Nach Boomjahren folgt Ernüchterung bei Hapag-Lloyd
Reederei reagiert auf Nachfrageeinbruch

Der deutsche Schifffahrtsriese Hapag-Lloyd steht nach einem pandemiebedingten Hoch nun vor finanziellen Herausforderungen. Im dritten Quartal 2023 ist der Betriebsgewinn der Reederei auf 204 Millionen Euro eingebrochen – ein starker Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als noch ein Gewinn von 5,2 Milliarden Euro erzielt wurde. Diese Entwicklung zeigt, wie sich die Nachfrage im Transportsektor normalisiert hat, nachdem sie in der Corona-Zeit aufgrund knapper Kapazitäten und brüchiger Lieferketten außergewöhnlich hoch war.
Rolf Habben Jansen, der CEO von Hapag-Lloyd, hat nun angekündigt, dass das Unternehmen verstärkt auf die Kosten achten und einige Fahrten auf wichtigen Routen streichen müsse, um der veränderten Marktsituation gerecht zu werden. Trotz des Gewinneinbruchs plant die Reederei derzeit keinen Personalabbau. Im Gegensatz zum dänischen Konkurrenten Maersk, der einen Stellenabbau von 10.000 Arbeitsplätzen angekündigt hat, setzt Hapag-Lloyd auf eine Strategie ohne Reduzierung der Belegschaft.
Die Corona-Pandemie hatte zu einem Anstieg der Frachtraten geführt, der wiederum die Gewinne in die Höhe schnellen ließ. Nun, da sich die Frachtraten wieder normalisieren, sieht sich Hapag-Lloyd mit einem Preisverfall konfrontiert, der die Einnahmen des Unternehmens erheblich schmälert. Das Unternehmen hat darauf reagiert, indem es seine Kapazitäten reduziert und einige Routen, wie die von Südostasien nach Nordeuropa und über den Pazifik an die Ostküste der USA, aussetzt.
Trotz dieser Maßnahmen bleibt die Zukunft ungewiss. Habben Jansen warnt vor weiteren schwierigen Quartalen, sollte es keine Erholung der Spotraten geben. Der Umsatz des Unternehmens sank im Berichtsquartal um fast 58 Prozent auf etwa 4,1 Milliarden Euro, was Hapag-Lloyd veranlasst hat, seine Gewinnprognose für das gesamte Jahr 2023 zu senken.
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Zur AktienanalyseNeben den wirtschaftlichen Herausforderungen sieht sich Hapag-Lloyd auch mit Veränderungen im Hamburger Hafen konfrontiert, wo der Weltmarktführer MSC beim Hafenbetreiber HHLA eingestiegen ist. Habben Jansen gibt sich jedoch zuversichtlich, da Hapag-Lloyd über gültige Verträge verfügt und der Hamburger Hafen genügend Kapazitäten bietet. Dieser Optimismus steht im Gegensatz zu Bedenken von Hapag-Lloyd-Großaktionär Klaus-Michael Kühne, der den Einstieg von MSC als potenziellen Affront betrachtete.

