Morgan Stanley: Zehn Prognosen für 2026 – KI und Energie im Fokus
US-Investmentbank identifiziert vier Hauptthemen und zehn konkrete Entwicklungen für das kommende Jahr.

Morgan Stanley hat seine strategischen Prognosen für 2026 vorgelegt und vier zentrale Kräfte identifiziert, die die globalen Märkte prägen werden. Die US-Investmentbank sieht in KI/Technologie-Diffusion, der Zukunft der Energie, der multipolaren Weltordnung und gesellschaftlichen Verschiebungen die entscheidenden Faktoren für Anleger. Drei dieser Themen bleiben gegenüber dem Vorjahr unverändert, während gesellschaftliche Verschiebungen das frühere Langlebigkeits-Thema ablösen.
"Wir sehen mehrere Trends, die weltweit weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen haben", erklärt JPMorgan-Stratege Stephen Byrd. Die Effekte der KI-bedingten Veränderungen am Arbeitsmarkt, alternde Bevölkerungen und sich wandelnde Verbraucherpräferenzen würden für Regierungen und Unternehmen gleichermaßen relevant bleiben.
Zweigeteilte KI-Entwicklung zwischen USA und China
Für die erste Jahreshälfte 2026 erwartet Morgan Stanley einen deutlichen Fortschritt bei führenden US-amerikanischen Large Language Models (LLMs), während chinesische Konkurrenten zurückfallen dürften. Die Akzeptanz von KI-Technologien wird sich voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte beschleunigen, sobald die Vorteile sichtbarer werden. Gleichzeitig wird China voraussichtlich Druck auf die USA ausüben, um breiteren Zugang zu KI-Technologie zu erhalten.
Die steigende Komplexität von KI-Anwendungen wird die Nachfrage nach Rechenleistung deutlich über das Angebotswachstum hinaus treiben. Morgan Stanley argumentiert, dass groß angelegte KI-Infrastrukturen zunehmend wirtschaftlich attraktiv werden. Dies dürfte zu einer engeren Verzahnung von KI- und Energieinfrastruktur führen, wobei große Tech-Konzerne verstärkt die Kontrolle über Energieanlagen übernehmen könnten.
US-Politik aggressiver als erwartet
Die Trump-Administration wird nach Einschätzung der Analysten aggressiver als von den Märkten antizipiert handeln. Im Fokus stehen die Sicherung kritischer Mineralien, die Stärkung der heimischen Fertigung und höhere Militärausgaben mit Schwerpunkt auf Innovation. Parallel dazu rechnet Morgan Stanley mit einer "Renaissance der Rückverlagerung" in den USA, da Technologie den traditionellen Vorteil niedriger Arbeitskosten reduziert.
China wird seinen globalen Anteil an technologieintensiver Fertigung voraussichtlich weiter ausbauen. Die Bank erwartet, dass nationale Unterschiede bei KI-Fähigkeiten die künftige Handelsdynamik maßgeblich prägen werden. Beide Länder dürften ihre Bemühungen um technologische Selbstversorgung intensivieren.
Energie und gesellschaftliche Transformation
Steigende globale Energiekosten könnten Gegenreaktionen gegen die Expansion von Rechenzentren auslösen und die politische Unterstützung für kostengünstige, netzunabhängige Energielösungen vorantreiben. Morgan Stanley sieht hier einen direkten Zusammenhang zwischen KI-Infrastruktur und Energiepolitik entstehen.
Für Lateinamerika prognostiziert die Bank einen neuen, investitionsgetriebenen Wachstumszyklus. Politische Veränderungen, geopolitische Entwicklungen und der Höhepunkt der Zinssätze dürften die Region in eine neue Phase führen. Dies markiert einen Wandel von konsumgetriebenem zu investitionsbasiertem Wachstum.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseArbeitsmarkt und Deflation durch KI
Regierungen und Unternehmen werden voraussichtlich groß angelegte Umschulungsprogramme einführen, um auf KI-bedingte Arbeitsmarktveränderungen zu reagieren. Morgan Stanley erwartet politische Interventionen bei realen oder wahrgenommenen Beschäftigungsstörungen durch Künstliche Intelligenz.
Bis zur zweiten Jahreshälfte 2026 rechnet die Bank mit ersten Anzeichen von Deflation in Teilen der Wirtschaft. Höhere Investitionsausgaben, sich verschiebende Vermögensbewertungen und eine steigende Bedeutung von Vermögenswerten, die nicht durch KI repliziert werden können, dürften die wirtschaftliche Landschaft prägen. Diese "transformative KI" könnte fundamentale Veränderungen in der Bewertung verschiedener Anlageklassen auslösen.

