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Merz startet Wirtschaftsoffensive mit Trump in Washington

Taskforce soll Investitionen stärken und Handelskonflikte diplomatisch entschärfen

Merz startet Wirtschaftsoffensive mit Trump in Washington

Donald Trump empfängt Friedrich Merz im Weißen Haus mit einer persönlichen Führung durch seinen privaten Devotionalienraum. Der CDU-Kanzler darf aus signierten Mützen, Bibeln und anderen Erinnerungsstücken wählen – ein symbolträchtiger Auftakt für seinen ersten offiziellen Besuch in Washington. Doch hinter dem demonstrativen Schulterschluss verbirgt sich ein politisch anspruchsvolles Vorhaben: Deutschland und die USA wollen ihre wirtschaftspolitische Zusammenarbeit neu aufstellen.

Ziel ist eine engere Kooperation auf handelspolitischer Ebene, wie Merz nach dem Treffen mit Trump erklärte. Dazu wurde in Washington eine gemeinsame Taskforce ins Leben gerufen. Auf deutscher Seite wird sie vom ehemaligen Bahn-Finanzchef und heutigen G7-/G20-Sherpa im Kanzleramt, Levin Holle, geleitet. Die US-Seite entsendet Kevin Hassett, Direktor des National Economic Council und damit offizieller Wirtschaftsberater des Präsidenten. Beide sollen künftig den Austausch zwischen Kanzleramt und Weißem Haus intensivieren.

Trotz warmer Worte steht die deutsch-amerikanische Wirtschaftspartnerschaft vor Herausforderungen. Laut einer aktuellen Auswertung der Deutschen Industrie- und Handelskammer rechnet nur noch ein Drittel der deutschen Unternehmen mit positiven Geschäften in den USA. Fast die Hälfte geht sogar von einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage aus. Grund ist vor allem Trumps unvorhersehbare Handelspolitik, die zuletzt durch neue Strafzölle auf europäische Stahl- und Aluminiumprodukte verschärft wurde. Weitere Zölle könnten folgen, der Zeitrahmen zur Verhinderung ist eng.

Da die EU in Handelsfragen federführend ist, bleibt die Rolle der Taskforce diplomatisch begrenzt. Merz will als Regierungschef der größten europäischen Volkswirtschaft flankieren, ohne Brüssel zu übergehen. Erste Gespräche mit Trump bei einem gemeinsamen Mittagessen im Weißen Haus deuteten auf mögliche bilaterale Fortschritte jenseits der akuten Zollfragen hin – etwa bei Investitionsbedingungen oder der Rohstoffsicherheit.

Die deutsche Wirtschaft erwartet greifbare Ergebnisse. Eine engere Abstimmung mit Washington sei in geopolitisch unruhigen Zeiten sinnvoll, erklärte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Er mahnte jedoch, dass die Taskforce nicht bei Absichtserklärungen stehen bleiben dürfe. Über 6000 deutsche Firmen sind derzeit in den USA aktiv und sichern dort fast eine Million Arbeitsplätze.

Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will die Beziehungen vertiefen. Sie reist kommende Woche nach Washington, um an Gespräche mit der US-Handelsbeauftragten anzuknüpfen. Der Groß- und Außenhandel fordert derweil weniger Handelshemmnisse und mehr gemeinsame Standards, auch in digitalen Bereichen wie der Künstlichen Intelligenz.

Merz plant über die Taskforce hinaus weitere Maßnahmen zur Steigerung der Standortattraktivität Deutschlands. Ein Investitionsbeauftragter im Kanzleramt und eine groß angelegte Investorenkonferenz sollen das Signal setzen: „Choose Germany“. Beim G7-Gipfel in Kanada wird sich zeigen, ob Trump dieses Ansinnen teilt.

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