Milliardenkosten des Philips-Rückrufs
Gesundheitsrisiken, rechtliche Auseinandersetzungen und ungelöste Finanzfragen belasten Betroffene

Vor drei Jahren startete Philips einen Rückruf von Millionen Atemgeräten aufgrund potenzieller Risiken. Nach Recherchen des NDR sind in Deutschland immer noch Tausende dieser Geräte im Einsatz. Das Ausmaß der Rückrufaktion sowie die möglichen Gesundheitsgefahren für die Patienten werfen jedoch weiterhin Fragen auf.
Der Rückruf wurde im Juni 2021 ausgelöst, als Philips eine dringende Sicherheitsmitteilung zu einer Reihe von Atemgeräten verschickte. Diese könnten aufgrund eines schalldämpfenden Schaumstoffs, der sich mit der Zeit zersetzen kann, lebensbedrohliche Verletzungen verursachen. Für viele Mitarbeiter war diese Situation schockierend und belastend. Der Rückruf betraf weltweit etwa fünf Millionen Geräte, die in Kliniken, Pflegereinrichtungen und bei Privatpersonen im Einsatz waren, darunter auch Hunderttausende in Deutschland.
Ein betroffener Patient, Nermin Ukejnovic, berichtet von seinen Erfahrungen. Nachdem ihm das Atemgerät verschrieben wurde, verbesserte es seine Schlafqualität erheblich. Doch im Laufe der Zeit wurde das Gerät lauter, und bald darauf erhielt er die Sicherheitsmitteilung von Philips. Wenig später wurde bei ihm ein seltener Nasenkrebs diagnostiziert, und er vermutet einen Zusammenhang mit dem Atemgerät.
Interne Dokumente zeigen, dass Philips bereits 2010 von Problemen mit dem schalldämpfenden Schaumstoff erfahren hatte. Trotzdem dauerte es bis 2021, bis der Rückruf initiiert wurde. Philips betont jedoch, dass nach aktuellen Erkenntnissen keine signifikanten Gesundheitsschäden zu erwarten seien und verweist auf umfangreiche Studien, die in Auftrag gegeben wurden.
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA äußerte sich jedoch skeptisch zu den vorgelegten Studienergebnissen und verhängte ein Verkaufsverbot für Philips in den USA. Der Konzern stimmte einem Milliardenvergleich in einer Massenklage zu, bestritt jedoch jegliches Schuldeingeständnis.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie finanziellen Auswirkungen des Rückrufs sind enorm. Philips zahlt weltweit etwa 1,5 Milliarden Euro für den Austausch oder die Reparatur der betroffenen Geräte. Die deutschen Krankenkassen befürchten jedoch, auf einem Großteil der Kosten sitzen zu bleiben. Die AOK allein rechnet mit einem Schaden von mehreren Millionen Euro.
Philips betont, dass sie ihren Geschäftskunden in Deutschland faire Lösungen angeboten haben, jedoch seien direkte Zahlungen an die Krankenkassen aufgrund des Kaufs über Drittanbieter nicht möglich. Der Streit um die Kosten und die Verantwortlichkeit dürfte sich noch über Jahre hinziehen, während die betroffenen Patienten und Gesundheitseinrichtungen weiterhin mit den Folgen des Rückrufs kämpfen.


