Metallrallye erfasst Kupfer, Aluminium und Nickel - Spekulation treibt Preise
Industriemetalle erreichen Mehrjahreshochs trotz schwacher Fundamentaldaten - China-Politik und Trump-Unsicherheit befeuern Anstieg

Die Rallye an den Rohstoffmärkten beschränkt sich längst nicht mehr auf Edelmetalle. Kupfer, Aluminium und Nickel haben in den vergangenen Wochen deutliche Kursgewinne verzeichnet und erreichten teils Rekord- oder Mehrjahreshöchststände. Bemerkenswert dabei: Die fundamentalen Marktdaten rechtfertigen diese Preisentwicklung nur bedingt.
Experten sehen mehrere Faktoren für die Stärke der Basismetalle. Zum einen spielt die chinesische Importnachfrage eine wichtige Rolle, zum anderen beeinflussen nachlassende Exporte aus dem Reich der Mitte die globalen Märkte. Doch zunehmend zeigt sich, dass auch spekulative Kräfte am Werk sind - ähnlich wie bei Gold und Silber. Angesichts der Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump suchen Investoren verstärkt Zuflucht in Sachwerten.
Der schwächere US-Dollar erklärt zwar einen Teil der Preissteigerungen, doch auch in anderen wichtigen Weltwährungen sind die Metallpreise deutlich gestiegen. Dies deutet auf eine breitere Marktbewegung hin, die über reine Währungseffekte hinausgeht.
Edelmetalle mit Rekordgewinnen
Gold erreichte am Mittwoch ein neues Allzeithoch von 5.400,91 Dollar je Unze. Seit dem jüngsten Tiefststand von 3.886,02 Dollar am 28. Oktober entspricht dies einem beeindruckenden Anstieg von 39 Prozent. Noch spektakulärer entwickelte sich Silber: Das Metall legte vom Tiefststand am 28. Oktober bei 45,51 Dollar um satte 158 Prozent auf 117,41 Dollar je Unze zu und kratzte damit am Allzeithoch von 117,69 Dollar vom 26. Januar.
Bei Silber kommt zusätzlich die Sorge um chinesische Exportbeschränkungen hinzu. Peking hat neue Lizenzierungsregeln eingeführt, wonach nur noch 44 Unternehmen das Metall in diesem und im kommenden Jahr exportieren dürfen. Zwar sind diese Beschränkungen noch nicht in Kraft, doch die Märkte reagieren bereits nervös. Im vergangenen Jahr exportierte China rund 5.100 Tonnen Silber - der höchste Wert seit 2008.
China drosselt Aluminiumexporte
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseBesonders deutlich zeigt sich Chinas Einfluss am Aluminiummarkt. Die Exporte von Rohaluminium und Aluminiumprodukten sanken 2025 gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent auf 6,13 Millionen Tonnen, wie Zolldaten zeigen. Der Rückzug des weltgrößten Produzenten vom Exportmarkt ließ die Preise steigen. Die Londoner Aluminiumkontrakte befinden sich seit April in einem Aufwärtstrend.
Da Silber zunehmend in Solarmodulen verwendet wird, befürchten Marktteilnehmer, dass China künftig den Inlandsverbrauch priorisieren und weniger exportieren könnte. Dies würde die globalen Märkte zusätzlich unter Druck setzen und die Preise weiter nach oben treiben. Für Anleger bleibt die Frage, wie lange die spekulationsgetriebene Rallye noch anhält.


