neue Schatzkanzler wird einige schwierige Entscheidungen treffen müssen", erklärte Stephen Millard, stellvertretender Direktor für Makroökonomie beim NIESR.
Inflation bleibt hartnäckig über dem Zielwert
Die Inflationsprognosen des NIESR verdeutlichen die Herausforderungen für die britische Geldpolitik. Für 2026 wird eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,1% erwartet – deutlich über dem Zielwert der Bank of England von 2,0% und höher als die 2,6% vom Juni. Den Höchststand soll die Inflation im Februar 2027 bei 3,8% erreichen, was jedoch unter dem in der April-Prognose erwarteten Wert von 4,1% liegt.
Besonders besorgniserregend ist der Zeitpunkt der Rückkehr zum Inflationsziel: Das NIESR prognostiziert, dass die Inflation erst im Jahr 2029 wieder auf den Zielwert der Zentralbank sinken wird – ein Jahr später als bisher angenommen. Dies stellt die Bank of England vor ein schwieriges geldpolitisches Dilemma.
Das BIP soll in den drei Monaten bis Juni 2026 um 0,4% wachsen, nach einer Expansion von 0,6% im ersten Quartal 2026. Auf dem Arbeitsmarkt erwartet das NIESR einen Höchststand der Arbeitslosenquote von 5,3% im ersten Quartal 2027 – eine leichte Verbesserung gegenüber der April-Prognose von 5,5%.
Energieschock belastet fiskalischen Spielraum
Der kriegsbedingte Energieschock hat laut NIESR nicht nur die Wachstumsaussichten geschwächt, sondern auch den Großteil des fiskalischen Spielraums der Regierung in Höhe von 24 Milliarden aufgezehrt. Dies schränkt den Handlungsspielraum der britischen Regierung erheblich ein.
Das NIESR empfiehlt, dass die Zusagen von Premierminister Andy Burnham in den Bereichen Verteidigung und Unterstützung der Haushalte bei den Lebenshaltungskosten durch höhere Steuern oder Ausgabenkürzungen finanziert werden sollten – und nicht durch zusätzliche Kreditaufnahme. Diese Forderung unterstreicht die angespannte Haushaltslage Großbritanniens.
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Zur AktienanalyseBank of England vor schwieriger Zinsentscheidung
Hinsichtlich der Geldpolitik prognostiziert das NIESR, dass die Bank of England die Zinssätze in diesem Jahr und im Jahr 2027 unverändert lassen wird. Der aktuelle Leitzins liegt bei 3,75%. Der Thinktank sieht jedoch Gründe für eine Anhebung auf 4,0%, sollten die Energiepreise weiter steigen.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die britische Wirtschaftslage von Bedeutung, da Großbritannien trotz des Brexits ein wichtiger Handelspartner Deutschlands bleibt. Die anhaltend hohe Inflation und die unsichere Energieversorgung infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten sind Herausforderungen, mit denen auch andere europäische Volkswirtschaften konfrontiert sind.


