Nidec-Aktie steigt nach Abschlussbericht zu Bilanzskandal
Der japanische Elektromotorenhersteller veröffentlichte Ergebnisse einer externen Untersuchung zu unzulässigen Bilanzierungspraktiken.

Die Aktien von Nidec (TYO: 6594) haben am Montag deutlich zugelegt, nachdem der japanische Elektromotorenhersteller den Abschlussbericht einer externen Untersuchung zu unzulässigen Bilanzierungspraktiken veröffentlicht hatte. Die Papiere stiegen zeitweise um bis zu 7,8 Prozent auf 2.445,0 Yen, bevor sie einen Teil der Gewinne wieder abgaben und zuletzt bei 2.407,0 Yen notierten. Anleger reagierten erleichtert auf die Klarheit, die der Bericht über das Ausmaß des Bilanzskandals schafft.
Das Unternehmen hatte den Abschlussbericht am Wochenende veröffentlicht und angekündigt, seine Verbesserungspläne im Einklang mit den Ergebnissen des Berichts zu überarbeiten. Die Veröffentlichung ist ein wichtiger Schritt für Nidec, da sie das Risiko eines möglichen Delistings von der Tokioter Börse erheblich verringert. Zudem ebnet der Bericht dem Unternehmen den Weg, korrigierte Finanzberichte bei der Tokioter Börse einzureichen.
Belastung von über einer Milliarde US-Dollar
Der Abschlussbericht zeigt, dass Nidec aufgrund von Bilanzkorrekturen zwischen dem Geschäftsjahr 2020 und Anfang 2025 eine Belastung des Nettogewinns in Höhe von 160,7 Milliarden Yen – umgerechnet rund 1,01 Milliarden US-Dollar – verzeichnete. Dieser Wert liegt über dem eines früheren Berichts, der eine Belastung des Nettovermögens von insgesamt 139,7 Milliarden Yen durch unzulässige Bilanzierung ausgewiesen hatte. Die Differenz verdeutlicht, dass das vollständige Ausmaß des Schadens erst jetzt vollständig erfasst wurde.
Darüber hinaus ergab die Untersuchung, dass die Auswirkungen der unzulässigen Bilanzierung auf den Firmenwert und andere Wertminderungen von Vermögenswerten bei 250 Milliarden Yen blieben. Zusätzlich musste Nidec eine Belastung von 11,1 Milliarden Yen durch US-Zölle hinnehmen. Trotz dieser erheblichen Belastungen stellte der Bericht fest, dass die Mängel ausschließlich in der Buchhaltung lagen – nicht im operativen Fertigungsgeschäft.
Gründer im Mittelpunkt des Fehlverhaltens
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die Ursachen des Fehlverhaltens: Der Bericht stellt fest, dass sich ein Großteil der unzulässigen Praktiken um Leistungsziele und den Druck des Nidec-Gründers und ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Shigenobu Nagamori drehte. Nagamori hatte das Gremium im Dezember verlassen. Diese Feststellung stimmt mit früheren Erkenntnissen aus der Untersuchung überein.
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Zur AktienanalyseFür Anleger ist besonders bedeutsam, dass das operative Fertigungsgeschäft von den Bilanzproblemen unberührt geblieben ist. Genau darauf setzen viele Investoren: Das Kerngeschäft von Nidec – die Herstellung von Elektromotoren – gilt trotz des Skandals als robust. Im bisherigen Jahresverlauf 2026 notieren die Nidec-Aktien fast 15 Prozent im Plus, nachdem sie sich von ihren Rekordtiefs Ende 2025 erholt haben.
Nidec ist einer der weltweit führenden Hersteller von Elektromotoren und beliefert unter anderem die Automobil- und Elektronikindustrie. Für deutsche Anleger, die in japanische Technologieunternehmen investieren, ist der Fall ein Beispiel dafür, wie Bilanzprobleme selbst bei operativ starken Unternehmen erhebliche Kursrisiken erzeugen können – und wie die Aufklärung solcher Vorgänge letztlich Vertrauen zurückbringen kann.


