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Meyer Werft in Finanzkrise

Niedersachsen und Bund erwägen staatliche Hilfe zur Rettung

Meyer Werft in Finanzkrise

Die Meyer Werft in Papenburg, Niedersachsen, steht trotz voller Auftragsbücher vor einer ernsten finanziellen Krise. Das Unternehmen benötigt dringend eine Summe von 2,75 Milliarden Euro bis Ende 2027, um den Betrieb an den Standorten in Papenburg, Lübeck und Turku (Finnland) aufrechtzuerhalten. Diese Kreditzusagen müssen zeitnah eingeholt werden, um das Überleben der Werft zu sichern. Olaf Lies, Wirtschaftsminister von Niedersachsen, betont die nationale und europäische Bedeutung der Meyer Werft und warnt vor dem Verlust entscheidender Fähigkeiten im deutschen Schiffbau. Die Werft ist nicht nur für den Bau von Kreuzfahrtschiffen bekannt, sondern auch für die Produktion von Spezialschiffen und Konverterplattformen für Windräder auf See sowie Marineschiffen.

Trotz intensiver Bemühungen von Unternehmensleitung und Politik ist bisher kein externer Investor in Sicht, der die finanzielle Lücke schließen könnte. Deshalb wird auch eine temporäre Beteiligung der öffentlichen Hand diskutiert. Eine dritte Möglichkeit wäre ein privater Investor, der im Rahmen einer pari-passu-Lösung gleichrangig mit Land und Bund einsteigt. Parallel dazu wird ein Private-Investor-Test durchgeführt, um die Rahmenbedingungen für ein Engagement privater Investoren zu überprüfen. Sollten diese Maßnahmen nicht greifen, könnte der Staat selbst einsteigen, allerdings müssten dabei die strengen Beihilfevorgaben der EU berücksichtigt werden.

Die finanzielle Schieflage der Meyer Werft ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Das Hauptgeschäft, der Bau von Kreuzfahrtschiffen, boomte bis zur Corona-Pandemie. Die Pandemie zwang jedoch die Reedereien, ihre Bestellungen zu strecken, und die Werft konnte die Bauzeitfinanzierung nicht mehr wie gewohnt stemmen. Nun müssen etwa 2,4 Milliarden Euro für den laufenden Betrieb und 1,54 Milliarden Euro Avale, die als Haftungsabsicherungen dienen, aufgebracht werden. Die Banken sind aufgrund der pandemiebedingten Verluste und der kritischen Lage in der Schifffahrtsbranche zögerlich bei der Kreditvergabe.

Andere europäische Werften wie Fincantieri und Chantiers de l'Atlantique haben es einfacher, da der Staat dort als Hauptaktionär fungiert. Auch die Meyer Werft könnte vorübergehend auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. Die Landesregierung von Niedersachsen hat bereits ihre Hilfsbereitschaft signalisiert, und das Bundeswirtschaftsministerium prüft mögliche Rettungsmaßnahmen. Eine langfristige Lösung könnte jedoch nur mit einer Stärkung des Eigenkapitals erreicht werden, wofür rund 400 Millionen Euro benötigt werden.

Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, betont die Notwendigkeit staatlicher Bürgschaften und einer möglichen Beteiligung, um die Werft zu retten, ohne dabei die Belegschaft zu belasten. Er fordert den Schutz der rund 3300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und weist auf Möglichkeiten wie Kurzarbeit und Arbeitszeitkonten hin, um die Unterauslastungsphase zu überbrücken.

Die politische Unterstützung ist stark, aber die Herausforderungen sind enorm. Wirtschaftsminister Lies betont die Komplexität der Entscheidungen und die knappe Zeit, die bleibt, um eine Lösung zu finden. Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte soll bald Klarheit über die Restrukturierungsfähigkeit der Werft bringen. Ralf Schmitz, Sanierungsexperte und Mitglied der Geschäftsführung der Meyer Werft, zeigt sich zuversichtlich, dass trotz notwendiger harter Sanierungsmaßnahmen Potenzial auf der Kosten- und Ertragsseite besteht.

Langfristig könnte nach einer erfolgreichen Sanierung ein geordneter Investoren- oder Refinanzierungsprozess starten, und die Politik strebt nicht an, dauerhaft Werftbesitzer zu bleiben. Der Einfluss der Familie Meyer wird in diesem Prozess deutlich schrumpfen. Es wird auch erwartet, dass das Unternehmen wieder eine Konzernstruktur mit Aufsichtsrat erhält, um die Kontrolle und Mitbestimmung sicherzustellen.

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