Netflix Q4-Zahlen: Warner Bros.-Deal überschattet Rekordquartal
Netflix präsentiert am Dienstag die Zahlen für das vierte Quartal 2025. Im Fokus steht jedoch weniger das erwartete Umsatzplus von knapp 17 Prozent, sondern vielmehr die geplante 82,7-Milliarden-Dollar-Übernahme von Warner Bros.

Der Streaming-Pionier Netflix steht vor einer Weichenstellung: Während die Quartalszahlen für Oktober bis Dezember 2025 voraussichtlich das stärkste Wachstum seit 2020 zeigen werden, richtet sich der Blick der Investoren bereits auf die Zukunft. Die angekündigte Übernahme der Streaming- und Studio-Assets von Warner Bros. Discovery für 82,7 Milliarden US-Dollar könnte die Branche grundlegend verändern.
Solides Wachstum im Weihnachtsquartal
Analysten erwarten für das vierte Quartal Gesamteinnahmen von 11,97 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 16,82 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Treiber waren erfolgreiche Eigenproduktionen wie die finale Staffel von "Stranger Things", der neueste "Knives Out"-Film sowie die erstmals übertragenen NFL-Spiele am ersten Weihnachtsfeiertag. Das Spiel zwischen den Detroit Lions und Minnesota Vikings brach alle Rekorde und wurde zum meistgestreamten Major-League-Sportereignis in den USA.
Die Nutzerbasis dürfte laut Schätzungen von Visible Alpha um rund 10 Millionen auf über 327 Millionen Abonnenten weltweit gewachsen sein. Für das Gesamtjahr 2026 prognostizieren Analysten ein Umsatzwachstum von etwa 13 Prozent. Live-Events werden dabei eine zunehmend wichtigere Rolle spielen – kürzlich sicherte sich Netflix auch die historische Bibliothek der WWE.
Warner Bros.-Deal als Gamechanger
Die Übernahme würde Netflix Zugriff auf eine der wertvollsten Content-Bibliotheken Hollywoods verschaffen. Kultserien wie "Friends" und "Game of Thrones" sowie die "Harry Potter"-Reihe könnten die Lücke füllen, die das Ende von "Stranger Things" – der meistgesehenen Serie aller Zeiten – hinterlässt. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Disney hat Netflix bislang weniger etablierte Blockbuster-Franchises aufgebaut.
Investoren erwarten bei der Analystenkonferenz am Dienstag konkrete Details, wie Netflix diese Titel für neue Spin-offs, Prequels und Fortsetzungen nutzen will. "Die Ergebnisse werden von dem überschattet, was Netflix über den Deal sagt", kommentiert Paolo Pescatore, Analyst bei PP Foresight.
Harter Wettbewerb und regulatorische Hürden
Netflix steht in einem intensiven Bieterwettbewerb mit Paramount Skydance, das 108,4 Milliarden US-Dollar für sämtliche Warner Bros. Discovery-Assets geboten hat. Laut Reuters plant Netflix, sein ursprüngliches Bar- und Aktienangebot in ein reines Barangebot umzuwandeln. Das Rennen dürfte sich über Monate hinziehen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der kartellrechtlichen Prüfung in den USA und Europa. Mit rund 428 Millionen Abonnenten würde ein kombiniertes Netflix-Warner Bros. mit Abstand zum größten globalen Streamer. Netflix argumentiert, primär mit YouTube zu konkurrieren – dem meistgesehenen TV-Anbieter Amerikas. Regulierungsbehörden könnten dieser Argumentation jedoch skeptisch gegenüberstehen.
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Zur AktienanalyseAktie unter Druck
Die Unsicherheit über den Deal-Ausgang belastet die Netflix-Aktie, die in den vergangenen vier Monaten gefallen ist und 2026 mit einem Minus von 6 Prozent startete. Fast ein Drittel der Analysten senkte seit der Deal-Ankündigung am 5. Dezember die Kursziele.
Ein potenzieller Vorteil der HBO-Akquisition liegt in der Stabilisierung der Abonnentenzahlen. Netflix weist die niedrigste Kündigungsrate der Branche auf und könnte durch Bündelung der Dienste und den Einsatz seiner bewährten Empfehlungsalgorithmen Nutzerverluste bei HBO Max eindämmen. Wie genau diese Integration aussehen soll, dürfte das Unternehmen nach der Zahlenvorlage erläutern.


