Mercosur startet Handelsverhandlungen mit Japan und visiert China an
Das südamerikanische Handelsbündnis will seine Partnerschaften ausbauen und reagiert damit auf die globale Zollpolitik von US-Präsident Trump.

Das südamerikanische Handelsbündnis Mercosur hat am Dienstag offiziell Verhandlungen mit Japan über ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen aufgenommen. Die Gespräche wurden beim Mercosur-Gipfel in Asunción, der Hauptstadt Paraguays, bekannt gegeben. Ein erfolgreiches Abkommen würde eine Freihandelszone mit rund 400 Millionen Menschen und einem kombinierten Bruttoinlandsprodukt von 7 Billionen US-Dollar schaffen.
Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund der weitreichenden Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, der Waren von Handelspartnern weltweit mit umfassenden Zöllen belegt hat. Dies hat viele Länder dazu veranlasst, ihre Wirtschaftsbeziehungen zu diversifizieren und neue Handelspartner zu suchen. Der Mercosur setzt dabei auf eine klare Strategie der Öffnung gegenüber den dynamischsten Märkten der Welt.
Vorbereitungen liefen bereits seit Monaten
Die Verhandlungen kommen nicht überraschend: Der Block hatte bereits im Januar und März dieses Jahres zwei Vorbereitungstreffen mit japanischen Vertretern abgehalten, wie die Mitgliedsstaaten in einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten. Zudem erörterten der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und die japanische Premierministerin Sanae Takaichi die Aufnahme der Verhandlungen bei einem bilateralen Treffen am Rande des G7-Gipfels Anfang Juni und verwiesen dabei auf Fortschritte in vorangegangenen Gesprächen.
Laut der gemeinsamen Erklärung sollen im Rahmen des angestrebten Abkommens beide Seiten den Marktzugang für landwirtschaftliche und nicht-landwirtschaftliche Güter ausweiten. Darüber hinaus sollen Zusammenarbeit und gegenseitige Investitionen durch die Integration der Wertschöpfungsketten beider Volkswirtschaften gefördert werden. Damit zielt das Abkommen auf eine tiefgreifende wirtschaftliche Verflechtung ab, die über einen klassischen Freihandelsvertrag hinausgeht.
Mercosur auf Expansionskurs nach EU-Abkommen
Der Mercosur – bestehend aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay – befindet sich in einer Phase intensiver handelspolitischer Aktivität. Im Januar unterzeichnete der Block nach 25-jährigen Verhandlungen ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union, das eine der weltweit größten Freihandelszonen schuf. Dieses Abkommen trat bereits am 1. Mai vorläufig in Kraft.
Parallel zu den Gesprächen mit Japan führt der Mercosur laufende Verhandlungen mit Kanada über ein Handelsabkommen. Vertreter beider Seiten zeigen sich optimistisch, die Gespräche bereits im September oder Oktober abschließen zu können. Die Verhandlungsdichte zeigt, wie entschlossen der Block seine außenwirtschaftliche Aufstellung neu ausrichtet.
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Zur AktienanalyseChina als nächstes großes Ziel
Besonders bemerkenswert ist der Blick auf China: Brasiliens Präsident Lula kündigte in seiner Rede auf dem Gipfel an, dass der Mercosur anstrebe, bald Verhandlungen mit China aufzunehmen. Der Block nähre sich dabei „weiterhin den dynamischsten Märkten des Planeten", so Lula. China ist bereits heute einer der wichtigsten Handelspartner Brasiliens und des gesamten südamerikanischen Kontinents.
Für deutsche Anleger und Unternehmen ist diese Entwicklung von Bedeutung: Ein wirtschaftlich stärker vernetzter Mercosur könnte die Wettbewerbsdynamik in globalen Lieferketten verändern, insbesondere in den Bereichen Agrarwirtschaft, Rohstoffe und Industriegüter. Die zunehmende Handelsverflechtung Südamerikas mit Asien und Europa signalisiert eine strukturelle Verschiebung in der globalen Handelspolitik.

