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Neets in Großbritannien: Warum Arbeitgeber jungen Menschen zuhören müssen

Ein neuer Bericht beleuchtet die Lage von einer Million junger Briten ohne Ausbildung, Arbeit oder Schulung.

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Neets in Großbritannien: Warum Arbeitgeber jungen Menschen zuhören müssen

Eine Million junger Menschen im Vereinigten Königreich befinden sich weder in Ausbildung noch in Beschäftigung oder Schulung – sie gelten als sogenannte „Neets" (Not in Education, Employment or Training). Ein neuer Bericht namens „Inside the Mind of a Young Neet" analysiert nun erstmals systematisch, wer diese jungen Menschen wirklich sind und welche Hindernisse sie vom Arbeitsmarkt fernhalten. Verfasst wurde er von einem ehemaligen Berater von Sir Keir Starmer und Sir Tony Blair sowie ehemaligen Schulleiter, gemeinsam mit Co-Autor Shuab Gamote – im Rahmen einer Regierungsprüfung unter Alan Milburn.

Für den Bericht reisten die Autoren durch das gesamte Vereinigte Königreich und sprachen mit mehr als 400 jungen Menschen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die überwiegende Mehrheit der Befragten wollte unbedingt arbeiten und sah darin einen klaren Gewinn für ihre finanzielle Sicherheit und ihr Wohlbefinden. Dennoch sahen sie sich einer Vielzahl von Hindernissen gegenüber – von psychischen Erkrankungen über instabile Wohnverhältnisse bis hin zu undurchsichtigen Bewerbungsprozessen.

Das Ampelsystem: Wie weit sind junge Menschen vom Arbeitsmarkt entfernt?

Um die unterschiedlichen Situationen der Betroffenen zu erfassen, entwickelten die Autoren ein Ampelsystem. Es beschreibt, wie groß die Distanz eines jungen Menschen zur Arbeitswelt tatsächlich ist:

Rot

steht für junge Menschen mit komplexen Herausforderungen: schwere psychische Erkrankungen, Traumata und instabile Wohnverhältnisse. Einige haben gerade die staatliche Fürsorge verlassen. Sie wollen arbeiten, brauchen aber zuerst ein Mindestmaß an Stabilität und Sicherheit. -

Gelb

kennzeichnet junge Menschen, die dem Arbeitsmarkt nahestehen, aber an konkreten, oft praktischen Hürden scheitern. Ihnen fehlt vielleicht eine einzige Note für den Abschluss in Englisch oder Mathematik, eine Referenz oder ein Praktikum. Sie haben Ambitionen, müssen aber erst Schwung aufbauen. -

Grün

beschreibt junge Menschen, die nach allen vernünftigen Maßstäben bereit sind – mit Qualifikationen, Erfahrung und klaren Vorstellungen. Dennoch finden sie keinen Einstieg. Diese Gruppe steckt in der sogenannten „Rejection Economy" fest, einer Ökonomie der Ablehnung.

Ein junger Mensch aus Suffolk beschrieb die Situation treffend als „Teufelskreis": Man brauche einen Führerschein, um zu arbeiten – und Arbeit, um sich die Fahrstunden leisten zu können. Dieses Bild steht exemplarisch für die strukturellen Widersprüche, mit denen viele Neets täglich konfrontiert sind.

Fehlende Berufserfahrung als zentrales Problem

Ein weiterer zentraler Befund des Berichts: Die meisten befragten jungen Menschen hatten während der Schulzeit keine Berufserfahrung gesammelt und als junge Erwachsene keine bezahlte Arbeit ausgeübt. Zum Vergleich: Junge Menschen, die die Autoren in den Niederlanden besuchten, waren alle bereits mit 15 oder 16 Jahren einer bezahlten Tätigkeit nachgegangen – und berichteten stolz von den Fähigkeiten und persönlichen Qualitäten, die sie dabei entwickelt hatten.

Studien untermauern die Bedeutung früher Berufserfahrung: Die Wahrscheinlichkeit, ein Neet zu werden, ist bei jungen Menschen, die vier oder mehr bedeutsame Erfahrungen mit der Arbeitswelt gemacht haben, um 86 Prozent geringer. Dieser Befund ist auch für die deutsche Debatte über Ausbildung und Berufsorientierung relevant, da ähnliche Diskussionen über den Wert von Praktika und früher Berufsorientierung geführt werden.

Arbeitgeber und junge Menschen: Zwei Welten

Im Rahmen des Berichts brachten die Autoren eine kleine Gruppe junger Neets und Arbeitgeber zusammen, um die Perspektiven beider Seiten zu beleuchten. Dabei zeigten sich deutliche Wahrnehmungsunterschiede. Junge Menschen hatten das Gefühl, dass Arbeitgeber nach Erfahrung und nicht nach Potenzial einstellen. Die Arbeitgeber sagten, das Gegenteil sei der Fall.

Zudem empfanden die jungen Menschen die Bewerbungsprozesse als kompliziert und mehrstufig – was Bewerber aus benachteiligten Verhältnissen besonders benachteilige. Die Arbeitgeber räumten ein, dass manche Stellenbeschreibungen für Einstiegsjobs implizieren, Bewerber müssten bereits voll ausgebildet sein, obwohl das nicht der Anspruch sei. Außerdem zeigten sie Verständnis dafür, dass Einstiegsjobs zunehmend durch Künstliche Intelligenz wegfallen.

Die Botschaft der Arbeitgeber an junge Menschen lautete: Weitermachen, keine Ratschläge von TikTok annehmen und authentisch sein. Junge Menschen hingegen fordern mehr Möglichkeiten, mehr Flexibilität im Einstellungsprozess und mehr Orientierung in entscheidenden Momenten ihres Lebens. Vor allem wollen sie als Individuen mit Potenzial wahrgenommen werden – und die Chance erhalten, sich zu entfalten. Der Einstieg in die Arbeitswelt, so das Fazit des Berichts, sollte keine entmutigende Tortur sein.

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