Netflix-Aktie fällt 9% – Reed Hastings verlässt den Verwaltungsrat
Trotz starker Quartalszahlen und bestätigter Jahresprognose reagierten Anleger mit Verkäufen. Mitgründer Hastings scheidet im Juni aus.

Die Netflix-Aktie ist am Donnerstag im nachbörslichen Handel um 9% gefallen, obwohl der Streaming-Konzern beim Umsatz die Erwartungen der Wall Street übertraf. Gleichzeitig gab das Unternehmen bekannt, dass Mitgründer und Verwaltungsratsvorsitzender Reed Hastings das Gremium im Juni verlassen wird.
Im ersten Quartal 2026 erzielte Netflix einen Umsatz von 12,25 Milliarden US-Dollar. Das liegt über den von der Analystenplattform LSEG prognostizierten 12,18 Milliarden Dollar und entspricht einem Wachstum von 16% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem 10,54 Milliarden Dollar ausgewiesen wurden.
Der Nettogewinn belief sich auf 5,28 Milliarden Dollar bzw. 1,23 Dollar je Aktie – nahezu eine Verdoppelung gegenüber den 2,89 Milliarden Dollar oder 66 Cent je Aktie aus dem Vorjahreszeitraum. Allerdings ist dieser Wert aufgrund einer Sondereffekts nicht direkt mit den Analystenerwartungen von 76 Cent je Aktie vergleichbar: Netflix erhielt nach dem Scheitern der geplanten Übernahme der Streaming- und Filmsparte von Warner Bros. Discovery eine Abbruchgebühr in Höhe von 2,8 Milliarden Dollar, die den ausgewiesenen Gewinn erheblich beeinflusste.
Jahresprognose bestätigt, Werbegeschäft auf Kurs
Netflix hielt an seiner bisherigen Prognose für das Gesamtjahr fest. Das Unternehmen erwartet einen Jahresumsatz zwischen 50,7 und 51,7 Milliarden Dollar. Für das zweite Quartal rechnet Netflix mit einem Umsatzwachstum von 13%.
Das Unternehmen bekräftigte zudem, im Jahr 2026 Werbeeinnahmen von 3 Milliarden Dollar zu erzielen – eine Verdoppelung im Jahresvergleich. Dieser neuere Geschäftsbereich zeigt laut Netflix deutliches Wachstum und wird zunehmend zu einem wichtigen Umsatzpfeiler.
Finanzvorstand Spencer Neumann erklärte, dass einige der ursprünglich geplanten Kosten im Zusammenhang mit dem gescheiterten WBD-Deal nicht vollständig eintreten würden. Gleichzeitig würden einige für 2027 geplante Kosten nun auf 2026 vorgezogen. Insgesamt bewege sich das Unternehmen noch im Rahmen der prognostizierten Gesamtsumme für M&A-bezogene Ausgaben im laufenden Jahr.
Preiserhöhungen und Inhalte-Strategie
Im vergangenen Monat kündigte Netflix erneut Preiserhöhungen für alle Streaming-Abonnements an. Co-CEO Greg Peters betonte in der Telefonkonferenz, dass diese Preisanpassung von Anfang an Teil des Jahresplans gewesen sei. Die Einführung sei noch im Gange, bisher verlaufe alles konsistent mit früheren Erfahrungen bei Preisänderungen – einige Mitglieder kündigen oder wechseln in günstigere Tarife.
Netflix verwies zudem auf seine Inhalte-Strategie: Die Expansion in den Bereich Video-Podcasts sowie die Übertragung des World Baseball Classic hätten dazu beigetragen, dass die wichtigste interne Kennzahl für das Qualitätsengagement im ersten Quartal einen neuen Rekordwert erreichte. Das Betriebsergebnis stieg im ersten Quartal um 18%, was laut Unternehmen unter anderem auf leicht über den Planungen liegende Abonnementeinnahmen zurückzuführen ist.
Live-Sport gewinnt bei Netflix zunehmend an Bedeutung. Co-CEO Ted Sarandos erklärte, das Unternehmen befinde sich derzeit in Gesprächen mit der NFL, um die bestehende Beziehung auszubauen. Netflix hat in den vergangenen Jahren bereits NFL-Spiele am ersten Weihnachtsfeiertag gestreamt, besitzt jedoch kein klassisches NFL-Übertragungspaket.
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Zur AktienanalyseReed Hastings verlässt das Board
Eine der bedeutendsten Meldungen des Abends war der angekündigte Abgang von Reed Hastings. Der Mitgründer von Netflix wird den Verwaltungsrat im Juni mit Ablauf seiner Amtszeit verlassen. Hastings hatte bereits 2023 den CEO-Posten abgegeben. Seitdem führen Ted Sarandos und Greg Peters – der zuvor als Chief Operating Officer tätig war – das Unternehmen gemeinsam als Co-CEOs.
Ein Analyst fragte in der Telefonkonferenz, ob Hastings' Abgang mit dem gescheiterten WBD-Deal in Verbindung stehe. Sarandos wies dies zurück und betonte, Hastings sei „ein großer Befürworter dieses Deals" gewesen: „Er hat ihn vor dem Verwaltungsrat verteidigt. Der Verwaltungsrat war einstimmig."
Der Quartalsbericht war der erste seit dem Scheitern der geplanten WBD-Übernahme im Februar. Trotz solider operativer Kennzahlen und einer bestätigten Jahresprognose reagierten Anleger zurückhaltend – der nachbörsliche Kursrückgang von 9% spiegelt die hohen Erwartungen wider, die der Markt an den Streaming-Marktführer stellt.


