Mercedes-Benz: Produktoffensive 2026 soll Margenkrise beenden
Stuttgarter Autobauer setzt auf acht neue Modelle und Elektrooffensive gegen Absatzschwäche.

Mercedes-Benz startet 2026 die größte Produktoffensive seiner Geschichte. Nach der Präsentation der neuen S-Klasse folgen bis Mitte Mai sieben weitere Modelle, darunter die elektrische C-Klasse und der AMG GT. Die elektrische E-Klasse soll 2027 das Programm abrunden.
Die aggressive Modellstrategie kommt nicht von ungefähr: Der Konzern kämpft mit sinkenden Verkaufszahlen und schrumpfenden Margen. 2025 wurden nur noch 1,8 Millionen Fahrzeuge im Segment Mercedes-Benz Cars abgesetzt – das Ziel von zwei Millionen Einheiten rückt in weite Ferne. Der Konzernumsatz lag bei 132 Milliarden Euro.
Marge unter Druck durch US-Zölle
Besonders dramatisch entwickelt sich die Ertragslage: Für 2026 rechnet Mercedes nur noch mit einer Marge von 3 bis 5 Prozent. Das liegt deutlich unter dem 2022 definierten Mindestziel von acht Prozent für ungünstige Marktbedingungen. Allein die neuen US-Zölle belasten das Ergebnis mit mindestens einer Milliarde Euro jährlich.
Finanzvorstand Harald Wilhelm zeigt sich dennoch optimistisch: Mittelfristig soll die Marge wieder auf 8 bis 10 Prozent steigen. Allerdings läuft sein Vertrag im März 2027 aus – die Früchte der Strategie wird wohl sein Nachfolger ernten.
Fokus auf Oberklasse und Elektromobilität
Die Wende soll über zwei Hebel gelingen: Mercedes plant, den Absatz bei Oberklasse-Fahrzeugen um mehr als 15 Prozent zu steigern. Künftig sollen über 300.000 Top-End-Fahrzeuge verkauft werden, was mehr als 15 Prozent des Gesamtabsatzes entspricht.
Zugleich verdoppelt der Konzern sein Elektro-Angebot. Besonders in China, wo bereits die Hälfte aller verkauften Autos elektrifiziert ist, hatte Mercedes bisher kaum wettbewerbsfähige E-Modelle im Portfolio. Diese Lücke soll nun geschlossen werden.
Ein weiterer Baustein ist das neue Betriebssystem MB.OS, das in allen neuen Modellen zum Einsatz kommt – auch in Verbrennern. Der CLA ist bereits damit ausgestattet. Das System passt sich lokalen Anforderungen an: In Europa läuft Google Maps, in China die Navigations-App A-Map.
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Zur AktienanalyseStrategie ohne klare Positionierung
CEO Ola Källenius vermeidet eine eindeutige strategische Festlegung. Mercedes will weder reiner Volumenhersteller noch ausschließlicher Elektroautobauer oder Luxusmarke sein. Stattdessen setzt man auf maximale Flexibilität: Verbrenner werden aufgefrischt, E-Modelle ausgebaut, Luxusfahrzeuge gestärkt.
Die Rechnung: Mit so vielen Produkten gleichzeitig erhöht sich die Chance, dass einige zum Erfolg werden. Ob diese Strategie der tausend Möglichkeiten aufgeht, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Die Märkte werden es gnadenlos bewerten.


