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Nahost-Konflikt und Inflation belasten DAX und europäische Märkte

Geopolitische Spannungen, steigende Energiepreise und ein blockierter Hormuz-Strait setzen deutschen und europäischen Märkten massiv zu.

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Nahost-Konflikt und Inflation belasten DAX und europäische Märkte

Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormuz erschüttern die deutschen und europäischen Finanzmärkte. Seit Beginn der Krise hat der DAX rund 12 Prozent verloren. Steigende Ölpreise und gestörte Lieferketten treffen Deutschlands industrielastigen Leitindex besonders hart.

Die G7-Außenminister haben bei ihrem Treffen in Frankreich ein sofortiges Ende der Angriffe auf Zivilisten und Infrastruktur im Iran-Krieg gefordert. Im Mittelpunkt steht die Wiederherstellung der freien Schifffahrt durch die Straße von Hormuz – eine Lebensader für die globale Energieversorgung. Auch die Absicherung von Energie-, Düngemittel- und Lieferkettenströmen steht auf der Agenda.

An den US-Märkten sind S&P 500 und Nasdaq auf Sechsmonatstiefs gefallen, was die globale Unsicherheit widerspiegelt. Europäische Staatsanleiherenditen haben 15-Jahres-Hochs erreicht – ein deutliches Signal für anhaltenden Inflationsdruck und Investorenunruhe.

EZB zwischen Abwarten und Handlungsdruck

Die Europäische Zentralbank steht vor einem Dilemma. Die Märkte preisen eine Zinserhöhung bis Juni mit über 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel mahnt jedoch zur Vorsicht und betont, die aktuelle Lage unterscheide sich von der Inflationswelle 2021/22 – höhere Zinsen und fehlende Nachfragestaus erforderten kein überstürztes Handeln.

Anders sieht das Bundesbank-Präsident Joachim Nagel, der bereits im April Handlungsbedarf sieht. Der belgische Notenbankchef Pierre Wunsch warnte: Sollte der Konflikt über Juni hinaus andauern, werde eine geldpolitische Intervention notwendig. EZB-Präsidentin Christine Lagarde erwartet, dass Energieversorgungsstörungen noch Jahre andauern könnten.

Deutsche Wirtschaft unter Mehrfachdruck

Eine aktuelle EY-Studie zeigt: DAX-Konzerne verzeichneten die niedrigsten Umsätze und Gewinne seit 2021. Die Automobilindustrie kämpft besonders, während Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall und MTU Aero Engines als Gewinnbringer hervorstechen. Rund 32.000 Stellen wurden bei DAX-Unternehmen im vergangenen Jahr gestrichen, weitere Kürzungen werden für 2026 erwartet.

Die Industriebranche steht vor einem Sturm aus hohen Energiekosten, US-Handelsbarrieren und schwächelnder Nachfrage in Asien und Nordamerika. Trotz dieser Belastungen zeigt sich der deutsche Konsument beim Reisen erstaunlich robust: 76 Prozent der Bevölkerung planen Reisen im Jahr 2026, bevorzugt in vertraute Destinationen wie Spanien und Griechenland.

Regierung setzt auf Strukturreformen

Die Bundesregierung reagiert mit einem Bündel an Maßnahmen. Die umstrittene Riester-Rente wird ab 2027 durch ein kapitalmarktorientiertes Modell ersetzt, das ein Standard-Depot mit einer Gebührenobergrenze von 1,0 Prozent sowie drei Garantiestufen vorsieht. Zudem wird eine Frühstartrente für Kinder eingeführt.

Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, das Bundeskartellamt zu stärken, um Tankstellen auf eine einzige tägliche Preiserhöhung zu begrenzen. Die Bundesnetzagentur hat unterdessen Verfahren gegen 77 Netzbetreiber eingeleitet, die die 20-Prozent-Quote für Smart-Meter-Installationen verfehlt haben. Die staatliche KfW-Bank meldete einen Anstieg der immobilienbezogenen Förderung um 50 Prozent und unterstützte 2025 rund 752.000 Eigentümer.

Im Unternehmensbereich hat Volkswagen die Wintertests seiner Software-Partnerschaft mit Rivian erfolgreich abgeschlossen. Die Lufthansa-Gruppe kämpft derweil mit Arbeitskämpfen: Flugbegleiter stimmten für Streiks infolge ungelöster Tarifkonflikte. Analysten sind sich einig: Solange der Nahost-Konflikt die Energieversorgung stört und die Inflationserwartungen hochhält, bleibt die deutsche Wirtschaft unter erheblichem Druck.

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