Microsoft einziger Hyperscaler mit positivem freien Cashflow 2026
Während Alphabet und Amazon tief ins Minus rutschen, behauptet Microsoft seine Cashflow-Stärke trotz massiver KI-Investitionen.

Microsoft hebt sich unter den großen US-Cloud-Giganten deutlich ab: Als einziger der vier börsennotierten Hyperscaler – Microsoft (NASDAQ: MSFT), Alphabet (NASDAQ: GOOGL), Amazon (NASDAQ: AMZN) und Meta (NASDAQ: Meta) – schloss das Unternehmen sein viertes Geschäftsquartal 2026 mit einem positiven Kassenbestand von 19,6 Milliarden US-Dollar ab. Die Konkurrenten kämpfen derweil unter der Last massiv steigender Investitionen in die KI-Infrastruktur mit negativen freien Cashflows.
Diese Cashflow-Divergenz entwickelt sich zu einer entscheidenden Variable für Anleger, die Positionen in einem der „Big Four" halten. Die Schere zwischen Microsoft und seinen Wettbewerbern öffnet sich dabei in einem historisch einmaligen Tempo.
Alphabet und Amazon tief im Minus
Besonders dramatisch ist die Lage bei Alphabet: Der freie Cashflow des Google-Mutterkonzerns rutschte im zweiten Quartal 2026 zum ersten Mal seit dem Börsengang im Jahr 2004 ins Negative. Laut Seeking Alpha verzeichnete das Unternehmen in diesem Quartal einen Mittelabfluss von 5,9 Milliarden US-Dollar, während die Investitionsausgaben (Capex) auf 44,9 Milliarden US-Dollar anstiegen. Für das Gesamtjahr 2026 hat Alphabet seine Capex-Prognose auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar angehoben.
Ähnlich drastisch ist die Situation bei Amazon: Der freie Cashflow der letzten zwölf Monate drehte nach drei Jahren positiver Entwicklung auf minus 7,6 Milliarden US-Dollar, wie Reuters berichtete. Dies geschieht trotz eines starken Wachstums beim Cloud-Dienst AWS, der im zweiten Quartal einen Umsatz von 42,2 Milliarden US-Dollar erzielte – ein Anstieg von 36,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Amazon hob seine Capex-Prognose für 2026 auf 220 Milliarden US-Dollar an.
Meta gelang es im zweiten Quartal 2026 zwar, den vierteljährlichen freien Cashflow knapp im positiven Bereich zu halten, doch der Kassenbestand sank im Jahresvergleich um 91 Prozent auf nur noch 784 Millionen US-Dollar. Auch Meta erhöhte die Untergrenze seiner Capex-Prognose für 2026 auf 130 bis 145 Milliarden US-Dollar.
Microsofts Stärke mit einem Vorbehalt
Die relative Widerstandsfähigkeit von Microsoft ist jedoch mit einem wichtigen Vorbehalt zu versehen. Die Investitionsausgaben des Unternehmens für das Geschäftsjahr 2026 belaufen sich auf etwa 175 Milliarden US-Dollar – nach unten korrigiert von ursprünglich 190 Milliarden US-Dollar. Grund dafür ist eine buchhalterische Reklassifizierung: Rechenzentrums-Leasings wurden von Finanzierungs-Leasings in operative Leasings umgewandelt, was die ausgewiesenen Investitionsausgaben um rund 15 Milliarden US-Dollar reduzierte, wie The Register berichtete.
Dennoch verfügt Microsoft über eine solide Umsatzbasis, um seine Ausgaben zu absorbieren. Der Azure-Cloud-Umsatz stieg um 43 Prozent, und der jährliche Gesamtumsatz von Azure überstieg erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar. Microsoft hat zudem prognostiziert, auch im Geschäftsjahr 2027 einen positiven freien Cashflow zu erwirtschaften.
Finanzvorständin Amy Hood gab Anlegern ein gewisses Maß an Beruhigung hinsichtlich der Kapitaldisziplin. Sie wies darauf hin, dass sich der größte Teil der Investitionsausgaben in Richtung kurzlebigerer Vermögenswerte wie CPUs und GPUs verschoben habe. „Wenn sich das Nachfrageumfeld ändert, drosselt man einfach das, was tatsächlich die größte Komponente ist", sagte sie.
KI-Nachfrage übersteigt das Angebot
Das Nachfragenarrativ wirkt bei Amazon in die entgegengesetzte Richtung. CEO Andy Jassy äußerte sich gegenüber The Register unmissverständlich: „Selbst bei diesem Betrag werden wir immer noch nicht genug Kapazität haben, um die gesamte Nachfrage im Jahr 2026 zu decken, und ich glaube, dass diese Dynamik auch 2027 anhalten wird."
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Zur AktienanalyseDiese Darstellung – massiv zu investieren, gerade weil die Nachfrage das Angebot übersteigt – hat dazu beigetragen, Anlegersorgen über die Rationalität des KI-Ausbaus zu dämpfen. „Die Unternehmen selbst sagen, dass sie die Nachfrage nicht decken können, weshalb sie mehr investieren müssen. Es ist ihnen endlich gelungen, die Sorgen vor einer KI-Blase zu zerstreuen", erklärte William Alves, Chefökonom bei Avenue, gegenüber Valor Internacional.
Bank of America mit ernüchterndem Ausblick
Der makroökonomische Ausblick der Bank of America für den Sektor ist dennoch alarmierend. Die Bank prognostiziert laut Yahoo Finance, dass der gesamte freie Cashflow der acht größten globalen Hyperscaler von geschätzten positiven 180 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf etwa minus 64 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 umschlagen wird. Danach soll er sich weiter auf minus 144 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027 und minus 186 Milliarden US-Dollar im Jahr 2028 verschlechtern.
Die gesamten Capex-Ausgaben der Hyperscaler sollen laut BofA im Jahr 2026 die Marke von 860 Milliarden US-Dollar überschreiten und 2027 fast 1,2 Billionen US-Dollar erreichen. Die Erwartung, die von mehreren Analysten geteilt wird, ist, dass sich die Renditen dieser gewaltigen Infrastrukturinvestitionen erst um das Jahr 2029 herum ernsthaft materialisieren werden – eine Geduldsprobe für Anleger, die auf den KI-Boom setzen.


