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Nahost-Krieg bedroht LNG-Versorgung: IEA warnt vor 120-bcm-Ausfall

Der Nahostkonflikt könnte bis 2030 rund 120 Milliarden Kubikmeter LNG-Angebot kosten – 15 Prozent der globalen Versorgung.

Nahost-Krieg bedroht LNG-Versorgung: IEA warnt vor 120-bcm-Ausfall

Der Nahostkonflikt stellt eine ernsthafte Bedrohung für die globale Flüssigerdgas-Versorgung dar. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt in ihrem vierteljährlichen Erdgasausblick vom 24. April, dass zwischen 2026 und 2030 kumulierte LNG-Lieferausfälle von rund 120 Milliarden Kubikmetern (bcm) entstehen könnten. Das entspricht 15 Prozent des erwarteten weltweiten LNG-Angebots in diesem Zeitraum.

Als Ursachen nennt die IEA kurzfristige Lieferunterbrechungen sowie ein verlangsamtes Kapazitätswachstum. Die Auswirkungen auf das Angebotswachstum seien dabei vor allem in diesem und im nächsten Jahr spürbar – und verzögerten damit die erwartete Welle neuer LNG-Lieferungen aus aktuell in Bau befindlichen Projekten.

Straße von Hormus als kritischer Engpass

Das LNG-Angebotswachstum kam im März nach der Schließung der Straße von Hormus faktisch zum Erliegen. Die strategisch bedeutende Meerenge ist ein zentraler Transportkorridor für Flüssigerdgas aus dem Persischen Golf. Die Schließung reduzierte die kombinierte LNG-Produktion von Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten allein im März um rund 10 bcm. Für den Zeitraum März bis April summieren sich die Lieferverluste aus beiden Ländern auf insgesamt rund 20 bcm.

Die IEA macht die Tragweite der Situation in einer klaren Aussage deutlich: „Jeder Monat, in dem keine LNG-Frachten die Meerenge passieren, führt zu einem Verlust des LNG-Angebots von rund 10 bcm." Die Dauer der Schließung werde die Nachfrage im laufenden Jahr weiter beeinflussen und könnte zu einer Abwärtskorrektur der IEA-Nachfrageprognosen führen.

Katar besonders stark betroffen

Besonders gravierend wären mögliche direkte Schäden an katarischen LNG-Anlagen. Sollten Angriffe die Produktionsinfrastruktur des weltgrößten LNG-Exporteurs beschädigen, könnte die katarische LNG-Produktion bis 2030 um fast 70 bcm sinken – unter der Annahme einer Reparaturzeit von vier Jahren. Zusätzlich drohen Verzögerungen beim Erweiterungsprojekt „North Field East" von QatarEnergy, die das LNG-Angebot im Zeitraum 2026 bis 2030 um weitere knapp 20 bcm reduzieren könnten.

Die IEA betont jedoch, dass die Ausfälle langfristig durch die Inbetriebnahme neuer Verflüssigungsanlagen ausgeglichen werden dürften. Der Ausgleich kommt allerdings zeitverzögert – was für Energieversorger und Importeure, darunter auch europäische und deutsche Unternehmen, kurzfristig erhebliche Planungsunsicherheiten bedeutet.

Bedeutung für Europa und Deutschland

Europa hat seit dem russischen Angriff auf die Ukraine seinen LNG-Importbedarf stark ausgeweitet und ist dabei in hohem Maße auf Lieferungen aus dem Persischen Golf angewiesen. Katar zählt zu den wichtigsten LNG-Lieferanten für den europäischen Markt. Lieferausfälle in der beschriebenen Größenordnung würden den globalen LNG-Markt erheblich unter Druck setzen und könnten die Energiepreise in Europa spürbar beeinflussen. Für deutsche Privatanleger sind insbesondere Unternehmen im Bereich Energieinfrastruktur, LNG-Terminals und Gasversorger von den beschriebenen Entwicklungen betroffen.

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