Miele-Betrug: Clan erbeutet über 200.000 Euro durch Systemlücke
Der Hausgerätehersteller Miele wurde Opfer eines groß angelegten Betrugs. Eine kriminelle Großfamilie aus dem Kosovo nutzte eine Schwachstelle im Verkaufssystem aus und bestellte innerhalb von sieben Wochen rund 100 Hausgeräte im Wert von über 200.000 Eur

Das Familienunternehmen Miele steht bereits durch sein laufendes Sparprogramm unter Druck. Bis 2028 sollen 500 Millionen Euro durch Stellenabbau und Effizienzsteigerungen eingespart werden. Ausgerechnet in dieser Transformationsphase wurde der Gütersloher Traditionskonzern Opfer eines raffinierten Betrugs.
Systematischer Betrug über sieben Wochen
Eine Großfamilie aus dem Kosovo nutzte eine Lücke im Direktvertriebssystem von Miele aus. Servicetechniker des Unternehmens sind seit einigen Jahren befugt, Geräte direkt beim Kunden zu verkaufen. Die Zahlung sollte innerhalb von vier Wochen erfolgen. Das Problem: Miele überprüfte die Bonität der Besteller nicht, wie Staatsanwältin Lea Rhein von der Staatsanwaltschaft Bielefeld bestätigt.
Die Täter bestellten zunächst testweise einen Kaffeevollautomaten für 3.399 Euro, einen Geschirrspüler für 2.499 Euro und einen Staubsauger für 459 Euro. Dabei gaben sie nicht ihren eigenen Namen an, sondern den von Verwandten. "Weil es ein ausländisch klingender Name war, konnte der Servicetechniker nicht erkennen, dass es ein Frauenname war", erklärt Rhein.
100 Geräte in sieben Wochen bestellt
Nachdem die erste Bestellung erfolgreich war, steigerten die Kriminellen ihre Aktivitäten massiv. Innerhalb von nur sieben Wochen bestellten sie etwa 100 Hausgeräte aus der gesamten Produktpalette: Waschmaschinen, Trockner, Akkustaubsauger, Kaffeevollautomaten, Kochfelder, Kühlschränke und Dampfgarer. Gesamtwert: mehr als 200.000 Euro.
Die Geräte wurden nie genutzt, sondern sofort weiterverkauft. Originalverpackt gingen sie über Kleinanzeigenportale und örtliche Händler für etwa die Hälfte des Neupreises weg. Kaffeevollautomaten im Wert von 4.000 Euro wurden beispielsweise für rund 1.700 Euro angeboten.
Händler ahnungslos – Originalrechnungen vorgelegt
Die Händler, die die Geräte ankauften, konnten keinen Verdacht schöpfen. Die Täter legten Originalrechnungen vor, und Miele bestätigte auf Nachfrage, dass die Geräte regulär verkauft worden waren. "Gegen die Händler wird deshalb auch nicht ermittelt", stellt Staatsanwältin Rhein klar.
SEK-Einsatz und Waffenfunde
Im Frühjahr 2024 flog der Betrug bei Miele auf. Im Mai 2025 erstattete das Unternehmen Strafanzeige. Die Ermittlungen führten zu mehreren Durchsuchungen in Bad Salzuflen, Steinheim, Schloß Holte-Stukenbrock, Dortmund und Bremen.
Da mindestens ein Tatverdächtiger bereits eine Schusswaffe eingesetzt hatte, kam bei den Razzien ein Spezialeinsatzkommando (SEK) zum Einsatz. Die Beamten fanden eine Schusswaffe sowie eine Stichwaffe in der Tür eines Autos.
Drei Brüder in Untersuchungshaft
Drei Brüder wurden zwischenzeitlich in Untersuchungshaft genommen und haben die Taten bereits gestanden. Gegen den Vater der Männer und die Lebensgefährtin eines Angeklagten wurde ebenfalls Anklage erhoben. Sie machten bisher keine Angaben.
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Zur AktienanalyseDie beteiligten Servicetechniker müssen keine Konsequenzen befürchten. Sie erhalten ihre Provision erst nach Zahlungseingang und werden nicht strafrechtlich verfolgt.
Miele verschärft Sicherheitsvorkehrungen
"Im Nachgang zum Vorfall haben wir unsere Sicherheitsvorkehrungen weiter verstärkt", erklärt Miele-Sprecher Dirk Haushalter. Details zu den neuen Maßnahmen nennt das Unternehmen mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht. Ob künftig Bonitätsprüfungen durchgeführt werden oder Techniker keine Geräte mehr direkt verkaufen dürfen, bleibt offen.
Für das Traditionsunternehmen kommt der Vorfall zur Unzeit. Während Miele ohnehin mit Restrukturierungsmaßnahmen beschäftigt ist, zeigt der Fall, wie verwundbar selbst etablierte Geschäftsmodelle durch kriminelle Energie werden können.


