Merck hebt Jahresziele an: KI-Boom beflügelt Halbleitergeschäft
Starke Halbleiternachfrage und wachsendes Life-Science-Geschäft treiben Merck – Konzernchef Beckmann bleibt dank KI-Boom optimistisch.

Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck hat seine Jahresziele nach einem unerwartet starken zweiten Quartal erneut nach oben geschraubt. Rückenwind liefern vor allem die boomende Halbleiterindustrie und das florierende Life-Science-Geschäft. Konzernchef Kai Beckmann zeigte sich bei der Vorstellung der Quartalsbilanz am Donnerstag klar optimistisch: „Die steigenden KI-Kosten sind ein Treiber unseres Halbleitergeschäfts."
Für das Gesamtjahr 2026 stellt Merck nun einen Umsatz zwischen 21,0 und 21,8 Milliarden Euro in Aussicht. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) soll zwischen 5,9 und 6,3 Milliarden Euro liegen. Damit übertrifft die neue Prognose die bereits im Mai angehobenen Ziele deutlich – damals hatte Merck noch einen Umsatz von 20,4 bis 21,4 Milliarden Euro sowie ein Ebitda von 5,7 bis 6,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
Halbleitersparte als Wachstumsmotor
Der entscheidende Wachstumstreiber ist die Geschäftseinheit Semiconductor Solutions, die im zweiten Quartal organisch um rund 17 Prozent zulegte. Als Zulieferer der Chipindustrie produziert Merck Spezialmaterialien und chemische Lösungen, die für die Herstellung hochkomplexer Mikrochips unverzichtbar sind. Diese Chips bilden das technologische Herzstück moderner KI-Anwendungen und Rechenzentren weltweit.
Ein baldiges Ende des Nachfragebooms erwartet Beckmann nicht. Seinen Angaben zufolge berichten Kunden weiterhin über Kapazitätsengpässe bei KI-bezogenen Technologien. „Sie sind mit ihren Kapazitäten für den Großteil des nächsten Jahres quasi bereits ausverkauft", so der Konzernchef. Für Anleger ist das ein klares Signal: Die Nachfrage nach Mercks Halbleitermaterialien dürfte mittelfristig hoch bleiben.
Im zweiten Quartal erzielte Merck einen Gesamtumsatz von 5,4 Milliarden Euro – ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das organische Wachstum belief sich auf gut vier Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis kletterte um mehr als neun Prozent auf 1,6 Milliarden Euro und übertraf damit die durchschnittliche Analystenerwartung von 1,53 Milliarden Euro. Auch Währungseffekte wirkten sich weniger negativ aus als in den vorangegangenen Quartalen.
Pharmageschäft unter Druck – Mavenclad verliert US-Markt
Weniger erfreulich ist die Lage im Pharmasegment. Der Umsatz ging dort im zweiten Quartal organisch um mehr als drei Prozent zurück. Besonders das Multiple-Sklerose-Präparat Mavenclad, bislang eines der umsatzstärksten Medikamente des Konzerns, gerät unter Druck. Ab August erwartet Merck in den USA keine Erlöse mehr aus diesem Produkt – zwei Generika-Konkurrenten drängen bereits auf den Markt, weitere stehen in den Startlöchern. Immerhin: Ursprünglich hatte Merck diesen Einschnitt bereits drei Monate früher erwartet.
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Zur AktienanalyseFinanzchefin Helene von Roeder erklärte, man beobachte sehr genau, wie sich die Umsatzerosion im dritten und vierten Quartal entwickeln werde. Trotz des operativen Wachstums sank der Nettogewinn unter dem Strich um knapp ein Viertel auf 494 Millionen Euro – belastet durch höhere Zinskosten und Restrukturierungsaufwendungen.
Analysten loben starkes Quartal – Aktie legt zu
Die Analysten von Jefferies zeigten sich dennoch positiv gestimmt und lobten das starke Abschneiden im zweiten Quartal, in dem alle drei Geschäftssparten die Erwartungen übertroffen hätten. An der Börse reagierten Anleger erfreut: Die Merck-Aktie legte um gut ein Prozent zu. Für Privatanleger bleibt Merck damit ein interessanter Wert an der Schnittstelle von Pharma, Halbleiter und Life Science – mit klarem Rückenwind aus dem globalen KI-Megatrend.


