Monster.de meldet Insolvenz an
Deutsche Plattform trotz vorhandener Mittel vor dem Aus wegen Markenverkaufs

Monster.de, einst eine der bekanntesten Online-Stellenbörsen, steht vor dem endgültigen Aus. Seit dem 30. Juli ist die Plattform offline, nachdem sie mehr als drei Jahrzehnte lang im Netz präsent war. Nun befindet sich die deutsche Gesellschaft im vorläufigen Insolvenzverfahren. Am Amtsgericht Frankfurt am Main wurde ein entsprechender Antrag eingereicht, zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Jan Roth von der Kanzlei Lintilia Law bestellt. Damit ist der Weg für die Abwicklung des Unternehmens vorgezeichnet.
Die Besonderheit des Falls liegt darin, dass Monster.de nicht klassisch zahlungsunfähig ist. Nach Angaben von Dennis Geissler, Anwalt der Kanzlei Ferox Legal, die die deutsche Gesellschaft im Verfahren berät, verfügt das Unternehmen noch über finanzielle Mittel in Millionenhöhe. Mit diesen Geldern hätten Gehälter bis Oktober beglichen werden können. Dennoch entschied sich die Geschäftsführung, das Verfahren einzuleiten. Die Gehälter der Mitarbeiter werden nun über das Insolvenzgeld abgesichert, was den Abbau des Unternehmens einleitet.
Hintergrund ist die Insolvenz der amerikanischen Muttergesellschaft Monster Worldwide, die Ende Juni ein Verfahren nach Chapter 11 beantragte. CEO Jeff Furman begründete den Schritt mit dem Verlust von Marktanteilen an Konkurrenten wie Indeed und Glassdoor sowie mit der angespannten wirtschaftlichen Lage. In der Folge versuchte die Konzernleitung, die verschiedenen Gesellschaften separat zu veräußern. Ende Juli fand sich ein Käufer für die Marke Monster und das dazugehörige internationale Stellenportal.
Der Erwerber ist das US-Karriereportal Bold, gegründet von zwei ehemaligen Mitarbeitern von Monster. Der Kaufpreis betrug 27 Millionen Dollar. Allerdings waren die europäischen Tochterfirmen nicht Teil des Deals. Da Bold nun die Markenrechte hält, können die einzelnen Ländergesellschaften, darunter die deutsche, nicht mehr eigenständig agieren. Webseiten wie Monster.de verlieren damit ihre Grundlage und ihren Wert.
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Zur AktienanalyseFür die Mitarbeiter in Deutschland hat dies direkte Konsequenzen. Die 36 Angestellten waren im August zwar noch angestellt, konnten jedoch keine Aufgaben mehr erfüllen. Inzwischen leitet die deutsche Internetseite auf ein Angebot des neuen Eigentümers weiter: einen Lebenslauf-Generator der Firma LiveCareer. Auch Kunden der europäischen Plattformen wurden über die Vorgänge nicht informiert, wie ein früherer Mitarbeiter berichtete. Damit endet nach mehr als dreißig Jahren das Kapitel einer der ersten digitalen Jobbörsen, die in der Dotcom-Ära zu den Vorreitern zählte.


