Milliarden Pfund Schulden: Briten kennen Hilfsangebote nicht
Briten schulden Versorgern über 7 Milliarden Pfund – doch die meisten Betroffenen wissen nichts von verfügbaren Sozialtarifen und Rückzahlungsplänen.

Kunden in Großbritannien schulden Wasser-, Breitband- und Energieunternehmen Milliarden von Pfund. Bis März letzten Jahres beliefen sich die ausstehenden Rechnungen und Gebühren auf mehr als 7 Milliarden Pfund – so die britische Rechnungsprüfungsbehörde National Audit Office (NAO). Schätzungen zufolge ist diese Summe seitdem weiter gestiegen.
Das Besonders Alarmierende: Die Mehrheit der betroffenen Haushalte weiß nicht, dass Unterstützung verfügbar ist. Rückzahlungspläne und günstigere Sozialtarife existieren zwar, werden aber kaum bekannt gemacht. Nur ein Drittel der berechtigten Breitbandkunden und lediglich 39 Prozent der Wasserkunden mit Zahlungsschwierigkeiten kannten die verfügbaren Sozialtarife überhaupt.
Energieschulden seit 2021 um 118 Prozent gestiegen
Der NAO-Bericht macht deutlich, wie stark die Lage eskaliert ist. Die Energieschulden privater Haushalte sind infolge der russischen Invasion in der Ukraine sprunghaft angestiegen – seit 2021 um 118 Prozent. Der Bericht untersuchte die Arbeit der drei zuständigen Regulierungsbehörden: Ofgem (Energie), Ofcom (Breitband) und Ofwat (Wasser).
Gareth Davies, Leiter des NAO, mahnte zur Dringlichkeit: „Die Regulierungsbehörden haben Fortschritte bei der Unterstützung der Verbraucher gemacht, aber sie halten nicht mit dem Druck Schritt, dem Millionen von Haushalten derzeit ausgesetzt sind." Er betonte, es sei wichtiger denn je, die Regulierung so zu gestalten, dass Menschen wissen, welche Unterstützung verfügbar ist, und die Grundversorger kontaktieren können, wenn sie Hilfe benötigen.
Die Sozialtarife sind in der Regel vergünstigte Pakete für lebensnotwendige Dienstleistungen wie Wasser, Energie und Breitband. Sie werden häufig für Bezieher von Sozialleistungen oder Menschen in Zahlungsnot angeboten und können je nach Anbieter variieren. Laut NAO schuldeten Energiekunden mit Rückzahlungsplänen im Durchschnitt 1.000 Pfund weniger als verschuldete Kunden ohne solche Vereinbarungen – ein erheblicher Unterschied.
Betroffene schämen sich, Hilfe zu suchen
Die menschliche Dimension hinter den Zahlen zeigt sich in Einzelschicksalen. Eine Rentnerin berichtete der BBC, dass das Guthaben auf ihrem Energiezähler oft drei oder vier Tage vor Erhalt ihrer Rente aufgebraucht sei. Ihr Energieversorger sei jedoch hilfreich gewesen, nachdem sie ihn über ihre finanziellen Schwierigkeiten informiert hatte.
Die 70-jährige Linda, die anonym bleiben möchte, schilderte ihre Lage gegenüber der BBC offen: „Früher konnte ich meine Rechnungen bezahlen, aber jetzt habe ich wirklich zu kämpfen. Ich war noch nie zuvor verschuldet." Sie zahle zwar in Raten zurück, doch der Schuldenberg werde nicht kleiner. Linda ist auf eine staatliche Rente angewiesen und sagte, diese reiche nie aus, um ihre Nebenkosten zu decken. Die Scham über ihre Schulden – die sich auf Hunderte von Pfund belaufen – sei so groß, dass sie nicht namentlich genannt werden wolle.
Kommunikation und Erreichbarkeit müssen verbessert werden
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Zur AktienanalyseDer NAO-Bericht kritisiert auch den geringen Bekanntheitsgrad des sogenannten „Priority Services Register" – eines landesweiten Projekts, das Versorgungsunternehmen dabei hilft, Kunden mit besonderem Kommunikations-, Zugangs- oder Sicherheitsbedarf zu identifizieren und zu unterstützen, etwa bei einem Stromausfall.
Sir Geoffrey Clifton-Brown, Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses des Unterhauses, übte scharfe Kritik: „Es ist für Verbraucher immer noch zu schwierig, Unternehmen zu kontaktieren, wenn Probleme auftreten. Finanzielle Unterstützung wird unzureichend beworben, während einfache Abrechnungsfehler die Haushalte weiter in die Verschuldung treiben." Er forderte von Ofgem, Ofcom und Ofwat deutlich mehr Dringlichkeit beim Handeln.
Die Regulierungsbehörden selbst erklärten, die Unterstützung schutzbedürftiger Kunden habe Priorität und Reformen würden bereits greifen – räumten jedoch ein, dass noch mehr zu tun sei. Für Millionen britischer Haushalte, die täglich mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, dürfte das keine ausreichende Antwort sein.


