Mounjaro als Hochzeitshelfer: Abnehmspritzen boomen in Indien
Indische Bräute und Bräutigame greifen vor dem großen Tag zunehmend zu GLP-1-Abnehmspritzen wie Mounjaro.
In Indien entwickeln sich Abnehmmedikamente wie Mounjaro zu einem festen Bestandteil der Hochzeitsvorbereitungen. Wellness-Kliniken in Neu-Delhi und anderen Großstädten vermarkten inzwischen gezielt sogenannte „Mounjaro-Braut"-Pakete, die Ernährungsberatung, Injektionen und Fitnessprogramme kombinieren. Acht von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ärzte bestätigen: Die Nachfrage von Heiratswilligen nach Abnehmspritzen steigt deutlich.
Besonders das Präparat Mounjaro des US-Pharmariesen Eli Lilly ist gefragt. Es war das erste GLP-1-Medikament, das in Indien sowohl zur Behandlung von Diabetes als auch zur Gewichtsreduktion zugelassen wurde. Laut befragten Medizinern ist es begehrter als das Konkurrenzprodukt Wegovy des dänischen Unternehmens Novo Nordisk. „In den letzten Monaten stammten über 20 % der Anfragen, die wir zu Adipositas-Injektionen erhalten haben, von angehenden Bräuten", berichtet Rajat Goel, bariatrischer Chirurg bei Hindivine Healthcare in Neu-Delhi.
Gesellschaftlicher Druck als Antrieb
Hochzeiten in Indien sind für viele Familien prunkvolle, traditionsreiche Ereignisse. Besonders bei arrangierten Ehen – die in weiten Teilen des Landes noch üblich sind – spielen äußeres Erscheinungsbild und gesellschaftliche Erwartungen eine große Rolle. Dieser Druck treibt viele Heiratswillige dazu, kurzfristig nach Lösungen zur Gewichtsreduktion zu suchen.
Aditi, eine 26-jährige Finanzangestellte aus Mumbai, ist ein typisches Beispiel. Nachdem Sport und Diät nicht die gewünschten Ergebnisse brachten, wandte sie sich im November an einen Arzt. Mit Mounjaro verlor sie bis zu ihrer Hochzeit im Februar rund 10 Kilogramm. „Wenn ich das Ergebnis sehe, bin ich glücklich", sagt Aditi. „Wenn ich nicht glücklich bin, fühle ich mich nicht selbstbewusst. So wollte ich mich zum Zeitpunkt der Hochzeit nicht fühlen." Wie viele andere Betroffene bat sie darum, ihren Nachnamen wegen sozialer Stigmata nicht zu nennen.
Reuters sprach insgesamt mit einem halben Dutzend Bräuten und einem Bräutigam, die Abnehmmedikamente vor der Hochzeit eingesetzt hatten. Die meisten setzten die Injektionen kurz nach der Hochzeit wieder ab – ein Muster, das Ärzte mit Blick auf mögliche Nebenwirkungen und den Jo-Jo-Effekt kritisch beobachten.
Milliarden-Markt mit rasantem Wachstum
Novo Nordisk und Eli Lilly brachten ihre Adipositas-Medikamente erst im vergangenen Jahr in Indien auf den Markt – mit beeindruckendem Erfolg. Die Verkäufe von Mounjaro verdoppelten sich in den Monaten nach der Markteinführung und machten es zum meistverkauften Medikament im bevölkerungsreichsten Land der Welt. Analysten prognostizieren, dass der indische Markt für Abnehmmedikamente bis 2030 ein Volumen von 80 Milliarden Rupien – umgerechnet rund 852 Millionen US-Dollar – erreichen wird.
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Zur AktienanalyseSeit dem vergangenen Monat bieten auch indische Generikahersteller günstigere Versionen des Novo-Präparats an, nachdem das Patent auf den Wirkstoff Semaglutid abgelaufen ist. Dies dürfte den Zugang zu diesen Medikamenten weiter verbreitern und den Markt zusätzlich befeuern.
Mediziner wie Rajat Goel betonen jedoch, dass die Medikamente eigentlich für Erwachsene mit klinischer Adipositas gedacht sind – nicht für kosmetische Zwecke. Er verschreibe sie nur, wenn Patienten medizinisch geeignet seien. Dennoch zeigt der Trend, dass die Grenze zwischen medizinischer Notwendigkeit und gesellschaftlichem Schönheitsdruck in der Praxis zunehmend verschwimmt – ein Phänomen, das nicht nur Indien betrifft, sondern weltweit zu beobachten ist.


