MTU Aero Engines erreicht Milliardengewinn
Belastungen durch Getriebefan-Probleme und schwachen Mittelzufluss drücken Aktie

Der Münchner Triebwerkshersteller MTU Aero Engines hat im Geschäftsjahr 2024 erstmals einen Milliardengewinn erzielt und seine Prognosen für das laufende Jahr angehoben. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) erhöhte sich um 28 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Unter dem Strich wurde ein Gewinn von 764 Millionen Euro verbucht, nachdem dieser im Vorjahr noch 594 Millionen Euro betragen hatte. Der scheidende Vorstandschef Lars Wagner erklärte, die Rekordzahlen seien trotz Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Getriebefan-Flottenmanagement-Plan und anhaltender Schwierigkeiten in den Lieferketten erreicht worden.
Der Getriebefan-Antrieb, der vor allem in den Airbus A320neo-Maschinen verbaut ist, hatte MTU im Jahr 2023 vor große Probleme gestellt. Wegen potenziell fehlerhafter Turbinenscheiben, die vom Partner Pratt & Whitney stammen, mussten viele Triebwerke vorzeitig in die Werkstätten. Zeitweise waren bis zu 450 Flugzeuge gleichzeitig außer Betrieb. Eine milliardenschwere Rückstellung für den Rückruf hatte MTU 2023 in die Verlustzone gebracht. Die Belastung des operativen Mittelzuflusses hält noch bis 2026 an. Im vergangenen Jahr lag der Free Cash-flow bei 183 Millionen Euro, nachdem er 2023 noch 352 Millionen Euro betragen hatte. Diese Entwicklung lag unter den Erwartungen der Analysten und führte zu einem Kursrückgang der MTU-Aktie um mehr als fünf Prozent.
Finanzvorstand Peter Kameritsch kündigte an, dass die Belastung im Jahr 2025 auf 100 Millionen Euro sinken werde, nachdem sie 2024 noch 300 Millionen Euro betragen hatte. Ob und in welchem Umfang Pratt & Whitney MTU für die Kosten entschädigt, blieb offen. Vorstandschef Wagner betonte, dass die Problematik partnerschaftlich gelöst worden sei. Die bilanziellen Auswirkungen seien bereits 2023 vollständig verarbeitet worden. Die Dividende soll auf 2,20 Euro je Aktie steigen, nach 2,00 Euro im Vorjahr.
Für das Jahr 2025 rechnet MTU mit Rückenwind durch den starken Dollar, da die meisten Verträge in der Luftfahrtbranche in US-Währung abgeschlossen werden. Der Konzern erwartet einen Umsatzanstieg auf 8,7 bis 8,9 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit soll um etwa 15 Prozent zulegen. Wagner zeigte sich zuversichtlich, dass MTU in allen Geschäftsbereichen Wachstumschancen nutzen werde.
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Zur AktienanalyseMit Blick auf die zweite Hälfte der 2030er Jahre rechnet Wagner mit der Einführung neuer Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge. Boeing könnte hier schneller sein als Airbus. MTU strebt bei der nächsten Generation der P&W-Triebwerke einen Anteil von bis zu 25 Prozent an. Wagner hofft, dass neue US-Zölle die Luftfahrtbranche verschonen, da diese vor allem US-Unternehmen und -Fluggesellschaften treffen würden.

