Merz bei Trump im Weißen Haus
Erstes Kennenlernen, heikle Themen und die Suche nach diplomatischem Gleichgewicht

Friedrich Merz absolviert seinen ersten offiziellen Besuch als Bundeskanzler in den Vereinigten Staaten. In Washington wird er im Weißen Haus von US-Präsident Donald Trump empfangen. Das Treffen im Oval Office gilt als unberechenbar, wie frühere Begegnungen Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa gezeigt haben. Für Merz ist es der bislang schwierigste Auslandsauftritt seit seiner Amtsübernahme vor vier Wochen. Neben einem gemeinsamen Mittagessen ist eine Pressebegegnung im Oval Office vorgesehen, bei der auch enge Berater Trumps, darunter Vizepräsident J.D. Vance und Außenminister Mark Rubio, anwesend sein könnten.
Das Verhältnis der beiden Staatschefs ist bislang kaum erprobt. Sie begegneten sich vor Jahren kurz in New York und stehen seit Merz’ Amtsantritt in telefonischem Kontakt. Merz spricht Trump inzwischen mit Vornamen an und tauscht SMS mit ihm aus. Für den Besuch verzichtet der Kanzler auf einen Dolmetscher – eine Maßnahme, die Vertrauen schaffen soll. Themen des ersten bilateralen Gesprächs waren unter anderem der Ukraine-Krieg, die US-Stadt Chicago und der amerikanische Papst. Merz hat sich vor seinem Besuch mit mehreren Amtskollegen beraten, die bereits bei Trump zu Gast waren. Der Tenor der Ratschläge: Die ersten Sekunden sind entscheidend.
Zentrale Themen des Treffens sind die weitere Unterstützung der Ukraine sowie Handelsfragen. Merz will sich dafür einsetzen, dass der Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin durch neue Sanktionen erhöht wird. Trump hatte sich zuletzt skeptisch zu kurzfristigen Friedenslösungen geäußert. Auch mögliche Zölle auf europäische Produkte stehen auf der Agenda, wobei die EU-Kommission in dieser Frage die Verhandlungen führt. Deutschland kann laut Merz aber durch seine wirtschaftliche Stärke Vertrauen in Europa schaffen. Die USA hatten kürzlich die Zölle auf Aluminium und Stahl verdoppelt, was auch deutsche Unternehmen betrifft.
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Zur AktienanalyseEin weiteres Gesprächsthema dürfte der bevorstehende NATO-Gipfel in Den Haag sein. Trump fordert Verteidigungsausgaben von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat einen Kompromiss vorgeschlagen, den Merz unterstützt: 3,5 Prozent für das Militär und 1,5 Prozent für militärisch relevante Infrastruktur. Trump hat seine Teilnahme am Gipfel inzwischen zugesagt, nachdem diese zunächst offen war. Wie lange das Gespräch zwischen Merz und Trump im Oval Office dauern wird, ist nicht bekannt. Merz plant einen selbstbewussten Auftritt, ohne sich als Bittsteller zu präsentieren.


