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Neue Euro-Banknoten: Berühmte Europäer oder Vögel und Flüsse?

Die EZB präsentiert 120 Designs für die künftigen Euro-Scheine – Bürger dürfen mitentscheiden, ab 2028/2029 kommt das neue Geld.

Neue Euro-Banknoten: Berühmte Europäer oder Vögel und Flüsse?

Fast drei Jahrzehnte lang prägten abstrakte Brücken, Tore und Fenster das Gesicht der Euro-Banknoten. Das Konzept war bewusst gewählt: Kein Land sollte bevorzugt werden, alle 21 Mitgliedsstaaten sollten sich gleichermaßen mit ihrer gemeinsamen Währung identifizieren können. Doch diese Ära neigt sich dem Ende.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute einen entscheidenden Schritt in Richtung neuer Banknoten gemacht. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte im Eurotower in Frankfurt am Main insgesamt 120 Designs vor – 60 Vorder- und 60 Rückseiten. Ein Auswahlgremium hatte diese zehn Vorlagen aus Tausenden von Entwürfen und Ideen herausgefiltert. Die neuen Scheine sollen ab 2028/2029 schrittweise in Umlauf gebracht werden, nachdem aufwendige Tests und Sicherheitsverfahren abgeschlossen sind.

Zwei Motivserien stehen zur Wahl

Im Kern konkurrieren zwei Themenlinien um die Gunst der Europäer. Für jede Serie wurden fünf verschiedene Designvorschläge erarbeitet – doch nur eine der beiden Serien wird letztlich umgesetzt.

Die erste Serie setzt auf berühmte europäische Persönlichkeiten auf der Vorderseite. Zur Auswahl stehen unter anderem der Komponist Ludwig van Beethoven, die Physikerin und Chemikerin Marie Curie sowie der Universalgelehrte Leonardo da Vinci. Die Rückseiten dieser Serie zeigen europäische Kulturräume wie Marktplätze, Theater, Opern oder Parks.

Die zweite Serie wählt einen naturnahen Ansatz: Auf den Vorderseiten erscheinen europäische Flüsse und Vögel – etwa Gebirgsquellen, Wasserfälle oder Flusstäler, kombiniert mit typischen Vogelarten wie dem Mauersegler, dem Eisvogel oder dem Weißstorch. Die Rückseiten dieser Serie zeigen europäische Institutionen, darunter das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und den Europäischen Gerichtshof. Die Stückelung bleibt unverändert: vom Fünfer bis zum 200-Euro-Schein, in den gewohnten Farben – Grau, Rot und Blau.

Bürger haben Mitspracherecht

Bevor der EZB-Rat im Dezember die endgültige Entscheidung trifft, dürfen rund 350 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Eurozone ihre Stimme abgeben. Auf der Internetseite der Europäischen Zentralbank können sie ab sofort mitbestimmen, welche Motivserie sich durchsetzen soll.

Ein wesentlicher Treiber hinter dem Redesign ist die Fälschungssicherheit. Obwohl die aktuellen Euro-Scheine als relativ sicher gelten, haben Fälscher im Laufe der Zeit immer ausgefeiltere Methoden entwickelt, sie nachzuahmen. Die neuen Banknoten sollen daher zahlreiche zusätzliche Sicherheitselemente erhalten. Gleichzeitig erhofft sich die EZB durch konkretere Motive eine stärkere emotionale Bindung der Bevölkerung an ihre Währung.

Schöpfer der ersten Euro-Noten übt scharfe Kritik

Genau an diesem Punkt setzt die Kritik des Mannes an, der die heutigen Euro-Scheine entworfen hat. Robert Kalina, österreichischer Grafiker und ehemaliger Chefdesigner der Österreichischen Nationalbank, gewann seinerzeit den Designwettbewerb für die erste Euro-Banknotenserie. Er hatte zuvor zahlreiche Serien des österreichischen Schillings gestaltet und später auch Banknoten für andere Länder kreiert.

Der heute 71-Jährige ist skeptisch, ob die neuen Designs die erhofften Ziele erreichen werden. Kalina befürchtet, dass konkrete Persönlichkeiten und Gebäude den Nationalstolz und Eifersüchteleien zwischen den Mitgliedsländern neu entfachen könnten – genau das, was er mit seinem abstrakten Konzept verhindern wollte. Die Brücken sollten Verbindungen symbolisieren, Tore und Fenster zum europäischen Zusammenhalt einladen.

Von der Natur-Serie hält Kalina gar nichts. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte er, Vögel und Flüsse gehörten auf eine Briefmarke, nicht auf die wichtigste Währung des Kontinents: „Es täte mir leid, wenn der Euro künftig anders aussähe."

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