Nestlé entlässt Konzernchef Laurent Freixe
Beziehung zu Mitarbeiterin bleibt nicht ohne Folgen – Navratil übernimmt in schwieriger Phase

Nestlé hat seinen Konzernchef Laurent Freixe nach nur einem Jahr im Amt entlassen. Hintergrund ist eine nicht offengelegte romantische Beziehung zu einer direkt unterstellten Mitarbeiterin, womit Freixe gegen den internen Verhaltenskodex des Unternehmens verstoßen haben soll. Der Schweizer Lebensmittelriese teilte mit, dass er damit gegen geltende Richtlinien gehandelt habe. An die Spitze des Konzerns rückt nun Philipp Navratil, bisher Leiter des Geschäftsbereichs Nespresso und Mitglied der Konzernleitung. Er soll die eingeschlagene Strategie und die bestehenden Finanzziele fortführen.
Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke erklärte, die Entscheidung sei notwendig gewesen, da die Werte und die Governance des Unternehmens das Fundament von Nestlé bildeten. Bereits im Frühjahr war über eine Whistleblower-Hotline ein Hinweis auf die Beziehung eingegangen. Eine erste interne Untersuchung konnte keine Belege liefern, Freixe selbst wies die Vorwürfe zurück. Nach einer externen Prüfung und weiteren internen Meldungen erfolgte schließlich die Trennung. Ein Abgangspaket erhält Freixe nicht, wie ein Sprecher bestätigte.
Der neuerliche Führungswechsel kommt zu einer schwierigen Zeit für den Konzern. Schon Freixes Vorgänger musste sein Amt niederlegen, nachdem Nestlé seine Ziele verfehlt und die Unterstützung bei Investoren und Mitarbeitern eingebüßt hatte. Freixe war angetreten, um Vertrauen zurückzugewinnen und das Wachstum des Unternehmens wiederzubeleben. Dies gelang jedoch nur bedingt, die Aktie verharrt mit rund 75 Franken deutlich unter dem Höchststand von fast 130 Franken Anfang 2022. Wettbewerber wie Unilever und Danone konnten in dieser Zeit deutlich zulegen.
Auch mit der Führungsspitze selbst sind die Anleger unzufrieden. Verwaltungsratspräsident Bulcke wird 2026 abgelöst und dem ehemaligen Inditex-Manager Pablo Isla Platz machen. Der plötzliche Abgang von Freixe verschärft die Unsicherheit über die mittelfristige Ausrichtung des Konzerns zusätzlich.
Philipp Navratil, Jahrgang 1976, begann seine Laufbahn bei Nestlé 2001 in der internen Revision. Er kündigte an, gemeinsam mit der Unternehmensführung und in enger Abstimmung mit Bulcke sowie dem künftigen Präsidenten Isla die Umsetzung der Strategie zu beschleunigen und den Wertschöpfungsplan voranzutreiben.
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Zur AktienanalyseAnalysten reagierten kritisch auf die Ernennung. Experten der US-Großbank JPMorgan erklärten, es sei enttäuschend, dass der neue CEO gezwungen sei, die Linie seines Vorgängers fortzuführen, obwohl die Märkte angesichts des niedrigen Aktienkurses Zweifel an deren Erfolg hegten. Damit bleibt offen, wie Navratil die Erwartungen der Investoren erfüllen will und welche Impulse er dem Konzern geben kann.


