Neste kehrt mit Rekordmargen in die Gewinnzone zurück
Der Nahost-Konflikt trieb die Preise für erneuerbare Kraftstoffe auf Rekordniveau – mit dramatischen Folgen für Nestes Ergebnis.

Der weltweit größte Produzent von erneuerbarem Flugkraftstoff, das finnische Unternehmen Neste, hat im ersten Halbjahr eine bemerkenswerte Trendwende vollzogen. Der Nettogewinn stieg von einem Verlust von 76 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 1,3 Milliarden Euro. Ausschlaggebend dafür war ein außergewöhnliches Marktumfeld, das der Krieg im Nahen Osten ausgelöst hat.
Die Verkaufsmarge für erneuerbare Produkte hat sich im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr auf einen Rekordwert von 1.223 US-Dollar pro Tonne mehr als verdreifacht. Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert noch bei 361 US-Dollar pro Tonne. Damit übertraf Neste die Analystenprognosen um 164 US-Dollar pro Tonne deutlich.
Krieg im Nahen Osten als Kurstreiber
Neste-Vorstandsvorsitzender Heikki Malinen erklärte, der Konflikt im Nahen Osten habe im zweiten Quartal die „globalen Öl- und Produktmärkte dominiert" und ein „außergewöhnliches Marktumfeld" geschaffen. Regierungen und Großabnehmer suchten verstärkt nach Alternativen zu Produkten aus fossilen Brennstoffen, was die Nachfrage nach erneuerbaren Kraftstoffen massiv ankurbelte.
Laut der Preisagentur Argus Media stiegen die Preise für nachhaltigen Flugkraftstoff (SAF) in Europa um bis zu 31 Prozent gegenüber dem Vorkriegsniveau. Erneuerbarer Diesel verteuerte sich um bis zu 24 Prozent. Diese alternativen Kraftstoffe werden aus Rohstoffen wie Altspeiseöl und tierischen Fetten hergestellt und gelten als wichtiger Baustein der Energiewende im Transportsektor.
Malinen äußerte sich jedoch eher „vorsichtig" zum Ausblick für das Gesamtunternehmen. In jüngster Zeit seien die Margen von ihren Rekordniveaus gesunken, da die Rohstoffpreise mit den steigenden Produktpreisen gleichgezogen hätten. Volatile Ölproduktpreise machten künftige Margen schwer vorhersehbar, so das Management in einer Telefonkonferenz am Freitag.
US-Biokraftstoffpolitik als langfristiger Rückenwind
Neben dem Nahost-Konflikt profitierte Neste auch von der US-amerikanischen Biokraftstoffpolitik. Die Trump-Regierung verabschiedete im März neue Regeln, die die Biokraftstoffquoten für 2026 und 2027 drastisch erhöhen. Die US-Umweltschutzbehörde EPA erwartet, dass die Produktion und der Verbrauch von Biodiesel und erneuerbarem Diesel gegenüber dem Niveau von 2025 um mehr als 60 Prozent steigen werden.
Jess Dell, Leiter der Preisgestaltung für US-Biokraftstoffe bei Argus, sieht die positive Marktstimmung als nachhaltig an: „Es besteht die Erwartung, dass [die optimistische Marktstimmung] unabhängig vom Ausgang des Iran-Krieges nicht nachlassen wird, da diese Vorgabe besteht, damit diese Milliarden zusätzlicher Gallonen Biodiesel und erneuerbarer Diesel auf den Markt kommen."
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Zur AktienanalyseLangfristiges Wachstumspotenzial mit politischen Abhängigkeiten
Der Markt für erneuerbare Flugkraftstoffe bleibt jedoch stark von politischen Vorgaben abhängig. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wird der Verbrauch von nachhaltigem Flugkraftstoff voraussichtlich um das Neunfache von 1 Milliarde Litern im Jahr 2024 auf 9 Milliarden Liter im Jahr 2030 steigen. Dennoch würde SAF im Hauptszenario der IEA am Ende des Jahrzehnts immer noch nur 2 Prozent des gesamten Bedarfs an Flugkraftstoffen ausmachen.
Malinen betonte die strategische Bedeutung erneuerbarer Kraftstoffe über den aktuellen Konflikt hinaus: „Die Verringerung der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen ist ein zunehmend wichtiges strategisches Ziel, um sowohl die Energiesicherheit zu stärken als auch den Klimawandel abzumildern." Wiederholte Angebotsschocks hielten die Energiesicherheit weit oben auf der politischen Agenda – ein Umstand, der die langfristigen Argumente für erneuerbare Kraftstoffe weiter stärken könnte.


