Mizuho sieht Chancen im US-Öl- und Gassektor durch Iran-Krise
Die Bank hebt Brent-Prognosen um bis zu 25 Prozent an und nennt Devon Energy, EQT und Permian Resources als Top-Picks.

Die US-Investmentbank Mizuho hat sich optimistisch zu ausgewählten US-Öl- und Gaswerten geäußert. Analyst Nitin Kumar argumentiert in einem neuen Branchen-Update, dass die verschärften geopolitischen Spannungen rund um den Iran eine Fehlbewertung geschaffen haben, die Anleger gezielt ausnutzen können. Der jüngste Rücksetzer bei den Aktien, kombiniert mit hohen Rohstoffpreisen, biete eine attraktive Einstiegsgelegenheit.
Kumar betont, dass die anhaltende Iran-Krise die weltweiten Rohölpreise voraussichtlich länger auf einem erhöhten Niveau halten wird. Gleichzeitig dürften die Raffineriemargen deutlich anziehen. Besonders die Lage an der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Rohöl weltweit – steht dabei im Fokus.
Keine Normalisierung des Rohölangebots vor 2027
„Da wir uns dem 90. Tag des Iran-Konflikts und der Schließung der Straße von Hormus nähern, erwarten wir keine Normalisierung des Rohölangebots vor dem ersten Quartal 2027", schrieb Kumar. Er ergänzte, dass beispiellose Lagerbestandsabnahmen nun eine „Unterversorgung von -2,7 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2026" implizieren. Diese Einschätzung unterstreicht die strukturelle Anspannung am globalen Ölmarkt.
Vor diesem Hintergrund hat Mizuho seine Preisprognosen für die Rohölsorte Brent deutlich nach oben korrigiert. Für das Jahr 2026 wurde die Prognose um rund 25 Prozent auf 91,55 US-Dollar pro Barrel angehoben. Für 2027 fällt die Anhebung mit rund 6 Prozent moderater aus und führt zu einer Zielmarke von 79,35 US-Dollar pro Barrel.
Bewertungsverzerrungen bei Produzenten und E&Ps
Trotz der starken Performance des Sektors seit Jahresbeginn sieht Mizuho in dem jüngsten Kursrückgang eine Chance „für Anleger, im US-Öl- und Gassektor nach ‚Alpha' zu suchen". Alpha bezeichnet in der Finanzsprache eine Rendite, die über der marktüblichen Benchmark liegt. Die Bank ist der Ansicht, dass die Bewertungen bei den großen, auf Öl fokussierten Produzenten sowie bei den Erdgas-Explorations- und Produktionsunternehmen (E&Ps) verzerrt erscheinen. Im Raffineriebereich bestehe hingegen ein eher selektives Aufwärtspotenzial.
Als „Top Picks" für den Sektor nennt Mizuho konkret drei Unternehmen: Devon Energy, EQT und Permian Resources. EQT wurde dabei im Rahmen des jüngsten Updates neu in den Status eines „Top Pick" erhoben – ein klares Signal für das gestiegene Vertrauen der Bank in den Erdgasproduzenten.
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Zur AktienanalyseRating-Anpassungen: Hochstufungen und Abstufungen
Im Zuge der Überarbeitung seiner Sektoreinschätzungen nahm Mizuho auch eine Reihe von Rating-Änderungen vor. Auf der Gewinnerseite stehen Phillips 66, Par Pacific Holdings und Gulfport Energy, die allesamt auf „Outperform" hochgestuft wurden. Demgegenüber wurden HF Sinclair und Kosmos Energy herabgestuft.
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung am US-Ölmarkt von besonderer Relevanz, da Energiepreise direkt die Inflation und die Konjunkturaussichten in Europa beeinflussen. Eine anhaltend hohe Unterversorgung am globalen Rohölmarkt könnte den Druck auf die Energiepreise auch hierzulande aufrechterhalten und die Planungen von Unternehmen und Verbrauchern gleichermaßen belasten.


