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Neom gerät ins Stocken

Saudis kämpfen mit Geldmangel, Bauverzögerungen und fehlender Nachfrage für Wasserstoff

 Neom gerät ins Stocken

Das saudische Megaprojekt Neom entwickelt sich zunehmend zu einer Herausforderung für das Königshaus. Während einzelne Fortschritte bei Bauabschnitten sichtbar sind, offenbaren aktuelle Satellitenbilder deutliche Verzögerungen in vielen Bereichen. Das ambitionierte Vorhaben umfasst unter anderem eine 170 Kilometer lange Stadt namens The Line, eine groß angelegte Wasserstofffabrik und die futuristische Hafenstadt Oxagon. In der Realität kommt der Bau jedoch vielerorts nur schleppend voran, was auf finanzielle Engpässe und mangelnde Nachfrage zurückzuführen ist.

Die von Thyssenkrupp Nucera ausgerüstete Wasserstofffabrik soll zwar wie geplant Ende 2026 in Betrieb gehen, doch Berichte deuten auf fehlende Abnehmer hin. Bisher hat lediglich TotalEnergies einen Abnahmevertrag unterzeichnet, wodurch die geplante Auslastung in Frage steht. Die ursprünglichen Hoffnungen auf einen globalen Wasserstoffboom scheinen sich nicht zu erfüllen. Die Finanzierung wird zusätzlich erschwert durch sinkende Ölpreise, die die Einnahmen des saudischen Staats verringern, sowie durch wachsende Staatsschulden.

Auch die Realisierung von The Line, einer linearen Stadt, die neun Millionen Menschen beherbergen soll, zeigt ein gemischtes Bild. Während einzelne Abschnitte sichtbar wachsen, bleiben andere Baustellen nahezu unverändert. Der zuständige Projektleiter wurde nach Monaten der kommissarischen Leitung erst kürzlich offiziell als CEO bestätigt. Die geschätzten Gesamtkosten des Projekts haben sich laut einer internen Präsentation auf 8,8 Billionen US-Dollar erhöht. Der Abschluss der ersten Bauphase ist erst für das Jahr 2035 vorgesehen, wobei bereits dafür rund 370 Milliarden Dollar veranschlagt werden.

Ein weiteres Projekt mit deutscher Beteiligung, das Saudi-Arabien als zentralen Lieferanten für grünen Wasserstoff etablieren sollte, wurde offenbar bereits im März 2024 eingestellt. Machtkonflikte zwischen dem staatlichen Investitionsfonds und dem Energiekonzern ACWA Power sollen zum Abbruch geführt haben. Auch die touristischen Ziele des Projekts bleiben hinter den Erwartungen zurück. Die im Oktober 2024 eröffnete Luxusinsel Sindalah weist keine aktive Hotelpräsenz auf, Buchungen sind nicht möglich.

Zwar existieren erste bewohnte Bereiche wie die Siedlung Community 1 und das Sportgelände Neom Sports Village, doch der Großteil der geplanten Infrastruktur scheint noch in weiter Ferne. Der Fortschritt konzentriert sich vor allem auf das Areal rund um den Industriehafen Oxagon. Gleichzeitig sind die privaten Strandresidenzen des Königshauses nahezu abgeschlossen und gut erschlossen.

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