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Memes als Kriegspropaganda: Wie der Iran-Konflikt das Internet verändert

Von absurden Internetwitzen zur offiziellen Staatskommunikation: Der Iran-Konflikt gilt als erster „Meme-Krieg" der Geschichte.

Memes als Kriegspropaganda: Wie der Iran-Konflikt das Internet verändert

Donald Trump greift gelegentlich zu Memes, wenn er die Welt über den Stand des Krieges mit dem Iran informieren will. In einem davon schießt ein KI-generiertes Schiff der US-Marine eine iranische Drohne ab – versehen mit den Worten: „Laser: Bing, Bing, WEG!!!" In einer jüngsten Meme-Offensive postete Trump KI-Bilder von explodierenden iranischen Öltankern, und das nur einen Tag, nachdem das Pentagon die Angriffe pausiert hatte. Chaotische, plumpe Internetwitze sind damit zum offiziellen politischen Kommentar der USA geworden.

Laut dem Reuters Institute beziehen inzwischen mehr als ein Drittel der Amerikaner ihre Nachrichten hauptsächlich aus sozialen Medien. Der älteste Präsident des Landes ist zugleich derjenige, der am intensivsten online lebt. Diese Entwicklung hat die Feinde der USA dazu veranlasst, sich auf diesem seltsamen neuen Schlachtfeld zu engagieren.

Der erste Meme-Krieg der Geschichte

War Russlands Invasion in der Ukraine der erste TikTok-Krieg, so gilt der Iran-Konflikt als der erste Meme-Krieg. Während Trump auf Truth Social aktiv ist, haben offizielle iranische Accounts ihre eigene Trolling-Kampagne über X gestartet. Die iranische Botschaft in Simbabwe scherzte, sie habe die Schlüssel zur Straße von Hormus verloren, und postete ein KI-Bild eines zombifizierten Jeffrey Epstein. Die iranische Botschaft in Südafrika veröffentlichte ein KI-generiertes Video von Trump, der über Blockaden singt.

Das Institute for Strategic Dialogue (ISD) bezeichnet dieses Phänomen als „Shitposting als Staatskunst". Der Iran nutzt provokante, minderwertige Bilder und Videos, um sich als geistreicher, selbstbewusster Außenseiter darzustellen. Belohnt wurde dies mit einem massiven Anstieg der Interaktionsraten. Diese Art des Postens, so das ISD, könnte zur Blaupause für nicht-traditionelle Kriegspropaganda in künftigen Konflikten werden.

Was ist ein Meme überhaupt?

Betrachtet man Memes in Bezug auf das griechische Wort mimema – Nachahmung –, ergeben diese Taktiken durchaus Sinn. Memes sind eingängige Ideen, die darauf ausgelegt sind, online wiederholt und verbreitet zu werden. Es kann sich um ein Wort oder eine Phrase handeln, meist sind es jedoch Bilder oder Videos mit einfachem, leicht lesbarem Text und übertriebenen Darstellungen. Sie sind leicht teilbar und meistens ohne erkennbaren Urheber.

Wie das Magazin Art in America einst schrieb, sind Memes ein „offenes Werk" – ein kollektives Unterfangen. Ihr Format profitiert von der Wiederholung: Es ist kein Diebstahl, dem „Distracted Boyfriend"-Meme oder dem „This is fine"-Hunde-Meme eine eigene Note zu verleihen – genau dafür wurden sie geschaffen. Vor allem aber sind Memes oft Witze. Wenn Trump also Bilder postet, die ihn als König, Kampfpilot oder Jesus darstellen, provoziert er damit seine Gegner, sie ernst zu nehmen und wie Heulsusen zu wirken, die keinen Spaß verstehen.

Die Ursprünge: Godwins Gesetz und Richard Dawkins

Um zu verstehen, wie es dazu kam, muss man bis in die späten 1980er-Jahre zurückgehen. Mike Godwin, damals Jurastudent in Texas, gilt als der Erste, der Internet-Memes beschrieb. Als jemand, der viel Zeit in Online-Foren verbrachte, wollte er einen Weg finden, nervige Diskussionen zu untergraben. Seine Lösung war das sogenannte Godwins Gesetz: die Maxime, dass jede Diskussion im Internet irgendwann dazu führt, dass jemand mit den Nazis oder Hitler verglichen wird.

Godwin, der heute als Technologie-Anwalt in Washington arbeitet, sagt, er habe diesen pseudowissenschaftlich klingenden Begriff verwendet, um bierernste Kommentatoren zu entlarven. „Ich hatte viel über Informationstheorie gelesen und über die Vorstellung von Information als etwas, das in die physische Welt integriert ist", sagt er. „Ich wusste, dass ich nichts Ernsthaftes über die Argumente sagen konnte – das würde nur zu Spott führen –, also dachte ich mir diese Idee aus, diesen Witz, und ließ ihn sich verbreiten."

In seinem 1994 in Wired veröffentlichten Essay „Meme, Counter-meme" bezeichnete Godwin sein Vorgehen als „memetisches Engineering". Er stützte sich dabei auf das Konzept der Memes, das der britische Biologe Richard Dawkins 1976 in seinem Buch Das egoistische Gen eingeführt hatte – „Einheiten der kulturellen Übertragung", die Kultur auf nicht-genetischem Wege verbreiten und weiterentwickeln können. Während Dawkins über Mode oder Rezepte sprach, war Godwins Online-Meme eine Phrase, die darauf abzielte, bösartige Argumentationen zu stoppen.

Online-Memes wiesen dabei charakteristische Merkmale auf: Die Zielscheibe des Witzes war oft die Person, die ihn postete. In „Rage Comics" und „Image Macros" – Bilder mit darübergelegtem Text – machten sich Ersteller und Reposter über sich selbst lustig. Was einst als Selbstironie im Internet begann, ist heute ein Instrument der Geopolitik geworden.

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