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Monetarismus erlebt Comeback: Fed überdenkt ihre Geldpolitik grundlegend

Neue Fed-Führung unter Kevin Warsh und ein Papier von Stephen Miran und Nouriel Roubini wollen den Monetarismus wiederbeleben.

Monetarismus erlebt Comeback: Fed überdenkt ihre Geldpolitik grundlegend

Der Monetarismus galt seit 2006 als tot – zumindest in der Praxis der US-Notenbank Federal Reserve. Nun deutet sich eine Rückkehr an: Kevin Warsh, der neue Fed-Vorsitzende, hat fünf Task Forces eingesetzt, die Teile der Geldpolitik neu konzipieren sollen. Gleichzeitig haben der Ökonom Stephen Miran und Nouriel Roubini ein Papier veröffentlicht, das die Wiederbelebung des Monetarismus fordert.

Stephen Miran, der im Mai seine befristete Anstellung bei der Federal Reserve beendete und zu Hudson Bay Capital Management zurückkehrte, legte gemeinsam mit Roubini ein Konzept vor, das auf sogenannte Divisia-Indizes setzt. Diese messen verschiedene Geldarten – von Bargeld über Sichteinlagen bis hin zu Staatsanleihen – und gewichten sie nach ihrer Liquidität. Benannt sind sie nach dem französischen Ökonomen François Divisia.

Was ist Monetarismus überhaupt?

In seiner einfachsten Form besagt der Monetarismus, dass die Geldmenge in einer Volkswirtschaft und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes gemeinsam die Inflation beeinflussen. Mehr Geld, das schneller zirkuliert, erzeugt mehr Inflation. Die Wurzeln dieser Theorie reichen bis ins Salamanca des 16. Jahrhunderts zurück, wo Gelehrte einen Preisanstieg in Sevilla beobachteten und ihn mit dem aus Mexiko und den Anden eintreffenden Silber in Verbindung brachten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts argumentierte der Ökonom Irving Fisher, dass Bankenschließungen während der frühen Depression die Geldmenge kollabieren ließen, was zu rapider Deflation führte. Den entscheidenden wissenschaftlichen Meilenstein setzten Milton Friedman und Anna Schwartz 1963 mit ihrer „A Monetary History of the United States" – einer monumentalen Aufzeichnung der Geldmenge seit dem amerikanischen Bürgerkrieg. Friedman und Schwartz überzeugten damit auch Ben Bernanke, der in den 1970er Jahren am MIT promovierte.

Friedman sprach sich für eine automatisierte, stabile Wachstumsrate der Geldmenge aus. In den frühen 1980er Jahren steuerte die Fed die Geldmenge tatsächlich kurzzeitig als kontrollierbare Variable an. Doch 2006 erklärte Bernanke als Fed-Vorsitzender in einer Rede, warum die Notenbank sich letztlich für die Inflation als Zielgröße entschieden hatte: Es sei zu schwierig gewesen, die schwankenden Geldsummen zu messen und ihr Wachstum vorherzusagen. Die empirische Beziehung zwischen Geldmenge und Inflation sei zudem unklar gewesen. „Ein starkes Vertrauen auf Geldmengenaggregate als Leitfaden für die Politik im US-Kontext unklug zu sein scheint", schloss Bernanke – in der Sprache der Zentralbanker ein Todesstoß für den Monetarismus.

Gesetzliche Pflicht, die die Fed ignoriert

Miran weist in seinem Papier auf einen bemerkenswerten Widerspruch hin: Der US-Kongress hat die Fed bereits gesetzlich angewiesen, auf die Geldmenge zu achten. Das Gesetz verpflichtet die Notenbank ausdrücklich, „ein langfristiges Wachstum der Geld- und Kreditaggregate aufrechtzuerhalten, das dem langfristigen Potenzial der Wirtschaft zur Steigerung der Produktion entspricht". Die Fed konzentriert sich jedoch stattdessen auf den darauffolgenden Teil des Gesetzes, der stabile Preise und Vollbeschäftigung vorschreibt.

Miran plädiert nicht dafür, dass die Fed wieder die gesamte Geldmenge ansteuern soll. Stattdessen sollen die Divisia-Indizes „nützliche Informationen" darüber liefern, welche Arten von Geld Inflation verursachen könnten. Dieser Ansatz bietet laut Miran auch eine plausible Erklärung für zwei scheinbar widersprüchliche Phänomene: warum die Fed trotz steigender Reserven über ein Jahrzehnt lang die Inflation nicht ankurbeln konnte – und warum das Finanzministerium die Inflation im Jahr 2021 durch die Auszahlung von Einlagen an Verbraucher möglicherweise verschärft hat.

Warsh selbst hat in Reden angedeutet, dass die Fed der Geldmenge mehr Aufmerksamkeit schenken müsse und es ein Fehler gewesen sei, den Monetarismus vollständig aufzugeben. Eine pikante Randnotiz: Thomas Sargent, einer der Leiter von Warshs neuen Task Forces, ist Mitautor eines einflussreichen Papiers mit dem Titel „Some Unpleasant Monetarist Arithmetic" – einem Argument für die Grenzen des Monetarismus. Ob die Fed Mirans Divisia-Ansatz übernimmt oder nicht – die Debatte über die Rolle der Geldmenge in der Geldpolitik ist neu entfacht.

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