Morgan Stanley warnt vor Fed-Zinserhöhungen bei sinkender Arbeitslosigkeit
Die US-Großbank hält an ihrer Prognose stabiler Zinsen fest, benennt aber klare Risikofaktoren für eine Kehrtwende der Fed.

Morgan Stanley hält an seiner Erwartung fest, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinssätze bis zum Jahresende unverändert lassen wird. Gleichzeitig warnt die Bank vor zwei konkreten Szenarien, die die Fed zu Zinserhöhungen zwingen könnten: ein Rückgang der Arbeitslosenquote unter 4,0% oder eine anhaltend hohe Inflation.
In einer Mitteilung an Kunden erklärte Analyst Michael Gapen, dass die seit der FOMC-Sitzung im Juni eingegangenen Daten das Basisszenario ohne Zinserhöhungen „etwas gefestigt" hätten. Als stützende Faktoren nannte er sinkende Ölpreise infolge der Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran sowie die Erwartung, dass die Weitergabe von Zöllen an die Verbraucher ausläuft.
Inflationsprognosen deutlich unter FOMC-Median
Morgan Stanley prognostiziert für das vierte Quartal eine Gesamt-PCE-Inflation von 3,2% und eine Kern-PCE-Inflation von 3,0%. Diese Werte liegen laut Gapen „erheblich unter dem Median der FOMC-Teilnehmer" – also unter den Erwartungen der Notenbanker selbst. Die PCE-Inflation (Personal Consumption Expenditures) ist das bevorzugte Inflationsmaß der Fed und damit ein zentraler Steuerungsfaktor für die Zinspolitik.
Darüber hinaus deutet die Bank an, dass die Inflationsprognosen der Fed möglicherweise auf veralteten Annahmen basieren. Die Vorhersagen wurden wahrscheinlich erstellt, bevor die Ölpreise nach dem US-Iran-Abkommen stark fielen. Damit könnten die Zinsprognosen von neun FOMC-Teilnehmern, die Zinserhöhungen einpreisen, überholt sein.
Arbeitsmarkt als entscheidender Risikofaktor
Mit Blick auf den Arbeitsmarkt rechnet Morgan Stanley über den Sommer mit einem Beschäftigungszuwachs von 50.000 bis 60.000 Stellen pro Monat. Dieser Wert reiche aus, um die Arbeitslosigkeit in etwa stabil zu halten. Gapen formuliert jedoch eine klare Warnschwelle: „Sollte die Arbeitslosenquote unter 4,0% fallen, könnte die Fed die Risiken eines überhitzten Arbeitsmarktes als Rechtfertigung für Zinserhöhungen ansehen."
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Zur AktienanalyseFür die kommenden Monate erwartet Morgan Stanley monatliche Kern-PCE- und Verbraucherpreisindex-Werte (CPI) von 0,2% oder darunter. Auch hier benennt Gapen eine konkrete Risikogrenze: „Sollten die monatlichen Kerninflationsraten bei 0,3% im Vergleich zum Vormonat oder höher bleiben oder sollte der Konflikt im Nahen Osten erneut aufflammen, könnte sich unsere Einschätzung ändern."
Die Analyse von Morgan Stanley verdeutlicht, wie eng die Zinspolitik der Fed derzeit an zwei Variablen geknüpft ist: Arbeitsmarkt und Inflation. Für deutsche Anleger mit US-Engagements sind diese Signale besonders relevant, da Zinserhöhungen in den USA typischerweise den US-Dollar stärken und Druck auf Anleihen sowie Wachstumsaktien ausüben. Die Märkte beobachten die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten und Inflationsberichte daher mit besonderer Aufmerksamkeit.

