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MSCI und Equifax enttäuschen: KI-Kosten belasten Margen stark

Beide Aktien verloren vorbörslich über 10% – trotz solider Umsatzzahlen drücken steigende IT- und KI-Kosten auf die Gewinne.

MSCI und Equifax enttäuschen: KI-Kosten belasten Margen stark

Die laufende Berichtssaison hat mit MSCI und Equifax zwei prominente Verlierer hervorgebracht. Beide Aktien brachen im vorbörslichen Handel um mehr als 10% ein – obwohl beide Unternehmen auf den ersten Blick solide Quartalszahlen vorlegten. Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung des Motley-Fool-Podcasts „Hidden Gems Investing" vom 21. Juli 2026 notierte MSCI noch rund 11% im Minus, Equifax hatte sich leicht erholt und lag noch knapp 7% tiefer.

Das Paradoxe: Beide Unternehmen steigerten Umsatz und Gewinn im zweistelligen Bereich. Bei MSCI kletterte der Gewinn je Aktie sogar um fast 20%. Dennoch reagierten die Märkte mit deutlichen Kursabschlägen – ein Zeichen dafür, dass Anleger tiefer schauen als nur auf die Headline-Zahlen.

Equifax: Solides Quartal, schwacher Ausblick

Equifax erzielte ein Umsatzwachstum von 11% im Jahresvergleich. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 13% und übertraf die Analystenerwartungen. Besonders stark zeigte sich das US-Hypothekengeschäft mit einem Umsatzplus von 25%. Zudem verdoppelte das Unternehmen seine Schätzung für KI-gestützte Kostensenkungen bis 2028 auf 150 Millionen US-Dollar.

Doch hinter diesen positiven Zahlen lauern Probleme. Eine Belastung von 100 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit einem Fehler bei der Kreditberechnung aus dem Jahr 2023 ließ den GAAP-Gewinn im Jahresvergleich um 4% sinken. Noch schwerer wog für Anleger: Die bereinigten EBITDA-Margen fielen in allen Geschäftsbereichen gegenüber dem Vorjahr. Die Vergütungs- und Anreizkosten wachsen schneller als der Umsatz. Hinzu kommt ein schwächerer Ausblick für das dritte Quartal – der bereinigte Gewinn je Aktie würde gegenüber dem Vorquartal sogar zurückgehen.

MSCI: Wachstumsinvestitionen belasten kurzfristig

Bei MSCI, dem ehemaligen Datenanbieter von Morgan Stanley, der heute als eigenständiges Marktdaten- und Analyseunternehmen agiert, zeigte sich ein ähnliches Bild. Umsatz und Gewinn wuchsen ebenfalls im zweistelligen Bereich, die Gewinnkennzahl lag jedoch leicht unter den Erwartungen. Als Hauptgrund nannte das Unternehmen gestiegene Ausgaben von 9%, primär durch höhere IT-Kosten. Zusätzlich belasteten Abschreibungen im Zusammenhang mit Akquisitionen das Ergebnis.

Motley-Fool-Analyst Lou Whiteman sieht das Unternehmen dennoch grundsätzlich auf Kurs: MSCI habe im ersten Halbjahr 2026 doppelt so viele neue Produkte auf den Markt gebracht wie im gesamten Jahr 2024. „Am Kerngeschäft ist hier nichts auszusetzen", so Whiteman. Die höheren Kosten seien Investitionen in künftiges Wachstum.

KI als Kostentreiber – die Kehrseite der Medaille

Ein zentrales Thema der Podcast-Diskussion war die Frage, ob KI-Investitionen tatsächlich die versprochenen Einsparungen liefern. Equifax wirbt mit 150 Millionen US-Dollar an KI-gestützten Kostensenkungen bis 2028 – gleichzeitig steigen die Margen-Belastungen. Bei MSCI drücken höhere IT-Kosten auf das Ergebnis.

Analyst Matt Frankel brachte das Dilemma auf den Punkt: Um KI-Modelle zu trainieren, müssen Unternehmen neue Talente einstellen. Das verteuert die Personalkosten genau dann, wenn KI eigentlich Einsparungen bringen soll. Es sei ein „zweischneidiges Schwert": Das Geschäft wird effizienter, aber das Personal, das diese Effizienz umsetzt, kostet mehr.

Offen bleibt laut Whiteman die entscheidende Frage: Handelt es sich bei den KI-Ausgaben um einmalige Implementierungskosten oder um dauerhaft anfallende Token- und Betriebskosten? „Ich glaube, die Unternehmen wissen es selbst noch nicht", so Whiteman.

Equifax oder MSCI – welche Aktie ist attraktiver?

Equifax wird derzeit mit dem 18-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, MSCI mit dem rund 24-fachen – ein deutlicher Bewertungsunterschied. Equifax erscheint auf den ersten Blick günstiger, doch die Abhängigkeit vom US-Hypothekenmarkt und die rätselhaften Margenverschlechterungen trüben das Bild. Equifax hat im vergangenen Jahr bereits rund 34% an Wert verloren.

Frankel und Whiteman tendieren beide zu MSCI, sollten sie sich zwischen den beiden entscheiden müssen. MSCI verfüge über einen stärkeren wirtschaftlichen Burggraben, höhere Margen und eine überzeugende Kundenbindungsrate. Whiteman betonte, dass MSCI in der internen Motley-Fool-Datenbank „Hidden Gems Moneyball" sehr gut abschneide. Beide Analysten gaben jedoch an, aktuell keine der beiden Aktien zu kaufen.

Für deutsche Anleger sind beide Unternehmen relevant: MSCI ist als Anbieter von Aktienindizes – darunter der bekannte MSCI World – hierzulande bestens bekannt. Equifax ist einer der drei großen US-amerikanischen Kreditauskunfteien. Die aktuellen Quartalsergebnisse zeigen, dass selbst etablierte Datengiganten nicht immun gegen die Kostendynamik der KI-Transformation sind.

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