Millionen Beschäftigte arbeiten regelmäßig über ihre Zeit
Ein Fünftel leistet Überstunden – oft unbezahlt oder nur teilweise ausgeglichen

Knapp jeder Fünfte Arbeitnehmer in Deutschland leistete im Jahr 2024 Überstunden – das entspricht rund 4,4 Millionen Beschäftigten, die mehr arbeiteten, als in ihrem Arbeitsvertrag vereinbart war. Dies geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Betroffenen leicht gesunken: 2023 lag er noch bei zwölf Prozent, 2024 bei elf Prozent der insgesamt 39,1 Millionen Beschäftigten.
Auffällig ist, dass Männer mit einem Anteil von 13 Prozent etwas häufiger Mehrarbeit leisteten als Frauen, bei denen der Anteil bei zehn Prozent lag. Die tatsächliche Anzahl der Überstunden variierte stark: Während 45 Prozent der Betroffenen angaben, weniger als fünf Stunden wöchentlich zusätzlich zu arbeiten, kamen bei 73 Prozent insgesamt weniger als zehn Stunden zusammen. Immerhin 15 Prozent gaben an, pro Woche mindestens 15 Überstunden geleistet zu haben.
Ein erheblicher Teil der Überstunden wurde nicht bezahlt. Knapp 19 Prozent der Beschäftigten, die mehr arbeiteten als vertraglich vorgesehen, erhielten für diese Stunden keinen finanziellen Ausgleich. Weitere 16 Prozent bekamen ihre Überstunden vergütet. Die große Mehrheit – 71 Prozent – nutzte ein Arbeitszeitkonto, um die geleisteten Stunden später auszugleichen. In manchen Fällen wurde auch eine Kombination aus Bezahlung, Zeitkonto und unbezahlter Mehrarbeit angewendet.
Je nach Branche unterschieden sich die Zahlen deutlich. Besonders häufig traten Überstunden im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen auf. Dort arbeiteten 17 Prozent der Beschäftigten regelmäßig mehr als vereinbart. Auch in der Energieversorgung lag der Anteil mit 16 Prozent über dem Durchschnitt. Deutlich seltener war Mehrarbeit im Gastgewerbe: Nur sechs Prozent der dort Beschäftigten machten Überstunden. Auch in Bereichen wie Wach- und Sicherheitsdienste oder Reinigungsdienste – zusammengefasst unter den „sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ – lag der Anteil mit acht Prozent vergleichsweise niedrig.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie Angaben des Statistischen Bundesamts basieren auf Daten zu abhängig Beschäftigten ab 15 Jahren, die sich auf deren Haupttätigkeit beziehen. Dabei wurde erfasst, ob die zusätzlich geleisteten Stunden über ein Zeitkonto ausgeglichen, vergütet oder unbezahlt erbracht wurden.


