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Merz rät eigenen Kindern von Umzug in die USA ab

Bundeskanzler Friedrich Merz äußert wachsende Skepsis gegenüber den USA – inmitten einer schweren Krise im deutsch-amerikanischen Verhältnis.

Merz rät eigenen Kindern von Umzug in die USA ab

Bundeskanzler Friedrich Merz hat vor Studenten in Würzburg erklärt, er würde seinen eigenen Kindern „im Moment nicht empfehlen, in die USA zu ziehen". Als Begründung nannte er das „gesellschaftliche Klima, das sich dort entwickelt". Die Aussage fiel in einer Zeit, in der die Beziehungen zwischen Berlin und Washington einen neuen Tiefpunkt erreicht haben.

„Ich bin ein großer Bewunderer der USA. Aber meine Bewunderung wächst derzeit nicht", sagte Merz vor einem lachenden Publikum. Der Kanzler, der lange als überzeugter Atlantiker galt und noch im vergangenen Jahr in Trumps Gunst stand, erlebt derzeit eine rapide Verschlechterung seines Verhältnisses zum US-Präsidenten.

Eskalation nach Iran-Kommentar

Der Konflikt zwischen Merz und Trump entzündete sich an einem Treffen des Kanzlers mit Schulkindern Anfang Mai. Dort sagte Merz, der Iran habe die USA „gedemütigt" – eine Aussage, die den Zorn Trumps auf sich zog. Der US-Präsident bezeichnete Merz daraufhin als „völlig ineffektiv" und forderte ihn auf, sich darum zu kümmern, „sein kaputtes Land in Ordnung zu bringen".

Die Reaktion Washingtons blieb nicht bei Worten. Trump kündigte den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland an, darunter auch ein Bataillon, das mit weitreichenden Tomahawk-Raketen ausgestattet ist. Sicherheitsexperten sehen darin eine empfindliche Lücke in der europäischen Abschreckung gegenüber Russland. Zusätzlich drohte Trump mit höheren Zöllen auf europäische Autos – eine Maßnahme, die vor allem die exportabhängige deutsche Wirtschaft hart treffen würde.

Hintergrund der Spannungen ist auch die wirtschaftliche Lage Deutschlands. Die US-israelischen Angriffe auf den Iran haben die Energiepreise in die Höhe getrieben und die ohnehin schwächelnde deutsche Wirtschaft weiter belastet. Deutschland kämpft trotz einer schuldenfinanzierten Ausgabenoffensive – mit Schwerpunkt auf Militär und maroder Infrastruktur – mit anhaltenden wirtschaftlichen Problemen und einer Verschlechterung sozialer Dienstleistungen.

Merz sucht Deeskalation

Der Bundeskanzler bemüht sich seither um eine Entspannung des Verhältnisses. Am Freitag meldete Merz auf X, er habe ein „gutes Telefonat" mit Trump geführt, der sich auf dem Rückweg aus China befand. Beide Seiten stimmten darin überein, dass der Iran die Straße von Hormus öffnen müsse und „keine Atomwaffen besitzen dürfe".

„Wir haben auch über eine friedliche Lösung für die Ukraine gesprochen und unsere Positionen im Vorfeld des Nato-Gipfels in Ankara abgestimmt. Die USA und Deutschland sind starke Partner in einer starken Nato", schrieb Merz. In einem Fernsehinterview der vergangenen Woche betonte er zudem, er werde sich „weiterhin für die Aufrechterhaltung einer guten transatlantischen Beziehung einsetzen". Gleichzeitig stellte er klar: „Eine gute Partnerschaft muss auch Meinungsverschiedenheiten aushalten."

Merz so unbeliebt wie kein Kanzler seit 1997

Der Streit mit Trump hat dem Kanzler innenpolitisch kaum geholfen. Aktuelle Meinungsumfragen zeigen, dass Merz der unbeliebteste deutsche Bundeskanzler seit 1997 ist. Lediglich 16 Prozent der Befragten gaben an, mit seiner Amtsführung zufrieden zu sein.

Die Unzufriedenheit der Bevölkerung richtet sich dabei weniger gegen den außenpolitischen Kurs als gegen die wirtschaftliche Lage und die spürbare Verschlechterung sozialer Dienstleistungen. Trotz massiver schuldenfinanzierter Investitionen in Militär und Infrastruktur bleibt die wirtschaftliche Erholung aus – eine Hypothek, die Merz' Kanzlerschaft zunehmend belastet.

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