Netflix-Aktie unter Druck: $83 Mrd. Warner Bros-Deal sorgt für Turbulenzen
Netflix wagt mit dem geplanten $83 Milliarden-Kauf von Warner Bros einen radikalen Strategiewechsel. Die Anleger reagieren skeptisch – die Aktie verlor seit Bekanntgabe über 15 Prozent.

Der Streaming-Gigant Netflix steht nach der Ankündigung seiner bisher größten Übernahme massiv unter Druck. Das Unternehmen will die Studio- und Streaming-Assets von Warner Bros Discovery für rund $83 Milliarden übernehmen – ein Deal, der die bisherige Unternehmensstrategie auf den Kopf stellt.
Drastischer Kursverlust alarmiert Investoren
Die Netflix-Aktie hat seit dem ersten Übernahmeangebot am 5. Dezember mehr als 15 Prozent an Wert verloren. Im vorbörslichen Handel am Mittwoch sackte das Papier weitere 8 Prozent ab. Die Co-CEOs Ted Sarandos und Greg Peters mussten in einer Analystenkonferenz Rede und Antwort stehen und ihren aggressiven Expansionskurs rechtfertigen.
Besonders brisant: Netflix setzt für den Deal seine Aktienrückkäufe aus – ein Signal, das bei Anlegern traditionell auf Unmut stößt. Das Unternehmen hat bereits Zusagen für einen Überbrückungskredit von $59 Milliarden erhalten und diesen kürzlich um weitere $8,2 Milliarden aufgestockt, um das reine Barangebot von $27,75 je Aktie zu finanzieren.
Strategiewechsel: Von "Build" zu "Buy"
"Als wir uns die Details ansahen, gab es mehrere Dinge, die wir als wirklich aufregend empfanden", erklärte Co-CEO Greg Peters die Kehrtwende. Netflix hatte jahrelang das Motto verfolgt, Content selbst zu produzieren statt Unternehmen zu kaufen. Nun argumentiert Sarandos, Tech-Giganten wie YouTube hätten die TV-Landschaft so verändert, dass Netflix seinen Kurs ändern müsse.
Mit dem Deal würde Netflix Zugriff auf Warner Bros' legendäre Content-Bibliothek erhalten, darunter Blockbuster-Franchises wie "Game of Thrones" und "Harry Potter". Auch das Kinogeschäft, das Netflix früher als veraltet abtat, wird plötzlich attraktiv. "Wir erhalten ein ausgereiftes, gut geführtes Kinogeschäft mit großartigen Filmen", so Peters.
HBO als Prestigemarke im Visier
Besonders die Premium-Marke HBO hat es Netflix angetan. "Das ist eine erstaunliche Marke. Sie steht für Prestige-Fernsehen, das besser ist als fast alles andere", schwärmte Peters. Die Produktionskapazitäten von Warner Bros würden das eigene TV-Studio ideal ergänzen und die Inhalteproduktion erheblich ausweiten.
Schwache Quartalszahlen verstärken Zweifel
Die Übernahme-Ankündigung kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Netflix lieferte für das vierte Quartal – normalerweise eines der stärksten – nur eine schwache Umsatzübertreffung. Auch der Ausblick auf das neue Jahr fiel verhalten aus. Zwar half ein starkes Content-Angebot mit der finalen Staffel von "Stranger Things" beim Wachstum, doch die hohen Kosten für die Warner-Akquisition überschatten die Perspektiven.
Kartellrechtliche Hürden voraus
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Zur AktienanalyseAnalysten erwarten erheblichen Widerstand von Wettbewerbsbehörden. Eine Fusion dieser Größenordnung könnte den Streaming-Markt monopolisieren und die Auswahlmöglichkeiten für Verbraucher einschränken. Sarandos versuchte zu beschwichtigen: Der Deal sei "verbraucherfreundlich" und "arbeitnehmerfreundlich" und würde mehr Möglichkeiten für Kreative schaffen.
Wettlauf gegen Paramount Skydance
Mit dem $82,7 Milliarden-Angebot versucht Netflix, dem Konkurrenten Paramount Skydance zuvorzukommen. "Der Deal ermöglicht uns den Zugang zu 100 Jahren umfangreicher Inhalte und geistigem Eigentum von Warner Bros.", argumentierte Sarandos. Die Entwicklung und der Vertrieb würden "effektiver" und kämen "Verbrauchern und der gesamten Branche" zugute.
Ob diese Argumente Investoren und Regulierungsbehörden überzeugen können, bleibt abzuwarten. Der Kursverlust zeigt jedenfalls, dass der Markt dem historischen Strategiewechsel skeptisch gegenübersteht.


