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NHS England korrigiert Palantir-Kennzahlen nach internen Mitarbeiterbedenken

Fehlerhafte Baselines bei Operationszahlen und Entlassungsverzögerungen zwingen den britischen Gesundheitsdienst zur Überarbeitung.

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NHS England korrigiert Palantir-Kennzahlen nach internen Mitarbeiterbedenken

NHS England plant grundlegende Änderungen an der Bewertungsmethodik seiner umstrittenen Palantir-Datenplattform. Interne E-Mails, die der Financial Times über eine Anfrage nach dem britischen Informationsfreiheitsgesetz vorliegen, belegen, dass eigene Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes erhebliche methodische Mängel in der Erfolgsanalyse der sogenannten „Federated Data Platform" (FDP) aufgezeigt haben.

Konkret betreffen die geplanten Korrekturen zwei der meistzitierten Behauptungen des NHS England: dass Krankenhäuser mit der FDP 110.000 zusätzliche Operationen durchgeführt hätten und Entlassungsverzögerungen um 15 Prozent gesunken seien. Diese Zahlen wurden bislang als zentrale Belege für den Erfolg der Plattform angeführt.

Interne Kritik an der Analysemethodik

Ein NHSE-Beamter hatte in einem Entwurf der Methodenseite kommentiert: „Ich halte dies nicht für eine valide Basislinie." Der Kritikpunkt: Der Vergleich der Operationszahlen nach Einführung des Tools mit den sechs Monaten davor könnte durch ein „ausgeprägtes" saisonales Muster verzerrt sein. Ähnliche Bedenken äußerte der Beamte zur Berechnung der Entlassungsverzögerungen bei Krankenhäusern mit weniger als zwölf Monaten Nutzungsdaten.

Am 11. Juni 2026 bestätigte ein NHSE-Beamter per E-Mail an Kollegen, dass das bevorstehende Update „noch nicht die angepasste Basislinie" für die beiden Kennzahlen enthalte, diese aber „in der nächsten Veröffentlichungsrunde berücksichtigt werden". Das nächste Update wird im September erwartet – mindestens 16 Monate nach der ersten archivierten Version der Methodenseite vom 1. Mai 2025.

Charles Tallack, ehemaliger Leiter der operativen Forschung und Evaluierung beim NHSE, bezeichnete die durch die Informationsfreiheitsanfrage gewonnenen Erkenntnisse als alarmierend. „Um das Vertrauen in Entscheidungen und Behauptungen des NHSE aufrechtzuerhalten, müssen wir sicher sein können, dass die von ihnen durchgeführten und veröffentlichten Analysen den staatlichen Richtlinien entsprechen", sagte er.

Politischer Druck wächst vor Vertragsablauf 2027

Der Zeitpunkt der Enthüllungen ist brisant: Der 330 Millionen Pfund schwere Vertrag mit dem US-Technologieunternehmen Palantir enthält eine Ausstiegsklausel für das Jahr 2027, und Minister stehen laut FT unter wachsendem Druck, diese zu nutzen. Neben Zweifeln an der Wirksamkeit der Plattform werden auch die Verbindungen Palantirs zur Trump-Administration kritisch hinterfragt.

Ben Coleman, Labour-Abgeordneter im Gesundheits- und Sozialausschuss des Unterhauses, äußerte sich scharf: „Es ist schockierend, dass der NHS Behauptungen über die positiven Auswirkungen von Palantir auf die Patienten veröffentlicht hat, selbst nachdem seine eigenen Mitarbeiter Bedenken hinsichtlich der angewandten Methodik geäußert hatten." Er stellte zudem die Frage, ob eine Vertragsverlängerung angesichts der wachsenden Zweifel an der Wirksamkeit gerechtfertigt werden könne.

Martin Wrigley, liberaldemokratisches Mitglied des Technologieausschusses des Unterhauses, forderte Konsequenzen: „Es ist an der Zeit, Palantir im NHS zu ersetzen und ihre Präsenz im Rest der britischen Regierung ernsthaft infrage zu stellen."

Reihe von Problemen rund um die FDP

Die aktuellen Enthüllungen reihen sich in eine Serie von Problemen ein. Die FT hatte bereits zuvor Fehler in einem zentralen Datensatz zu Entlassungsverzögerungen identifiziert. Eine Analyse des Think-Tanks Health Foundation stellte „keine merkliche Verbesserung" der Entlassungsleistung in Krankenhäusern fest, die das Patienten-Tracking-Tool nutzen.

Im Juni hatte die FT zudem berichtet, dass das NHSE stillschweigend einen Vorbehalt auf seiner Methodenseite hinzugefügt hatte, in dem eingeräumt wurde, dass die Daten die Wirksamkeit von Palantir nicht beweisen. Dies löste eine Untersuchung der britischen Statistikbehörde aus, woraufhin der Gesundheitsdienst seine Behauptungen Ende Juli weiter einschränkte. Auch dieser Vorbehalt war laut der Informationsfreiheitsanfrage auf interne Bedenken eines Mitarbeiters zurückzuführen, der am 28. Mai per E-Mail darauf hingewiesen hatte, dass die Analyse „Ursache und Wirkung nicht definitiv bestimmt".

Zusätzlich kritisierte Nicola Byrne, die nationale Datenschutzbeauftragte für England, den Gesundheitsdienst zuletzt dafür, nicht offengelegt zu haben, dass Palantir-Mitarbeiter auf identifizierbare Patienteninformationen zugreifen könnten. Das NHSE hatte einer kleinen Anzahl externer Mitarbeiter „unbegrenzten Zugang" zu Teilen der Datenintegration gewährt.

Das NHSE selbst erklärte, der „Austausch von Ansichten und Kritik sowie eine Kultur der ständigen Überprüfung und Anpassung" seien „zu Recht Teil der analytischen Praxis des NHS". Man nehme daher eine „kleine Änderung" an der Berechnung der Basisstatistiken für jene Organisationen vor, die ein Plattformprodukt seit weniger als zwölf Monaten nutzen.

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