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Morgan Stanley Industriepicks und US-Atomkraft: Infrastruktur im Fokus

Morgan Stanley setzt auf europäische Qualitätsunternehmen, während die USA mit 290 Milliarden Dollar Kernkraft massiv ausbauen.

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Morgan Stanley Industriepicks und US-Atomkraft: Infrastruktur im Fokus

Morgan Stanley hat eine vorsichtig optimistische Einschätzung für europäische Industriewerte zum Start des ersten Quartals des Geschäftsjahres 2026 veröffentlicht. Trotz kurzfristiger Gegenwinds in baunahen Sektoren betonen die Analysten, dass Unternehmen mit starker Ausrichtung auf Automatisierung, Elektrifizierung und strukturelles Wachstum die attraktivsten Investitionen bleiben. Im Mittelpunkt stehen Firmen mit robuster Nachfrage, Preissetzungsmacht und klarer Ergebnissichtbarkeit.

Parallel dazu vollzieht die US-Energiepolitik unter Präsident Donald Trump eine markante Kehrtwende hin zur Kernkraft. US-Energieminister Chris Wright bestätigte gegenüber Gesetzgebern, dass die ersten fünf bis zehn geplanten neuen Kernreaktoren in den USA „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" Unterstützung vom Kreditbüro des Energieministeriums (DOE) erhalten werden. Die Weichen für eine neue Ära der Infrastrukturinvestitionen sind damit gestellt.

Morgan Stanleys europäische Top-Picks im Überblick

Unter den von Morgan Stanley hervorgehobenen Unternehmen sticht zunächst

Epiroc

hervor. Der schwedische Bergbauausrüster gilt als hochwertiger Compounder, dessen Mischung aus Aftermarket-Umsätzen und produktivitätssteigernder Technologie sowohl zyklisches Aufwärtspotenzial als auch defensive Stabilität bietet.

Schneider Electric

wird als Kernprofiteur des globalen Wandels hin zu Elektrifizierung und Energieeffizienz eingestuft. Mit bedeutendem Engagement in Rechenzentren und industrieller Automatisierung sowie starker Preissetzungsmacht und Software-Integrationsfähigkeiten gilt das Unternehmen als High-Conviction-Titel.

Atlas Copco

überzeugt durch seine Führungsposition bei Industriewerkzeugen und Vakuumtechnologie und ist gut positioniert, um von Halbleiter- und Industrieinvestitionszyklen zu profitieren.

Siemens Energy

gewinnt trotz historischer Volatilität an Fahrt, da das Unternehmen stark in Netzinfrastruktur und Stromerzeugung engagiert ist. Analysten erwarten eine mehrjährige Erholung, da die globalen Investitionen in Energiesysteme beschleunigen. Ergänzt wird die Liste durch

Rexel

(Elektrifizierung und Energieeffizienz),

Knorr-Bremse

(stabiles Aftermarket-Geschäft in Schiene und Nutzfahrzeuge),

Legrand

(digitale Infrastruktur und Smart Buildings) sowie

Spirax Group

(Prozesseffizienz und Thermallösungen).

USA: Kernkraft als staatliche Priorität mit 290 Milliarden Dollar

Die US-Regierung setzt mit einem Exekutivdekret von Präsident Trump klare Ziele: Bis 2030 müssen zehn neue großskalige Kernreaktoren im Bau sein. Gleichzeitig wurde die Nuklearregulierungsbehörde (Nuclear Regulatory Commission) angewiesen, den Genehmigungsprozess zu beschleunigen und zu vereinfachen. Derzeit existieren keine genehmigten Pläne für neue Großreaktoren – was das Ausmaß der regulatorischen und bautechnischen Herausforderung verdeutlicht.

Die finanzielle Schlagkraft hinter dieser Initiative ist beträchtlich. Das Office of Energy Dominance Financing des DOE verfügt über eine Kreditkapazität von nahezu 290 Milliarden Dollar. Minister Wright erklärte ausdrücklich, dass „bei weitem der größte Teil dieser Mittel für Kernkraftwerke" eingesetzt werde. Internationale Partnerschaften verstärken die Ambitionen zusätzlich: Die USA haben eine Partnerschaft mit den kanadischen Eigentümern von Westinghouse Electric – Cameco und Brookfield Asset Management – geschlossen, die mindestens 80 Milliarden Dollar für den Reaktorbau mobilisieren soll.

Nach einer Asienreise wurde zudem bekannt, dass Japan bis zu 332 Milliarden Dollar für US-Infrastruktur bereitstellen will, mit besonderem Fokus auf den Bau von Westinghouse AP1000-Reaktoren sowie kleinen modularen Reaktoren (SMRs). Diese Summen unterstreichen den geopolitischen Charakter der neuen US-Kernkraftstrategie.

Historische Warnung: Das Beispiel Vogtle

Investoren und Politiker werden die Entwicklung genau beobachten, denn die jüngste US-Kernkrafterfahrung mahnt zur Vorsicht. Die Vogtle-Reaktoren in Georgia, die zuletzt 2023 und 2024 in Betrieb genommen wurden, stehen als warnendes Beispiel: Die Projekte erlitten eine siebenjährige Verzögerung und überschritten ihr ursprüngliches Budget um rund 17 Milliarden Dollar – trotz milliardenschwerer Bundesdarlehen während der ersten Trump-Regierung.

Die entscheidende Frage lautet nun, ob das neue regulatorische Umfeld und die veränderten Finanzierungsstrukturen die Kostenüberschreitungen und Zeitverzögerungen vermeiden können, die das Vogtle-Projekt belasteten. Für deutsche Anleger, die in Unternehmen wie Siemens Energy oder Westinghouse-nahe Zulieferer investiert sind, bleibt die US-Kernkraftpolitik ein wichtiger Faktor für die langfristige Bewertung dieser Titel.

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