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Miele-Chef Zinkann: Deutsche zahlen nicht mehr für Qualität

Miele-Geschäftsführer Reinhard Zinkann spricht über Kaufzurückhaltung, Standortpolitik, Zölle und die Zukunft des Familienunternehmens.

Miele-Chef Zinkann: Deutsche zahlen nicht mehr für Qualität

Reinhard Zinkann, Geschäftsführer des Hausgeräteherstellers Miele, schlägt im Interview mit der WirtschaftsWoche deutliche Töne an. Die Deutschen seien nicht mehr bereit, für deutsche Qualität einen angemessenen Preis zu zahlen – zumindest nicht bei Hausgeräten und Küchenmöbeln. „Der Trend geht eher in die Mitte und nach unten", so Zinkann. Miele werde beim Preiskampf nicht mitmachen.

Der Miele-Chef macht dafür die allgemeine Verunsicherung der Verbraucher verantwortlich. Seit sechs Jahren verzeichne Deutschland kein Wachstum. Wer Angst um seinen Job habe, halte sich mit großen Anschaffungen zurück und spare lieber. Die Durchschnittserlöse vieler Hersteller gingen nach unten, überall seien nur noch Rabattaktionen zu sehen.

Standort Deutschland unter Druck

Trotz der schwierigen Lage bekennt sich Zinkann klar zum Standort Deutschland. „Wir tun alles, um unsere Standorte in Deutschland zu sichern", betont er. Gleichzeitig stellt er klar: Wenn Miele auf Dauer nicht wettbewerbsfähig sei, müsse das Unternehmen reagieren. Miele betreibt weltweit 19 Werke und bewertet laufend seine globale Aufstellung – auch vor dem Hintergrund der sich verändernden Weltlage.

Die 11.000 Arbeitsplätze in Deutschland bezeichnet Zinkann als nicht bedingungslos sicher. „Als Unternehmer in Deutschland darf ich nie sagen: Alle Jobs sind sicher." Bereits heute produziert Miele Teile in Polen. Ob weitere Verlagerungen folgen, ließ er offen.

Beim Thema Arbeitszeit sieht Zinkann Handlungsbedarf. Die wöchentliche Arbeitszeit müsse angepasst werden – allerdings im Rahmen von Verhandlungen mit Betriebsräten und Gewerkschaften. Deutschland habe im internationalen Vergleich zu viele Feiertage und Urlaubstage, was die Produktivität belaste.

Reformpaket der Bundesregierung: Erster Schritt, aber nicht genug

Das Reformpaket der Bundesregierung mit 34 Maßnahmen bewertet Zinkann als positives Signal, aber nicht als ausreichend. „Es braucht noch weitere Schritte", sagt er. Besonders dringend sei ein international wettbewerbsfähiges Steuersystem. Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer seien im Vergleich zu anderen Ländern zu hoch, ebenso die Lohnnebenkosten. Solange sich das nicht ändere, werde es keine großen Investitionen und neue Werke geben.

Eine Erhöhung der Einkommensteuer am oberen Ende lehnt Zinkann nicht grundsätzlich ab – aber nur, wenn das Geld tatsächlich bei Arbeitnehmern ankomme und den Konsum ankurble. „Dann hilft es ja der Industrie", so der Miele-Chef. Skeptisch bleibt er, ob das tatsächlich so funktioniert.

Weltmarkt: Miele als Statussymbol

International läuft das Geschäft deutlich besser. In Märkten wie China, den USA oder den Golfstaaten gilt Miele als Statussymbol. In Immobilienanzeigen stehe oft: „including Miele appliances." In New York, Dubai oder Singapur werde die Marke über Genuss, Design und Lifestyle wahrgenommen – nicht über den Preis.

Das US-Geschäft ist Mieles zweitgrößter Markt und wächst weiter. Allerdings belastet die Zollpolitik von Präsident Trump das Ergebnis. Im vergangenen Jahr zahlte Miele 50 Prozent Zoll auf Aluminium und Stahl. Den Großteil bekommt das Unternehmen zurück – bis auf den Basiszoll von 15 Prozent. In Opelika, Alabama, betreibt Miele ein eigenes Werk für den US-Markt, in dem zunächst angelieferte Teile vor Ort montiert werden.

Im Projektgeschäft – etwa die Ausstattung von Luxusimmobilien in Dubai oder New York – ist Miele weltweit präsent. Pro Wohnung liefert Miele im Schnitt fünf Geräte: Spülmaschine, Kühlschrank, Kochfeld, Dunstabzugshaube und Backofen. Bei Upgrades kommen Waschmaschine, Trockner, Kaffeemaschine und Dampfgarer hinzu.

Neue Wachstumsfelder: Outdoor-Küchen und Marine

Um neue Umsatzquellen zu erschließen, setzt Miele auf Outdoor-Küchen. „Früher hat man seine Bratwurst auf dem Holzkohlegrill gegrillt. Das ist vorbei", sagt Zinkann. Outdoor-Cooking sei ein großer Trend. Die Nachfrage sei hoch, und Zinkann wünsche sich, das Angebot in mehreren Ländern gleichzeitig ausrollen zu können.

Daneben betreibt Miele eine eigene Marine-Division. Als einziger Hersteller ist Miele zertifiziert, Luxusyachten für Werften wie Lürssen oder Ferretti auszustatten. Die Geräte müssen dabei besonderen Bedingungen standhalten.

JD.com und Ceconomy: Chinesischer Einfluss im Handel

Die geplante Übernahme von Ceconomy durch Chinas größten Einzelhändler JD.com sieht Zinkann gelassen. Auch JD.com brauche attraktive Premiummarken – und damit auch Miele. „Ich habe keine Angst, dass wir bei Ceconomy nicht mehr verkaufen können", so der Miele-Chef. Allerdings erwartet er, dass JD.com mittelfristig chinesische Marken in Europa stärker positionieren wird.

Miele ist derzeit in 48 Ländern mit eigenen Niederlassungen vertreten, über lokale Importeure kommt das Unternehmen auf rund 100 Märkte. In vielen dieser Länder sei der Marktanteil aber noch deutlich geringer als in den Kernmärkten Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande und Belgien – oft schlicht wegen geringerer Markenbekanntheit.

Zur Nachfolge äußert sich der 66-jährige Zinkann entspannt. Konkrete Ruhestandspläne habe er nicht. Miele verfüge über klare Nachfolgeregelungen: Findet sich ein geeigneter Kandidat aus den Eigentümerfamilien, übernimmt die nächste Generation. Andernfalls sei auch eine familienunabhängige Geschäftsführung möglich.

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