Mini-Plus im DAX, große Unsicherheit: Was Trumps Zölle jetzt auslösen
Der aktuelle Marktbericht von Aktien.news

Ein Index, der am Ende kaum vom Fleck kommt, ist oft das ehrlichste Stimmungsbarometer – und genau so wirkte der DAX zum Handelsschluss: 24.986 Punkte, knapp unter der 25.000er-Marke und praktisch unverändert zum Vortag (minus 0,02 Prozent). Nach dem Rutsch unter 25.000 Punkte am Montag fehlte den Käufern sichtbar der Mut, die Sache entschlossen zu drehen.
Dabei sah es zwischenzeitlich noch ungemütlicher aus: Der DAX startete deutlich schwächer, fing sich im Tagesverlauf aber Stück für Stück. Trotzdem bleibt der Eindruck: Der Markt läuft nicht, er schleppt sich. Marktexperte Thomas Altmann (QC Partners) bringt es auf den Punkt: „Die Mutigen sind aktuell in der Minderheit.“ Dieser Bericht bezieht sich auf den Handel vom Dienstagabend, erscheint aber erst am Mittwochmorgen.
Zollpolitik als Bremsklotz
Der Hauptgrund für die zähe Börse kommt weiterhin aus Washington – und heißt: Zollchaos. Nachdem der Supreme Court vergangene Woche große Teile der bisherigen Zölle als rechtswidrig eingestuft hatte, traten am Dienstag neue, weltweite US-Einfuhrzölle von zehn Prozent in Kraft. Trump hatte zwar 15 Prozent in Aussicht gestellt, ein entsprechender Schritt stand zum Handelsschluss aber weiter aus.
Dass die Sache nicht nur politisches Hintergrundrauschen ist, zeigt ausgerechnet ein Branchenriese: FedEx hat als erstes großes Unternehmen Klage gegen die US-Regierung wegen der Zollpolitik eingereicht. Der Konzern verlangt die vollständige Rückzahlung bereits gezahlter Zölle – konkrete Summen nennt FedEx nicht. Für die Märkte ist das ein Signal: Aus dem Streit wird nun auch ein juristischer Schlagabtausch, der die Unsicherheit verlängert statt verkürzt.
Bilanzen liefern die Bewegung
Während der Index insgesamt nur minimal nachgab, schlugen einzelne Aktien deutlich aus – vor allem dort, wo Zahlen und Ausblick nicht zusammenpassen. Fresenius Medical Care meldete für das vergangene Jahr zwar einen Gewinnsprung von 82 Prozent. Doch für 2026 klingt das Management deutlich vorsichtiger und schließt sogar einen Gewinnrückgang nicht aus. Die Quittung kam prompt: Die Aktie rutschte zeitweise um rund zehn Prozent ab und schloss mit minus 5,6 Prozent.
Ähnlich das Bild bei MTU Aero Engines: Rekordgewinn hin oder her – die extrem teure Rückrufaktion mit Partner Pratt & Whitney für ein neu entwickeltes Triebwerk frisst sich durch die Bilanz. Anleger honorieren keine Rekorde, wenn die Rechnung dazu zu hoch wirkt. MTU verlor 6,4 Prozent.
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Zur AktienanalyseExport-Stimmung hellt sich auf – Rüstung bleibt der Magnet
Immerhin kommt aus der Realwirtschaft ein Hauch Rückenwind: Die ifo-Exporterwartungen stiegen im Februar auf plus 2,6 Punkte, nach minus 0,8 Punkten im Januar. „Die Exportwirtschaft startet mit etwas Rückenwind ins neue Jahr“, sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser – ohne daraus schon eine breite Erholung abzuleiten.
Und dann ist da noch das Thema, das seit vier Jahren wie ein Dauermotor läuft: Rüstung. Zum Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine rückte die Branche erneut in den Fokus – auch, weil der Lübecker U-Boot-Zulieferer Gabler Group Details zu seinem geplanten Börsengang am 9. März veröffentlichte. Die Aktien sollen in einer Preisspanne von 37 bis 47 Euro angeboten werden, das Unternehmen will damit bis zu 142 Millionen Euro einnehmen. Der Rüstungsboom liefert dafür den passenden Rückenwind: Rheinmetall wird als Beispiel genannt – von 92 Euro auf 1.723 Euro in vier Jahren –, Hensoldt mehr als verdreifacht, dazu starke Kursaufschläge bei europäischen Wettbewerbern wie Leonardo, Saab und BAE Systems. Entscheidend bleibt nun eine Frage, die größer ist als jede Einzelbilanz: Bleibt es bei den zehn Prozent US-Zoll, oder kommt der Sprung auf 15 Prozent – und wie viele Anleger halten das noch für beherrschbar?


