NHS-Aufträge über 2 Milliarden Pfund: Interessenkonflikt um Gesundheitsbeamtin
Firmen mit Verbindungen zur obersten britischen Gesundheitsbeamtin und ihrem Ehemann erhielten öffentliche Aufträge in Milliardenhöhe.

Der britische NHS und Kommunalbehörden haben in den vergangenen drei Jahren rund 2 Milliarden Britische Pfund an Unternehmen gezahlt, die ganz oder teilweise im Besitz des Private-Equity-Unternehmens G Square Capital sind. Dieser Zeitraum fällt genau in die Phase, in der entweder die derzeitige oberste Gesundheitsbeamtin Samantha Jones oder ihr Ehemann finanzielle Interessen an G Square hielten. Die Enthüllung wirft ernste Fragen über mögliche Interessenkonflikte im britischen Gesundheitssystem auf.
Jones ist heute die ranghöchste Beamtin im britischen Ministerium für Gesundheit und Soziales (Department of Health and Social Care, DHSC). Bevor sie im April 2025 in diese Funktion berufen wurde, war sie seit Juni 2023 als Operating Partner bei G Square tätig. Zum Zeitpunkt ihrer Ernennung ins DHSC hielt sie Funktionen oder Anteile an 13 privaten Gesundheits- oder verwandten Unternehmen, darunter G Square selbst. Sie trat von diesen Positionen zurück bzw. verkaufte ihre Anteile, bevor sie ihr Amt als Staatssekretärin antrat.
Ehemann folgte Jones zu G Square
Vier Monate nach dem Ausscheiden von Jones aus dem Unternehmen wurde ihr Ehemann Joe Harrison als bezahlter Senior-Berater bei G Square eingestellt – und verbleibt bis heute in dieser Funktion. Harrison ist Vorstandsvorsitzender des Milton Keynes University Hospital (MKUH) und seit Mai 2025 Leiter des NHS Advisory Board for Procurement and Supply. Zwischen Januar 2023 und August 2025 war er zudem Direktor für digitale Kanäle bei NHS England.
Die Kombination aus diesen Rollen und den Verbindungen zu G Square hat Bedenken ausgelöst. David Rowland, Direktor des Centre for Health and the Public Interest, kommentierte: „Das Ausmaß, in dem der Steuerzahler Unternehmen finanziert hat, die mit der obersten Beamtin im Ministerium für Gesundheit und Soziales in Verbindung stehen, ist sowohl erschütternd als auch völlig verborgen."
Millionenverträge für G-Square-Portfoliounternehmen
Die konkreten Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Auftragsvergaben. G Square hält Beteiligungen an der Keys Group, dem zweitgrößten Anbieter von Kinderheimen im Vereinigten Königreich. Die Keys Group hielt im Jahr bis April 2023, als Jones noch deren Vorsitzende war, Verträge mit dem NHS und Kommunalbehörden im Wert von 186 Millionen Britischen Pfund. Bis April dieses Jahres stieg dieser Betrag auf 234 Millionen Britische Pfund.
Ein weiteres G-Square-Portfoliounternehmen namens Chec, das Augenoperationen für den NHS durchführt, erhielt über drei Jahre hinweg Verträge im Wert von insgesamt 243 Millionen Britischen Pfund. Allein im letzten Geschäftsjahr waren es 87 Millionen Pfund, gegenüber 74 Millionen Pfund im Zeitraum 2023-24. Auch die Online-Apotheke Pharmacy2U, für die Harrison laut Dokumenten zur Offenlegung von Interessen als Berater tätig war, verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Anstieg ihrer öffentlichen Aufträge.
Keine direkte Beteiligung an Vertragsgenehmigungen nachgewiesen
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Zur AktienanalyseEs gibt keine Hinweise darauf, dass Jones oder Harrison direkt an der Genehmigung der betreffenden Verträge beteiligt waren. Jones hat sich bereits von jeglicher Entscheidung über die Verlängerung des Vertrags von Palantir mit dem NHS zurückgezogen, nachdem Abgeordnete Bedenken wegen eines potenziellen Interessenkonflikts im Zusammenhang mit ihrer früheren Beratungstätigkeit geäußert hatten.
Das DHSC erklärte in einer Stellungnahme: „Mit ihrem Eintritt in das Ministerium brachte die Staatssekretärin über 30 Jahre Erfahrung im Gesundheits- und Pflegesektor mit. Sie trat von all ihren Posten im Privatsektor zurück, bevor sie die Rolle der Staatssekretärin im Ministerium übernahm." Ein Sprecher des MKUH betonte zudem, Harrison sei seit Oktober 2025 als Berater für Pharmacy2U tätig, sei jedoch „nie Direktor, Vorstandsmitglied oder Aktionär von Pharmacy2U, G Square oder einem Portfoliounternehmen von G Square" gewesen. Seine beratende Rolle umfasse keine kommerziellen Entscheidungen.
Die Affäre fügt sich in eine breitere politische Debatte über die Rolle privater Unternehmen im britischen Gesundheits- und Pflegesystem ein. Premierminister Andy Burnham erklärte diese Woche, er sei entschlossen, der „Profitgier" im Pflegesystem ein Ende zu setzen, schloss den Einsatz privater Anbieter jedoch nicht grundsätzlich aus. G Square, die Keys Group und Pharmacy2U reagierten nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.


